Warum Googles Monopol ein Problem ist

Immer wieder hört resp. ließt man, wie gefährlich Google doch eigentlich ist. Mangelnder Datenschutz wird dabei sehr häufig ins Feld geführt. Dabei stellt der zum einen kein reines Google-Problem dar. Andere wie z.B. Facebook haben in dieser Hinsicht viel mehr auf dem Kerbholz. Googles Gefahr geht zusätzlich von seiner quasi Monopol-Stellung auf dem Suchmaschinenmarkt dar. Insbesondere in Deutschland.

Beinahe 100% Google – ohne Grund

Besonders hierzulande nähert sich der Anteil Googles am Suchvolumen der 100%-Marke an. Dabei stellt der Suchmaschinenriese schon seit langem keinesfalls die beste Suchtechnik zur Verfügung. Konkurrenten wie Bing bieten gerade bei fachlichen Fragen oftmals bessere Suchergebnisse.
Den Deutschen ist noch nicht einmal der Vorwurf zu machen, sie würden (mal wieder) sehenden Auges in einen Schlamassel hinein geraten. Ausgerechnet ihr Faible für alternative Browser hat dazu geführt, dass sie Google zum totalen Marktführer machten1. Denn Firefox und Co. leiten Anfragen voreingestellt an die Suchmaschine weiter. Wenn wir uns einen Vorwurf machen können, dann den, zu sehr auf eben diese Empfehlung des Browsers zu setzen.

Gründe gegen Google

Warum aber ist denn nun dieses Monopol so gefährlich? Einmal von kartellrechtlichen Aspekten abgesehen.

Datenschutz
Der Dauerbrenner. Seit kurzem bündelt Google sämtliche Daten seiner Nutzer quer über alle Angebote und Dienste. Datenschützer stufen diese Methode als rechtswidrig ein.2 Wer also ein Google-Mail-Konto hat, eventuell einen Google-Plus-Account sein eigen nennt und auch noch bei Google sucht, könnte sich gleich auf den Marktplatz seines Wohnortes stellen und dort sein ganzes Leben, alle Geheimnisse und Missetaten laut hinaus posaunen.

Abstufung unliebsamer Webseiten
Dass Google auf Anweisung staatlicher Stellen sowohl jugendgefährdende als auch politisch unliebsame Webseiten in seinen Suchergebnissen aussperrt, sollte mittlerweile jedem bekannt sein. Doch auch Inhalte, die statt über Googles hauseigenes Anzeigensystem AdWords alternativ beworben werden, geraten in den Filter.3 Das hat zur Folge, dass inhaltlich eventuell sehr gute Ergebnisse nie gefunden werden können, weil Google seine eigene Einnahmequelle bevorzugen möchte. Hier liegt meines Erachtens ein klarer Verstoß gegen das Wettbewerbs- respektive Kartellrecht vor. Ein Vorgehen dieser Art wäre sehr viel schwerer, wenn die Suchmaschine über Qualität gegen Konkurrenten bestehen müsste.

International erpressbar

Google ist interantional tätig. Auch in Ländern, die nicht unbedingt unseren Vorstellungen von Freiheit und Demokratie entsprechen. Gleichzeitig beugt sich die Suchmaschine den jeweiligen Ländergesetzen – auch in Diktaturen. Der Grund: Google ist der Umsatz wichtiger als Menschenrechte. So will sich die Suchmaschine künftig der chinesischen Zensur unterwerfen, um Zugang zum Smartphone-Markt zu bekommen.4 Was ist, wenn Diktaturen merken, dass Google über den Geldbeutel erpressbar ist und fordern, unliebsame Inhalte über das eigene Regime weltweit zu filtern? Wie weit würde Google in dieser Sache gehen, um sich die Boom-Märkte zu sichern?

Gefahr für die Mediendemokratie

Besonders mangelnder Datenschutz und Filterung unliebsamer Inhalte sind eine Gefahr für demokratische Meinungsbildung und Entscheidungsprozesse. Wenn bestimmte Inhalte oder sogar ganze Medienangebote aus den Suchergebnissen verschwinden, steht die Demokratie an sich im Fadenkreuz. Der Weg zu einer Informationsdiktatur ist denkbar und keine unrealistische Schwarzmalerei.

Dagegen vorgehen kann jeder. Zunächst sollten Daten so weit wie möglich gestreut werden. Wer hauptsächlich Google als Suchmaschine verwendet, ist gut beraten, auf weitere Dienste des Unternehmens zu verzichten. Des weiteren sind die Alternativen an Suchmaschinen besser, als es die Google-Propaganda vermuten lässt. Bing liefert durchaus ansehnliche Ergebnisse.

Quellen

1Der Browser entscheidet, womit man sucht (Spiegel.de)
2Datenschutzbeauftragter Schaar: Google-Datenschutzerkärung verstößt gegen europäisches Recht (wbs-law.de)
3Das Risiko mit den gekauften Backlinks (website-seo-check.com)
4Google liebäugelt mit Kurswechsel in China (sueddeutsche.de)

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

4 Gedanken zu „Warum Googles Monopol ein Problem ist“

  1. “ohne Grund”?
    Sehe ich überhaupt nicht so.
    Ich habe nur schlechte Erfahrung mit dem Bingbot & den Bing Webmaster Tools.
    Die Googlebots sind wesentlich besser. Sie crawlen schnell und effektiv.
    Die Bing-Bots crawlen sehr schlecht und sehr wenig.
    Frage doch mal ein paar SEO-Experten, was sie von den Bing-Bots halten!

  2. Ich persönlich kann nicht nachvollziehen dass Bing bessere Ergebnisse liefert. Wie gesagt ist das meine eigene Erfahrung, bei jemand anderen sieht es da vielleicht wieder anders aus. Der Verweis, dass Google unliebsame Webseiten abstuft greift meines Erachtens nicht, da es im verlinkten Artikel um Backlink-Kauf geht. Dass Google eine solche Manipulation nicht gerne sieht dürfte klar sein und wird auch von Google so kommuniziert. (Richtlinien für Webmaster) So viel ich weiß macht nicht nur Google so was, sondern auch die anderen Suchmaschinen. Ob gekaufte Links wirklich auf das “beste” Ergebnis hinweisen ist eher unwahrscheinlich. Wg. China möchte ich auch noch anmerken dass vermutlich jedes Unternehmen dass dort tätig ist mit dieser Regierung kooperieren muss. (sieht man ja an Twitter als jüngstes Beispiel) Sprich, nicht nur Google scheren Menschenrechte nicht. Wieso sollte es auch? Googles Unternehmensziel oder -zweck ist nicht die Menschenrechte zu schützen, sondern Profit zu erwirtschaften. Schert dieses Thema doch auch schon unsere eigenen Regierungen nicht mehr. Weshalb also Google, Twitter, Microsoft und Konsorten? Bitte meinen Beitrag nicht als böse gemeinte Kritik auffassen.

    Gruß, Robert Leitgeb

  3. Ich denke, die Monopolstellung von Google wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Google hat es geschafft, mit seinem Markennamen in den täglichen Wortschatz aufgenommen zu werden – wir “googlen” statt zu “suchen. Das ist besser als jede Werbekampagne.

    Zudem geht der Trend eher dahin, dass viele Offline-Anwendungen bis hin zum Betriebssystem zu Google ausgelagert werden und der Computer zum reinen Interface für Onlineanwendungen wird. Sämtliche Daten werden online verwaltet und bearbeitet – wo sie von Google ausgewertet werden können. Dieses freiwillige Abtreten von Rechten und Funktionen scheint mir ein noch größeres Problem als das Suchmonopol zu werden.

    Grüße,
    Sebastian

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