Versteckte Kosten beim Partnerprogramm von Amazon

Das Partnerprogramm von Amazon ist im Grunde eine relativ einfache Methode, mit wenig Aufwand ein wenig Geld im Internet zu verdienen. Zwar dürften sich die Einnahmen eher im unteren Bereich bewegen. Doch was soll´s, das ganze kostet ja nichts. Doch wehe, man lässt seinen Account ruhen. Dann flattert einem nach drei Jahren eine Rechnung ins Haus.

Amazon verlangt Kontoführungsgebühren nach drei Jahren

Mit dem Partnerprogramm von Amazon verdient man vornehmlich durch das Empfehlen von Büchern und anderen Angebotswaren des Versandhändlers Provision am Verkaufserlös. In den meisten Fällen dürften sich die Einnahmen so gering gestalten, dass die Auszahlungsgrenze von 10 Euro nur über einen langen Zeitraum erreicht wird. Bei manch einem kann sich das eventuell sogar über Monate hinziehen.

Für gewöhnlich wird dieser Umstand jedoch kaum jemanden davon abhalten, ein Konto bei Amazons Partnerprogramm zu registrieren. Immerhin wird die Teilnahme ausdrücklich als kostenlos deklariert. Doch beim genauerem Lesen der englischen(!) Teilnahmebedingungen stolpert man über einen seltsamen Passus (§8, Abs. c):

If you have not earned any advertising fees in the 3 years prior to any given calendar month, then on the first day of that calendar month we may charge you an account maintenance fee that will be deducted from your unpaid accrued advertising fees. That account maintenance fee will be the lesser of (i) £10 if your advertising fees were earned from Qualifying Purchases occurring on the Amazon UK Site or €10 if your advertising fees were earned from Qualifying Purchases occurring on each of the Amazon DE Site, Amazon FR Site or Amazon IT Site; and (ii) the amount of unpaid accrued advertising fees in your account.

Was soviel heißt wie: “Wenn man nichts verdient, muss man für den Account bezahlen.”. 10 Euro, um genau zu sein.

Wie löscht man einen Amazon-Account?

Gänzlich unvorbereitet wird man von der Kontoführungsgebühr jedoch nicht erwischt. Amazon warnt ca. einen Monat vor Inkrafttreten der selbigen per eMail. In dieser wird ausdrücklich auf die potentiellen Kosten hingewiesen. Doch Vorsicht. Offenbar als Standarttext verfasst, wird auf ein ominöses Restguthaben verwiesen. Dies könnte zu dem Gedanken verleiten, die Gebühr würde nur anfallen, wenn das Konto keinen Null-Stand aufweist. Dies ist jedoch nicht der Fall. Gemäß Wortlaut der Teilnahmebedingungen und auch des Textes in der eMail werden die 10 Euro auch dann fällig.

Der logische Lösungsweg: Man löscht sein Konto innerhalb der gesetzten Frist. Doch wie macht man das? Via klick geht es jedenfalls nicht. Wäre ja auch zu einfach.
Vielmehr muss die Kündigung des Amazon-Partnerprogramms über den Umweg eines Kontaktformulars durchgeführt werden.

Übrigens stand Amazon zuletzt heftig in der Kritik. So wurden 2010 kurzerhand die AGB verändert. Zu Lasten jener Partner, die ihre eStores aktiv beworben hatten (siehe hier). Zudem senkte Amazon bereits 2008 die Provision und führte für bestimmte Warengruppen eine Deckelung ein, was natürlich auf wenig Gegenliebe stieß. Nach neuerlichen Senkungen 2009 rechneten nicht wenige nach, ob sich das Partnerprogramm von Amazon überhaupt noch lohnt. Zuletzt kam das Unternehmen zudem in die Kritik, weil es nach Druck seitens der US-Regierung Wikileaks von seinen Servern verbannte.
Insofern dürfte ein endgültiges Löschen inaktiver Accounts wohl kaum schmerzen.

Amazons Teilnahmebedingungen (AGB) Gesetzeskonform?

Für den deutschen Markt stellt sich zurecht die Frage, inwieweit die Teilnahmebedingungen – auch AGB genannt – des Amazon Partnerprogramms überhaupt den Regelungen des BGB entsprechen. Immerhin stellen die Kontoführungsgebühren doch eine recht überraschende Regelung dar. In den AGBs vergleichbarer Partnerprogramme findet man derartiges jedenfalls selten bis gar nicht. Insofern ist der Passus gemäß §305c BGB doch als bedenklich einzustufen.

Doch selbst wenn die Kontoführungsgebühr unrechtmäßig ist, sollte der Account rechtzeitig gelöscht werden. Das verhindert unliebsamen Stress.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

2 Gedanken zu „Versteckte Kosten beim Partnerprogramm von Amazon“

  1. DANKE für diesen Beitrag.
    Da fällt mir im Zusammenhang mit den oben beschriebenen Machenschaften, SKYPE ein.
    Einer unserer Leser berichtete mir, dass er einen 10Euro Telefon-Account hatte und diesen nach und nach abtelefonieren wollte.
    Als die Account-Bestätigung kam, wollte SKYPE nach min. 2Euro aut. vom Kreditkonto abbuchen und wieder auf 10Euro erhöhen. Das aber wollte unser Leser nicht und versuchte den SKYPE-Account auch unter Verlust der 10Euro wieder zu kündigen, lt. AGB von SKYPE JEDERZEIT möglich, email genügt.
    Jetzt begann die Odysee: Man kennt die email-Adresse unseres Lesers nicht und seinen SKYPE-Namen auch nicht! Daher: Kündigung unmöglich!!!
    Nach den ersten 3 Monaten kam dann eine SKYPE-Aufforderung, zu Telefonieren oder SKYPE-Produkte zu bestellen. Das tat unser Leser alles nicht und telefonierte den Account sinnlos runter. Ab 2Euro kam dann die Mahnung, das Konto aufzuladen.
    Abbuchen konnte SKYPE inzwischen nucht mehr, da unser Leser als einzige Möglichkeit, seine Kreditkarte eleminiert hat.
    Mafia-Methoden von SKYPE (Googletochter)

    VORSICHT vor Google-Produkte!!!

  2. Danke für die Infos. Bin grad am überlegen ob ich das Partnerprogramm von Amazon einbauen soll oder nicht. Man hört bzw. liest leider häufig negatives über Amazon in diesem Zusammenhang.

    @derObserver

    Ich benutze täglich viele Produkte von Google aber Skype ist mir da noch nicht untergekommen. :)

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