Was ist die Blogosphäre? – Anleitung zum Social-Media-Blog

Immer wieder werde ich gefragt, was es denn mit dieser ominösen Blogosphäre (engl. blogosphere) auf sich hat. Was denn Blogs überhaupt seien. Die Antwort auf diese Fragen ist nicht so einfach, wie man glauben mag. Gerade in Deutschland sind Blogs noch immer eine wenig bekannte Nische. Hierzulande besteht für viele das Internet aus traditionellen Nachrichtenportalen, Google, Wikipedia und vor allem Facebook. So ist man als Blogger gezwungen, über das Wesen der Blogosphäre und ihren Stellenwert im Web nachzudenken. Überraschender Weise bin ich dabei auf Erkenntnisse gestoßen, die auch Auswirkungen auf die Gestaltung meiner eigenen Blogs haben.

Was ist ein Blog?

Um die Frage nach der Blogosphäre beantworten zu können, muss man zunächst schauen, was denn nun eigentlich einen Blog zu selbigem macht. Was unterscheidet ihn von anderen Webangeboten?

Früher hätte die Antwort gelautet: Es ist ein persönliches Tagebuch im Web.
Mit Verlaub, diese Definition ist (mittlerweile) Unsinn. Blogs sind viel mehr. So können durchaus mehrere Autoren beteiligt sein – entweder durch Gastbeiträge oder gar in Gemeinschaftsblogs. Auch werden keineswegs nur persönliche Gedanken oder Erlebnisse festgehalten. Überhaupt lässt sich ein Blog inhaltlich nur schwer definieren. Längst gibt es Angebote in der Blogosphäre, die den großen Nachrichtenportalen in nichts nachstehen, qualitativ oft sogar um Welten besser sind.

Also bleibt im Grunde nur die Definition über methodische Eigenschaften.
In einem Blog wird grundsätzlich der Autor bzw. der Herausgeber in den Vordergrund gerückt. Stets ist klar erkennbar, wer einen bestimmten Beitrag verfasst hat. Oft sind Texte auch in der Ich-Form geschrieben. Natürlich gibt es dies auch auf klassischen Presseseiten. Dort nennt man es Kolumne. Und tatsächlich sind Blogs die Weiterführung und -Entwicklung ebenjener journalistischen Form. Mit dem Unterschied, dass in Blogs nicht nur Meinungen dargelegt werden, sondern durchaus journalistisch recherchierte Inhalte möglich sind.

Blog + Social Media = Blogosphäre

Facebook wird gemeinhin als Soziales Netzwerk bezeichnet. Tatsächlich aber ist es lediglich ein Forum. Echte Soziale Netzwerke zeichnen sich per Definition durch ihre Offenheit aus. Dennoch kann man einige Funktionalitäten von Facebook hernehmen, um die Blogosphäre zu erklären; auch wenn letztere sehr viel eher existierte und Facebook hier genau genommen kopiert bzw. adaptiert hat.

Da wäre zum einen die Kommentarfunktion. Sie wurde früher fälschlicherweise als sinnstiftend für einen Blog genannt. Mittlerweile gewährt aber so gut wie jedes Nachrichtenportal seinen Besuchern die Möglichkeit, die eigene Meinung direkt unter dem Artikel zu hinterlassen.
Dennoch sind Kommentare auch für Blogs wichtig. Sie bieten einen direkten Kontakt zum Leser, ermöglichen Interaktion und können durchaus wertvollen ergänzenden Charakter haben. Neben den Problemen, die sie mittlerweile verursachen liegt jedoch eines auf der Hand: Kommentare erzeugen nur in geringem Maß so etwas wie ein Soziales Netzwerk. Zwar können in der Regel Kommentatoren einen Link zu ihrem eigenen Blog hinterlassen. Echte Vernetzung ist das aber nicht.

Verantwortlich für das, was wir Blogo-Sphäre nennen, sind hauptsächlich sogenannte Pingbacks. Dies sind automatische (Rück-)Verlinkungen zwischen Inhaltsseiten (d.i. Beiträgen) zweier Blogs; analog zur “Teilen”-Funktion auf Facebook. Verweist Blogger A auf einen Beitrag von Blogger B, erscheint automatisch in Blog B der Link zum Beitrag auf Blog A. In der Praxis werden oft mehrere Beiträge auf einmal verlinkt. Es entsteht zunächst eine Art Stern. Nun werden meistens in den verlinkten Beiträgen weitere Blogs angepingt. Das Ergebnis ist eine Link-Sphäre, die je nach Thema sehr umfangreich werden kann. Der Leser ist theoretisch in der Lage, sich endlos von Beitrag zu Beitrag, von Blogger zu Blogger zu bewegen – stets im Rahmen des jeweiligen Themas.

Mit dem Aufkommen der Sozialen Netzwerke ist ein weiteres Element hinzugekommen, das die Blogsphäre bestimmt. Indem auf Twitter, Facebook und Google+ Blog-Beiträge vielfach geteilt bzw. geliked/geplust werden, findet auch in diesen geschlossenen Netzwerken die Ausbreitung der Blogs statt. Nicht selten sind Blogger nur zu diesem einen Zweck dort angemeldet: Um Social Media Marketing für ihre Blogbeiträge zu betreiben.

Denkt man sich nun die Summe der (Kommentar-) Links, Pinkbacks und Social-Media-Aktionen aller Blogs in Deutschland oder sogar weltweit, entsteht das, was wir Blogsphäre nennen.

Ein Blog für die Blogosphäre optimieren

Insbesondere WordPress als führende Blog-Software bringt bereits alle technischen Möglichkeiten mit, um in der Blogsphäre mitzumischen. Diese laufen meistens automatisch ab (wie beispielsweise Pingbacks). Gleichwohl empfiehlt es sich, einige Anpassungen in Methodik und Design vorzunehmen.

Exklusive Verlinkung von Blogs

Im Grunde verweise ich ausschließlich in die Blogsphäre und Wikipedia; nur in seltenen Ausnahmen auf Nachrichtenportale oder andere Quellen. Zur Blogsphäre zählen für mich – ganz im Sinne der obigen Definition – nur solche Webangebote, die auch einen Pingback annehmen (also rückverlinken). In der Praxis ist natürlich nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich nun um einen echten Blog handelt. Deshalb schaue ich nach spätestens einer Woche noch einmal nach, ob der Pingback denn wirklich gesetzt wurde. Wenn nicht, entferne ich den Link aus meinem Beitrag.

Diskussion via Pingback

Reine Kommentare hinterlasse ich nur selten. Wenn ich zum Beitrag eines anderen Bloggers etwas zu sagen habe, tue ich das auf meinem eigenen Blog und setze einen Pingback.
Überhaupt schreibe ich auch mal kurze Artikel – eher vom Umfang eines Kommentars -, um an deren Ende mehrere “fremde” Blogbeiträge zu einem bestimmten Thema zu verlinken. So trage ich meinen Teil zur Diskussion bei und verbreite gleichzeitig die Gedanken anderer. In einen wahren Diskurs fließen die Gedanken vieler ein.

Bevorzugte Anzeige von Pingbacks

Pingbacks werden in meinen Blogs gesondert und vor den Kommentaren aufgelistet. So nimmt der Leser nicht nur Reaktionen der Blogsphäre intensiver wahr. Auch bekommen interne Verlinkungen – die häufig via Pingback erfolgen – einen höheren Stellenwert.

Do-Follow für Pingbacks – No-Follow für Blogs – Kein Link für SEOs

Entgegen meiner früheren Ansicht bekommen reine Kommentatoren maximal einen No-Follow-Link. Das liegt zum einen an diversen Updates der Suchmaschine Google. So gut wie alle verlinkten Blogs haben nichts mit dem Thema des jeweiligen Artikels zu tun. Zum anderen versuchen viele SEOs kostenlose Links für ihre Shops abzusahnen. In diesen Fällen entferne ich die Verlinkung sogar.
Diesem Schritt ging ein längerer Erkenntnisprozess voraus. Er begann bereits vor vier Jahren und ist vermutlich noch nicht ganz abgeschlossen. Insbesondere die zunehmende Verlagerung von Blog-Diskussionen in die geschlossenen Sozialen Netzwerke dürfte noch einiges bewegen.

WordPress optimieren

Wie man nur für Pingbacks und Trackbacks do-follow einrichtet, beschreibt Tanja Preuße recht ausführlich und verständlich (officetrend.de). Ellen erklärt inkl. Code-Beispielen , wie man im Template Pingbacks von Kommentaren trennt (elmastudio.de).

Die Blogosphäre ist der Nexus Sozialer Medien

Nicht umsonst fallen die vielen Analogien zu geschlossenen Sozialen Netzwerken ins Auge. Blogs sind einerseits Vorreiter Sozialer Medien. Andererseits ist die Blogosphäre viel mehr als Facebook und Co. Sie vernetzt nicht nur Menschen – also die Blogger – miteinander. Die Blogsphäre schafft zusätzlich einen gewaltigen Diskurs-Raum, in dem Meinungen und Wissen auf hohem qualitativem wie quantitativem Niveau ausgetauscht werden. Das kann kein geschlossenes Netzwerk leisten – bleibt abzuwarten, ob diese Erkenntnis auch die Mehrheit der Menschen in Deutschland erreicht.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

2 Gedanken zu „Was ist die Blogosphäre? – Anleitung zum Social-Media-Blog“

  1. Schöner Artikel, welcher mir die Blogosphäre näher bringen konnte. Ich denke, Kommentare sind zwar der erste (winzige) Schritt in die richtige Richtung, aber dennoch hast du recht damit, dass nur Kommentare allein kein soziales Netzwerk ergeben.

    Liebe Grüße aus dem Norden

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