Vom Untergang einer Kultur

In Scharen standen sie vor der befestigten Grenze. Abgemagert von monatelanger Not und mit Wunden aus langen Kämpfen gegen ihre eigenen Landsleute übersäht. Kinder und Alte drängten sich in den hinteren Reihen, während die noch kräftigen Männer und vereinzeltet Frauen die Zäune und Wachtürme mit grimmigem Blick bedrohten. Ziel ihres Zornes waren die wenigen Grenzsoldaten, welche ihrerseits den Befehlt hatten, einen Durchbruch mit allen Mitteln zu verhindern. Zu viele von jenseits der Grenze waren schon übergesiedelt. Sie bestellten die Felder und halfen als Hilfskräfte in ungeliebten Berufen aus.

Vor einigen Jahrzehnten war dies ein Segen für Wirtschaft und Wohlstand. Zusätzliche Arbeitskräfte sorgten für einen Anstieg der Produktion und trugen damit zu wachsender Blüte und Macht ihrer neuen Heimat bei. Dabei war das ganze geradezu ein Selbstläufer. Die neue Bevölkerung blieb unter sich, abgeschottet in eigenen Lebensräumen. Allein im Fluß der Steuern und Abgaben bemerkte man ihre Anwesenheit.
Doch leider sprach sich bei den zurück Gebliebenen herum, daß es diesseits der Grenze blühende Gärten, Flüsse aus Milch und Honig, ja sogar grenzenlose Freuden des Lebens gab. Unter dem Eindruck zunehmender Überbevölkerung, die zu versorgen das alte Heimatland nicht mehr im Stande war, zogen sie also gen Paradies. Die Regierung aber erkannte die Gefahr: In kleinen Mengen waren die Flüchtlinge ein Segen, doch in Massen würden sie das wirtschaftliche System zum Kollaps bringen. Und so wies die höchste Gewalt im Staate, der Imperator von Rom, das Dichtmachen der Grenze an. Die Tore des Limes´ verschlossen sich vor den davor stehenden Germanen.
Das alles geschah vor mehr als 1500 Jahren. Getrieben von Hungersnöten und kriegerischen Hunnen zogen unsere Vorfahren gen Süden, in das Römische Imperium. Der Limes hielt dem Ansturm nicht lange stand. So blieb dem Imperator nichts anderes übrig, als immer mehr Fremde in das Reich zu lassen und sie als sogenannte Föderaten anzusiedeln. Sie behielten ihre Kultur bei und nahmen nur das an, was ihnen Vorteile brachte. Die Folge waren eigenständige Völker, deren Anführer schon bald vor den Toren Roms standen. Im Verfall alter Sitten und Gesetze neigte sich die Zeit der Imperatoren dem Ende zu. Die einstige Großmacht schwand und ward bald gar nicht mehr.
Zugleich ging auch die antike Kultur unter und mündete im “finsteren” Mittelalter. Freiheit der Wissenschaft oder hohe philosophische Erkenntnisse wichen der völlig anders gearteten Lebensweise der Menschen aus dem Norden. Erst ein Jahrtausend später fand Europa zu seinen einstigen Errungenschaften zurück und befreite sich langsam aus der Umklammerung des Dogmatismus.
Auch wenn wir heute in anderen Zeiten und Umständen leben, kann dieser Blick in die Vergangenheit zugleich einer in die Zukunft sein. Das Römische Reich scheiterte an seiner Unfähigkeit, andere Völker zu integrieren. Damals wie heute sieht man multikulturelle Strukturen als einzig mögliche Entwicklung – die Bildung von Externkulturen hinnehmend. Wir können nur hoffen, daß es diesmal nicht zum Untergang einer Kultur führen wird. Die Ereignisse in den Vororten Paris´ und die Zustände in Europas Moscheen lassen aber eher das Gegenteil vermuten.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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