Was ist eine Republik ?

Dass Deutschland eine Republik ist, können wir dem Grundgesetz entnehmen. Doch wie sollte eine solche aussehen? Welches sind ihre Grundregeln? Denn Demokratie ohne Regeln ist nichts weiter als die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. Folgend ein paar grundlegende Gedanken darüber, wie eine Republik (eigentlich?) konstituiert sein sollte.

Zwischen Macht und Untergang

Der Mensch ist zu aller erst ein Egoist. Er kann das in ihm lauernde Böse, das unsittliche – weil gegen das Gemeinwohl gerichtete – Wesen nicht ablegen wie einen Mantel. In seinem Innersten ist er stets bemüht, sich selbst zu begünstigen, zum eigenen, individuellen, Vorteil zu handeln. Gegen die Interessen anderer ist er bestrebt, sein eigenes Leben zu aller erst zu gestalten. Nur so kann er sich und sein eigen im Raubtierkäfig der menschlichen Gesellschaft verteidigen. Denn er ist in seiner Unsitte nie allein. Andere trachten ihm nach seinen Vorzügen, sind neidisch, misstrauisch und hinterhältig. Gefangen im Kreislauf SEINER Natur – die um so grausamer ist, je mehr er sich von DER Natur entfernt – muss er das Böse auf ewig in sich tragen. Man nennt ihn auch den Bourgeoise.

In diesem andauernden Urzustand ist Recht, was Stärke erlangt. Unfreiheit der Schwachen und Unterlegenen bedeutet das Ende jeder Gerechtigkeit; oder lässt sie nie entstehen. Gesetze und ethische Normen stehen nur auf dem Papier. Noch schlimmer: Sie versklaven jene, die sich an sie halten. Denn wenn Wettbewerb das einzige Regelungsinstrument ist, dann fungieren formelle Regeln nur noch als Käfig, als Ketten, die zu Wehrunfähigkeit führen. Die Starken und Mächtigen nutzen sie, um Widerstand zu unterbinden, und brechen sie, um Vorteile zu erlangen.

Die Republik

Die Lösung erscheint in Gestalt des Citoyen – des Staatsbürgers. Denn die aus dem Dasein als Bourgeoise entstehenden Vorteile und Privilegien sollen seinem Denken nach allen Mitbürgern zu Gute kommen. Nicht nur bestimmte Gruppen oder andere Individuen sind Adressaten der Früchte seines Handelns. Die Allgemeinheit ist es, die ihm am Herzen liegt. Dies wird zur Existenzberechtigung des zivilisierten Menschen, zu seinem Lebensinhalt. Gegen jeden Angriff von außen oder Innen verteidigend, steht er für die Erhaltung der Gemeinschaft ein.

Doch nach wie vor ist der Citoyen auch Baumeister des eigenen Lebens. Nicht alles kann und darf die Gemeinschaft erledigen; nicht alles darf sie vereinnahmen. Regeln sind von daher die beste Lösung, den einzelnen und alle zu entlasten. Ein Leitfaden, der befolgt wird und dessen Befolgung man sicher sein kann.

Damit dies jedoch Bestand hat, können nicht einzelne jene Normen aufstellen. Zu sehr wären sie von ihrem Urwesen beeinflusst, als dass Gerechtigkeit zustande käme. Die Folge wäre der Bruch der Gemeinschaft. Vielmehr muss jeder an der Entstehung des Regelwerkes beteiligt sein. Nur so ist die Akzeptanz durch die Allgemeinheit gewährleistet. Jedem wird seine Freiheit gelassen. Auch wenn diese Freiheit darin besteht, dass der Bürger, der Staatsbürger, sie sich selbst beschneidet. Indem er dies tut, wird er wirklich frei, und kann seine Rechte unabhängig vom Erfolg seiner Handlungen nutzen. Das Ergebnis ist eine gemeinschaftliche Verfassung. Man nennt dies auch Republik.

Weiterführende Werke:

Liberalismus und Republikanismus – Grundzüge, Kritik und Alternativen
Artikel 146 Grundgesetz – Die potentielle Republik

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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