Wer ist hier der ProllBlogger?

Eigentlich wollte ich zum derzeit in der Blogsphäre kursierenden Streit um veröffentlichte Blogeinnahmen nichts schreiben. Zu sehr geht mir das Thema an allen möglichen Körperteilen vorbei. Dummerweise hat Baynado jedoch eine Diskussion losgetreten, die mich dann doch dazu verleitete, ein paar Zeilen zu schreiben. Grund ist die “typisch deutsche” Angewohnheit, über alles mögliche zu meckern und dabei den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Besagtem Baynado ist dieser Blick jedenfalls gehörig abhanden gekommen; gleichwohl hält er hier lediglich als Beispiel her, ist also keine Ausnahme.

Opfer seiner egomanisch gefärbten Wut sind jene Blogger, die fleißig – mehr oder weniger wahrheitsgemäß – Monat für Monat ihre erzielten Einnahmen aus Werbung, Linkverkäufen und bezahlten Artikeln veröffentlichen. Ihm geht es einfach auf den Geist, wenn ein maTTes es wagt, wegen seiner 6,69 Euro mit einem eigens dafür verfaßten Beitrag die Blogsphäre zu bereichern. Der i-Punkt wird dabei von den ebenfalls regelmäßigen Zusammenfassungen gesetzt. Kurzerhand bezeichnet Baynado alle diese Nestbeschmutzer(?) als Netzprolls (auf Yigg nennt er sie Problogger und meint damit nicht etwa Pro im Sinne von “Professionell”, sondern kürzt den Begriff “Proll” ab, was semantisch recht merkwürdig ist).
Hierbei sollte man wissen, daß man Menschen, die man als Proll bezeichnet, schlichtweg beleidigt. Die Abkürzung steht nämlich heutzutage für Prolet, was wiederum für Unkultiviertheit und Pöbel steht (mehr dazu auf Wikipedia).

Einmal davon abgesehen, daß eine solche Beleidigung selbst als unkultiviertes Verhalten gilt – besonders, wenn man sie derart offensiv publiziert -, verletzt Baynado die wichtigste Regel der Blogsphäre: Jeder hat das Recht, zu schreiben, was er will. Indem jedoch ein recht bekannter Blogger über die vermeintlichen “Prollblogger” herzieht, schädigt er deren Ruf und in Folge dessen die Wirkung zukünftiger Meinungsäußerung.
Lachhaft wird der Wut-Artikel dann dadurch, daß Baynado in ihm die eigenen Zugriffsstatistiken anpreist. Seine Zahlen sind natürlich viel besser als die eines Blogs, mit dem knapp 6 Euro verdient werden. Die Aussage ist klar: Seht meine Zahlen! Was wollen diese kleinen Wichte überhaupt?

Ich schätze Baynado als Blogger, der manchmal interessante und lesenswerte Artikel veröffentlicht. Aktuell hat er jedoch den Vogel, respektive seine Bloggerkollegen, abgeschossen.

Blogsphäre
Baynados Artikel verzeichnet viele Kommentare, aber nur wenig Nachklang in anderen Blogs. Das mag an der Spannung des Themas liegen ;-). Einen habe ich dann doch noch gefunden.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

26 Gedanken zu „Wer ist hier der ProllBlogger?“

  1. Schön das Du darüber berichtest. Im Prinzip sollen die Leute schreiben was sie wollen, nur wenn mir etwas auf die Ketten geht, dann sind es diese post schaut her wie viel ich verdiene. Dan schreibich eben auch meine Meinung.

    Was macht ihr mit Leuten, die im realen Leben auf der Straße mit ihrem Einkommen protzen?

    Ich denke die meisten werden angewidert dieser Person den Rücken kehren. Ich habe das Beispiel von Mattes und reffix deswegen gewählt, weil es doch zeigt, wie unterentwickelt die deutsche Blogosphäre ist.

    An allen Ecken wird diskutiert, wie Blogger mit ihrem Dasein ein Einkommen generieren können und damit kläglich scheitern. Gewiß es gibt zwar einige Blogs die schon ein paar Hundert € verdienen, aber was ist das schon? Kann man von ein paar hundert € in Deutschland leben?

    Ich möchte jetzt auch nicht missgünstig erscheinen. Ich gönne diesen Netzprolls jeden Cent den sie verdienen, aber man muss doch mal die Kirche im Dorf lassen. Wenn es wenigstens EInnahmen wären mit einer relvanten Höhe, wo die Leute sehen, hey das lohnt sich ja wirklich, aber pustekuchen ist.

    Und wenn man noch so doof ist und siene Linkverkäufe anpreist, dann ist das ncht nur dumm sondern eine gefahr für jeden Neuling. Dies ekönnten dann den Eindruck haben, das Linkverkauf völlig ok ist und Google sich nicht dran stört.

    Letztendlich ist Linkverkauf hoch manipulativ und bewirkt, dass sich der Linkgeiz in Deutschland noch mehr ausbreitet. Wieso sollte man auch auf gute Seiten verlinken,wenn man dafür Geld bekommt?

  2. Naja, es geht auch eher um die Art und Weise, wie du deinen Unmut äußerst. Zwar räumt dein Artikel den “Netzprolls” (nicht, daß dieser Begriff noch zum allgemeinen Wortschatz der Blogsphäre wird ;-) ) eher wenig Raum ein. Doch in diversen Newsportalen fokusierst du auf die Proll-Thematik.

    Hättest du jetzt einfach nur so geschrieben wie im 4. Absatz deines oben stehenden Kommentars, wäre das ja völlig in Ordnung und legitim gewesen. Aber gleich das Schimpfwort “Proll” zu bemühen…?

    Was die Sache mit den Linkverkäufen angeht: Es hat schon einen Grund, weshalb ich deine Aussagen diesbezüglich in meinem Artikel nicht anspreche bzw. kritisiere ^^

    Übrigens: Protzen (z.B. mit dem eigen Einkommen) ist nicht gleich Proll – jedenfalls nach meinem Sprachgefühl.

  3. Leute, das eigene Einkommen offen zu legen ist eigentlich nur bei Politikern wünschenswert – oder für ein Blog wie Geldkrieg (das war glaub ich der Name)… alles andere ist wahlweise prollerei auf hohem Niveau (wie es diverse SEOs betreiben) oder auf “Pommes Schranke”-Niveau.

    Interessant ist es trotzdem – bevor ich mit Höllenaufwand 200 Euro im Monat aus einem Blog generiere blogge ich doch lieber zum Spass und krieg nichts dafür… ;-)

  4. Ich finde, es geht nicht darum, möglichst viel zu verdienen.
    Die meisten (zumindest ich ^^) bloggen aus freude und machen das u.a. als hobby. wenn ich aber mit einem winzigen adsense code noch wenige euro dazu kriege, ohne dafür etwas zu machen, warum darf ich mich nicht freuen? es geht ja nicht darum, boah guck mal, ich mache geld mit dem blog und du nicht. die meisten blogger (die solche einnahmen preisgeben) sind noch sehr jung (um die 20) und gehen zu schule oder studieren. da sind teilweise 50€ echt viel geld. ausserdem könnte man damit am wochenende einmal im monat schick mit der freundin essen gehen und was weiß ich noch.

    so lange man nicht schreibt, dass man super bekannt und toll wäre und damit geld macht, ist es meiner meinung nach in ordnung. für mich sind nur die leute prolls, die auf der straße jedem sagem müssen wie “geil” sie sind, ne groß klappe haben, und wenn es auf etwas ankommt sich dann verkrümeln.

    @baynado
    hast du dich als kleinerer junge denn nicht gefreut, wenn du mal 20€ mehr in der tasche als sonst hattest?

  5. @Mediensache, genau derselben Ansicht bin ich auch. Alles just4fun und ein paar cents nebenher. Mein Blog wird baynados-Blog nie gefährden ;)
    Das ist mir auf jeden Fall schon klar.
    Aber man muss ja nicht gleich so abwertend schreiben, da ists ja schon richtig, was auch tiuz hier geschrieben hat. Selber mit seinen großen Zahlen angeben und im gleichem Atemzug über die kleinen hermachen.

  6. Guter Artikel, den ich so unterschreiben kann. Die Art und Weise wie er den Artikel schreibt ist ok, er will ja auch provozieren. Aber eine Diskussion siehe Kommentare bei ihm entwickelt sich auch nicht, da er weiter keine Stellung bezieht.
    Schade eigentlich…

  7. Ich finde das Wort Proll nicht ganz so schlimm, wie es hier beschrieben wird. Proll hat im eigentlichen Sinne schon etwas mit den sogenannten Proleten zu tun, aber in der heutigen Zeit wird es auch scherzhaft benutzt, um jemanden zu demonstrieren, dass er sich benehmen soll. Kennt ihr nicht Aussprüche wie: “DU BIST EIN RICHTIGER PROLL” ?!

  8. Und dennoch: Die Veröffentlichung von Blogeinnahmen, sofern sie nicht völlig aus der Luft gegriffen und total überzogen sind, schaden uns allen. Jenen, die mit ihren Blogs Umsatz machen wollen genauso wie jenen, die einfach nur ernst genommen und gehört werden möchten. Denn mit veröffentlichten Beträgen so um die 500 Euro oder gar weniger, werden Blogs von neutralen Lesern, mitunter nicht zu Unrecht, nach wie vor mit Schülerzeitungen gleichgesetzt.

  9. Ich halte die Veröffentlichung von Blogeinnahmen auch für überflüssig. Es könnte aber auch ein Linkbait sein. Wieviel Links hat der Blogger, dessen Nachnamen sich nach einer Programmiersprache anhört, wohl schon auf die Beiträge bekommen, in denen er sich seiner hohen Einnahmen brüstet? ;-)

  10. Na Einnahmen veröffentlichen würde ich jetzt nicht gleich mein prollen darstellen. Auch wenn es in Deutschland Mode ist Einkommen das geht keinen was an. In anderen Ländern gehen die Leute viel offener damit um. Und ich rede jetzt nicht davon das jemand prollig rumläuft nach den Motto ich verdiene … und bin der beste.

  11. letztlich ist es doch völlig belanglos, was die leute mit ihren blogs verdienen oder nicht. dennoch es doch eine tolle sache, wenn die publizierten einnahmen den einen oder anderen motivieren über ein thema zu bloggen, über das sonst vielleicht nicht gebloggt würde.

  12. Das war das was ich mit meinen Comment sagen wollten das die Einnahmen die die anderen veröffentlichen für manche ein Anreiz sein kann das auch zu schaffen und das sehe ich persönlich als positiv an.

  13. Ich bin zwar nur ein Hund, erziele aber trotzdem nicht unerhebliche Einnahmen mit meiner Seite (Google) die mein Herrchen dazu verwendet mir neues Futter zu kaufen. Ist doch legitim oder?

    Und warum soll der Gute nicht freiwillig seine Einnahmen offen legen. GmbH und AG müssen dies neuerdings auch tun.

    Meine ich Caesar der Hund!

  14. Hallo,

    Mit diesem Thema könnte man sich jeden Monat erneut befassen, oder sich mit einer Wand unterhalten…

    www. webbstar.de/2008/12/10/richtig-bloggen-%E2%80%93-verdienen-und-erhalten/

    lG
    Lutz

  15. @Lutz Spilker: Tja, etwas mehr Quantität und Qualität bzgl. des Kommentars, und ich hätte sogar deinen zusätzlichen Link drin gelassen. So aber nicht … das nennt man Spam.

    @alle anderen: Einfach die URL kopieren und zwischen “www.” und “webstar…” das Leerzeichen entfernen ;)

  16. Du solltest dir überlegen, wer hier gegen die Meinungsfreiheit verstösst und wer nicht. Wenn das seine Meinung ist, dass das Prollblogger sind, kann er das sagen. Oder nicht? Du kritisiert IHN ja auch öffentlich.

    Wer mit solchen “Beleidigungen” wie z.B. Prolet nicht klarkommt heißt nur, dass die wahrscheinlich stimmen. Sonst wüsste er ja, dass es nicht so ist, bräuchte sich also nicht deswegen aufzuregen.

    Und nur weil er kritisiert, was andere Blogger tun, verletzt er lange nicht die Regel, dass jeder schreiben kann, was er will. Er verbietet es ja keinem. Er sagt lediglich seine Meinung.

    Aber was solls. In einem Land, in dem unter anderem die Kriminalität so ist wie sie ist, weil sich Täter eines solch umfassenden “Persönlichkeitsrechtes” erfreuen, gilt Meinungsfreiheit eh immer nur solange, bis man was sagt, was einem anderen nicht passt.

    Aber ist eigentlich eh egal, der Post ist zu lange her. Aber das musste jetzt sein.

  17. Bitte ließ den Artikel nochmal! Du argumentierst an ihm vorbei, übergehst die darin aufgestellten Zusammenhänge.

    Und was ist das bitte schön für ein Argument: Wenn jemand die Meinungsfreiheit kritisiert, darf man ihn dafür nicht ebenso kritisieren, weil man dann ja auch seine Meinungsfreiheit einschränkt? Diese Art kenne ich sonst eher von gewissen politisch am Rand stehenden Gruppierungen, die unsere Freiheitsrechte mißbrauchen um ihre eigenen Vorstellungen unter deren Deckmantel voranzubringen.

    Du regst also über Beleidigungen nur dann auf, wenn sie auf dich zutreffen? Na dann kann man ja ungestraft über dich herziehen… ;-)

  18. Erm … lies du erst mal bitte meinen Kommentar nochmal. Ich verbiete auch dir nicht zu kritisieren. Dein Kommentar geht an MEINEM völlig vorbei.

    Und zu deinem letzten Satz. Eine psychologische Regelmäßigkeithat mir zumindest mein Psycho-Prof so beigebracht. Je mehr ein Vorwurf oder eine Beleidigung zutrifft, desto mehr echauffiert man sich in der Regel und versucht mit Gewalt sich zu rechtfertigen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Du kannst gerne ungestraft über mich herziehen. Hab ich kein Problem mit, weil ich (im Gegensatz zu viiiielen anderen) zu meiner Meinung, meinen Aussagen und meinen Handlungen stehe und daher vor nichts Angst haben muss. Entweder jemand findet mich cool oder jemand findet mich scheisse. Von mir aus – soll er mich scheisse finden. Und das soll er auch sagen ohne dass er dafür kritisiert wird (was aber auch nicht wirklich schlimm wäre ;)) .

    Ach und nochwas allgemeines … dass das nur auf “politische Randgruppen” zutrifft, dass Freiheitsrechte missbraucht werden um eigene Vorstellungen unter diesem Deckmantel voranzubringen, wage ich zu bezweifeln. Dies trifft imho eher auf die großen Parteien zu …

  19. “Je mehr ein Vorwurf oder eine Beleidigung zutrifft, desto mehr echauffiert man sich in der Regel und versucht mit Gewalt sich zu rechtfertigen.”
    Die Betonung liegt auf desto mehr.

    “Du kannst gerne ungestraft über mich herziehen.”
    Will ich aber nicht ;-)

    “Dies trifft imho eher auf die großen Parteien zu …”
    Einigen wir uns auf: Es trifft auf die derzeitige Politik zu ^^

  20. Nee, auch nicht ganz richtig. Zur derzeitigen Politik gehört auch die Piratenpartei, und denen werfe ich das weiss Gott nicht vor ;)

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