Wie Thilo Sarrazin den deutschen Un-Diskurs offenbart

Was dieser Tage durch die deutschen Medien rauscht, ist nicht nur einer der typischen Fälle von – manchmal auch berechtigter – Naziphobie. Vielmehr zeigt der Fall Sarrazin, wie arg es um die Diskussionskultur in Deutschland bestellt ist. Sowohl Sarrazins Schelte als auch die Reaktionen seiner Kritiker gehen an dem, was in einem demokratischen Diskurs Turnus sein sollte, weit vorbei.

In der Sache richtig, im Ton vergriffen

Thilo Sarrazin kritisierte in einem Interview insbesondere das Verhalten vieler Migranten. Soweit, so gut. Daß es um jenen Bevölkerungsteil, der sich vornehmlich aus Türken und Osteuropäern zusammensetzt, vor dem Hintergrund der Integrationsbereitschaft nicht immer gut bestellt ist, dürfte allgemein bekannt sein. So ist am ersten Teil einer Aussage Sarrazins auch wenig auszusetzen:

„Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt …“

Leider setzte der (ehemalige) Bundesbankvorstand noch einen drauf und rutscht mit brachialer Gewalt in dunkelste Polemik ab:

„… und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“

Letzteres ist in der Tat diskriminierend und geht vor dem Hintergrund der Problematik völlig am Thema vorbei. Gleichzeitig läßt dieses Verhalten eine nachdenklich machende Frage aufkommen: Muß man in Deutschland derart „lautstark“ an das Thema Migranten herangehen, um überhaupt gehört zu werden?

Mit Gewalt die Freie Meinung unterdrückt

Wie sehr nicht nur die Art und Weiße Sarrazins Meinungsäußerung sondern auch das angesprochene Thema auf absoluten Anti-Aktionismus stoßen, zeigen die Reaktionen weiter Teile der medialen Öffentlichkeit. So verglich der Zentralrat der Juden – dessen Klientel im Übrigen nicht angegriffen wurde! – Sarrazin mit Adolf Hitler, die Jusos würden ihn am liebsten aus der SPD ausgeschlossen sehen, und aus Richtung der Türkischen Gemeinde hagelte es zornige Betroffenheit nebst Rücktrittsforderungen. Im Tenor wird Sarrazin die kaum abzuwehrende Rassismus-Keule entgegen geschlagen.

Die weitaus folgenschwerste Reaktion lieferte jedoch die Bundesbank, Sarrazins Arbeitgeber: Sie entzog ihm die wichtigsten Funktionen. Ob zudem in vier Jahren sein Arbeitsvertrag verlängert wird, steht in den Sternen.
Was dieser Vorgang darstellt, ist klar: Aus Angst, das Ansehen der Bundesbank könnte insbesondere im Ausland beschädigt werden, wird ein Bürger für seine Meinung abgestraft; Demokratie versus Einfluß und Kommerz.

Die Tragweite erst im Nachhinein erkannt

Interessanterweise rudern nach der Entmachtung Sarrazins plötzlich alle zurück. Ihnen wurde offenbar die Gefahr eines solchen Vorgangs für die Demokratie bewußt. So heißt es selbst aus SPD-Kreisen, der „Rauswurf“ sei völlig überzogen. Neben dem unglücklichen Zusammenfallen mit bösen Worten aus der Türkei – was letztendlich wie Duckmäusertum aussieht – hat wohl auch der durchaus breite Zuspruch aus weiten Teilen der Gesellschaft für die Kehrtwende gesorgt; Politik zwischen vorauseilender Polemik und Anbiederung an den Wähler. Selbst das eher links eingeordnete SpiegelOnline sieht in der heftigen Debatte eher ein Schmierentheater.

Die Demokratie steht auf dem Spiel

Die unterschiedlichen Reaktionen spiegeln letztendlich die Komplexität des Themas wider. Einerseits darf der politische Diskurs niemals in reine Polemik, die zudem geeignet ist, ganze Mensachengruppen zu beleidigen, abrutschen. Dies ist Thilo Sarrazin negativ anzurechnen. Er hat sich schlichtweg im Ton vergriffen und selbst abgeschossen.
Andererseits ist die Schelte inhaltlich korrekt. Deutschland hat ein Migrantenproblem, weil es Ausländer beherbergt statt Einwanderer zu integrieren. Das liegt zum größten Teil an den Migranten. Und das sollte öffentlich wirksam angemahnt werden dürfen.

Es kommt auf den Ton an. Im demokratischen Diskurs ist diese Weisheit geradezu existentiell. Denn ohne Regeln kann Freiheit auf Dauer nicht bestehen.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

Ein Gedanke zu „Wie Thilo Sarrazin den deutschen Un-Diskurs offenbart“

  1. ÜBER ARABER UND TÜRKEN:

    Im Wortlaut hat Herr Thilo Sarrazin recht.

    Über die Ausländerproblematik gebe ich ihm Recht, mit den Jahren und Jahrzehnten werden die Deutschen immer mehr verdrängt (nach dem Motto der “deutschen” Politiker Augen zu und durch – spielen wir mal blinde Kuh) die späteren Generationen haben dann ein dickes soziales, finanzielles Problem. Jetzt hat er mal am eigenen Leib gespürt, dass man als Deutscher in diesem Land nichts mehr zu sagen hat und darf. Die Ausländer ziehen hier dem Anschein nach die Fäden, selbst im Gericht ist man als Deutscher nicht mehr sicher. Das sogenannte “Deutschland” muss wieder von Deutschen Bürgern regiert werden alles andere ist Verrat am deutschen Volke. Deutschland wird wie die DDR billigst verkauft, man kann es auch so lösen das nur Deutsche finanziell unterstütz werden, der kein Geld als Ausländer mitbringt, sich nicht selbst versorgt und kein deutsch kann wie es Australien vordert (wer kein Geld und englisch kann), geht nach hause wieder zurück und schon hätte der Staat eine Belastung weniger und die Ausbreitung wäre eingedämmt. Wenn man in einem anderen Staat leben will sollte man schon 1. Geld mitbringen, 2. die Sprache beherrschen und 3. sich in dem Land integrieren und nicht den kulturellen Stil beibehalten als wäre ich zu hause.

    «Eine große Zahl an Arabern und Türken (..) hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich auch vermutlich keine Perspektive entwickeln.»

    «Die Türken erobern Deutschland genauso wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.»

    «Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.»

    «Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen. (..) Die Medien sind orientiert auf die soziale Problematik, aber türkische Wärmestuben können die Stadt nicht vorantreiben.» (jeweils September 2009)

    ÜBER LANGZEITARBEITSLOSE:

    Das Problem liegt mit bei den Arbeitgebern, Sie handeln nach dem Wolfsgesetzt der stärkere/ bessere Qualifikation bzw. den man den wenigsten Lohn zahlen kann bekommt den Job und die anderen langweilen sich zu hause herum und wollen arbeiten. Aber durch das gezwungene nichts zu tun, verliert man den Sinn am aktiven Leben teil zu haben, da stimme ich den Herrn Thilo Sarrazin nur bedingt zu. Wer will sich schon gern im kalten Raum aufhalten bei 15-16°C, den Spruch finde ich total daneben und in Deutschland sind 7 Monate davon kalt.

    «Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet.» (Februar 2008)

    «Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können.» (Sommer 2008)

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