Verabschieden wir die Bildung … und unsere Souveränität

Was schon lange in den Köpfen vieler Politiker herumschwirrt, wie ein Schwarm lästiger Fliegen, soll nun Wahrheit werden: Das Studium an deutschen Hochschulen wird wohl nicht mehr lange “kostenlos” betrieben werden können; wobei kostenlos nicht das richtige Wort sein kann, denn ihr Leben müssen auch Studenten finanzieren. Jene Gedanken an bezahltes Wissen entspringt dabei keinesfalls den Launen einiger Weniger. Es ist eine Unausweichliche Folge des liberalistischen Systems, in dem sich unser Land verfangen hat. In einem solchen muß nun einmal jeder, der etwas bekommt, dafür auch eine Gegenleistung in Gütern erbringen. In einer vom Wettbewerb beherrschten Ordnung kann es nie lange gut gehen, wenn einzelne Gesellschaftsmitglieder vom Rest durchgefüttert werden. Dies stünde dem einzig gültigen Gesetz des Amerikanischen Zeitalters entgegen: Nur der im Konkurrenzkampf Überlegene darf etwas sein! Alle haben sich diese Gesellschaft gewünscht und leben ihre Vorzüge aus – was regt ihr euch also auf?

Aus republikanischer Sicht bahnt sich in diesen Zeiten jedoch eine Katastrophe an. Nichts Geringeres als die Basis jeden demokratischen Prozesses liegt auf der Schlachtbank. Denn wenn sich nur noch jene, die Geld und Einfluß haben, höhere Bildung leisten können, geht dem Volk einer seiner wichtigsten Machtfaktoren verloren: Die aus wirklichen Bürgern bestehende Gruppe der Wissenden. Ohne sie kann es keine Aufklärung über politische Wahrheit geben – die Mächtigen könnten fortan ihre eigene Welt formen. Ohne sie können keine Ideen aus der Mitte des Souveräns entstehen – was zählt, wären die egoistischen Einfälle der Oberschicht. Und ohne sie verlöre das Volk die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Entwicklung – Kultur und Wohlstand verkäme zu einem Monopol des dann neu entstehenden Adels.
Leider fallen die Bürger Deutschlands auch auf noch so sinnlose Beschwichtigungen herein. “Man kann den Studenten immerhin ein Darlehen verpassen. Damit könnten dann auch die Kinder weniger Betuchter in den Genuß von Einsicht- und Erkenntnisfähigkeit gelangen.”. Übersehen wird dabei nur eines: Jenes geliehene Geld muß irgendwann zurückbezahlt werden. Die Wissensbürger müßten also von Schulden geknebelt ihrer Verantwortung nachkommen. Wie soll das gehen? Niemandem kann abverlangt werden, die Gemeinschaft auf Kosten des eigenen Überlebens zu befriedigen. Womit wir wieder in gleicher Situation wären: Dem Verlust der Volkssouveränität.
Im Übrigen erkennt man an den Vorschlägen unserer Politiker wieder einmal deren vorausschauendes Denken. Das Volk soll hineingezogen werden in den Sog einer hemmungslosen Globalisierung. Entwurzelt und entmachtet. Haltlos käme für uns nur noch eins in Betracht: Existieren. Geschichte und Wohlstand müßten wir den wenigen überlassen, die es sich heute leisten können.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

8 Gedanken zu „Verabschieden wir die Bildung … und unsere Souveränität“

  1. ich sage dazu nur eins: Steht auf und kämpft dagegen denn nur dann können wir was ändern! allerdings nur dann wenn auch jeder bzw. viele mitmachen! erste demonstrationen laufen und die müssen noch viel öfter passieren und radikaler werden. ALSO DEMONSTRIERT und sagt den gebühren den kampf an! an den unis gibts erste überlegungen ob man nicht einfach streiken sollte und einfach nicht mehr zur vorlesung geht, semestergebühren nicht bezahlt oder auch gute idee: sich verschanzen im unigebäude!!!!!!!!!!!!!!!!(leider strafbar? ) tut was und philosophiert nicht darüber sondern erhebt euch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Die Misere fängt doch, heimlich still und leise, schon viel früher an: Unser ach so gerechtes dreigliedriges Schulsystem (kostenlos!) erzeugt höchst soziale Selektion. Noch immer haben Kinder aus der Mittel- und Oberschicht höhere Chancen, auf eine höhere Schule zu gehen, Studienberechtigungen zu erwerben, als Kinder aus der Arbeiterschicht, von Migranten ganz zu schweigen. Und das bei gleichen Leistungen.
    Apropos kostenlos: In Bayern wird ab kommendem Schuljahr Büchergeld für alle Schularten verlangt. Erst hiess es ja, Eltern müssten die Bücher alle selber kaufen, dann wurde schnell zurückgerudert, weil nicht durchsetzbar. Und wer glaubt, es hätte Elternproteste, Proteste der Elternverbände oder gar der Lehrer gegeben, der möge weiterträumen.

  3. Soso, wir sollen uns verschanzen und die Unis besetzen. Was soll das bringen? Demonstrationen bringen nichts, das hat uns die sache um Harz4 doch gezeigt. Da ist es wahrscheinlich besser wie hier darüber zu reden.

    Der einzige Weg: die politiker abwählen!!!!!!!!!!!!

  4. Wie wird es denn jetzt gehandhabt? Nur Teilzahlungen?

    Grundsätzlich sind Proteste ein Weg, sich bemerkbar zu machen. Doch muß ich dem “Gast” recht geben, wenn er den regelmäßigen Erfolg anzweifelt. Im Grunde genommen liegen die letzten erfolgreichen Demonstrationen 15 Jahre zurück. Damals waren es eigentlich auch nicht die Proteste, die Ungerechtigkeit stürzten, sondern ziviler Ungehorsam.
    Auf die aktuelle Situation bezogen, müssten die Bürger Deutschland die eventuellen Studiengebühren einfach ignorieren. Ob das aber möglich ist, bezweifle ich. Die Menschen in diesem Land sind sich selbst am nächsten – der Rest zählt nicht.

  5. Ja, man muss auf den weiterführenden Schulen pro Kind und Schuljahr 40 Euro zahlen, in der Grundschule ist es weniger. Natürlich zusätzlich zu dem anderen Kram (Übungshefte, Atlas, Taschenrechner, Zeichenblock, Wasserfarben, Kopiergeld etc). Eine Familie mit drei schulpflichtigen Kindern kommt im September lässig auf weit über hundert Euro “Schulgeld”.
    Ein Protest hätte doch wirklich nur Wirkung, wenn alle Schichten mitmachen, wenn nur ein paar Studenten Unis besetzen können sie leicht als ewige Unruhestifter hingestellt werden. Die Zahlung verweigern dürfte illusorisch sein, von Mahnbescheiden mal abgesehen wird der Betreffende wahrscheinlich zu keinen Klausuren / Seminaren etc zugelassen.
    Abwählen? Ja, aber wen denn stattdessen wählen? Wenn die Wahl-Verweigerer beim Ergebnis Gewicht hätten, wäre das eine Sache. Dann sähen die Politiker endlich, wie weit sie an den Problemen und Interessen der Bevölkerung vorbeiregieren.

  6. oh mann ihr klingt alle total pessimistisch. was sollte man denn eurer meinung nach tun gegen diese studiengebühren bzw. allgemein gebühren für Bildung? abwählen der politiker? was ist dass denn bitte für nen vorschlag? glaubt ihr wirklich das würde funktionieren? außerdem ist die frage wirklich berechtigt: wen soll man denn wählen?
    bin der meinung dass wir mittlereile an einem punkt ankommen sind, der einen dazu verleitet aus deutschland auszuwandern. mir kommt es so vor dass man nur noch zahlen muß in die Kassen der Länder und des Bundesstaates aber im endeffekt sich nichts verbessert .
    ich kann nur eins sagen ich werde nicht das geld haben monatlich 500 euro und mehr für ein semester zu zahlen. Werde wahrscheinlich nach dem studium so verschuldet sein, durch die aufgenommenen kredite, dass ich mein lebenlang abzahlen muß und dann hat sich mein studium ja echt toll gelohnt, ich verdiene zwar mehr als jemand der nicht studiert hat aber muß das was ich mehr habe schon wieder für die aufgenommenen bildungskredite abzahlen, wie unglaublich durchdacht das doch alles ist von der CDU/ CSU (die wollen ja unbedingt diese studiengebühren einführen). manchmal glaube ich, dass die meisten politiker absolut unfähig sind …

  7. Du klingst in dieser Sache aber noch viel schlimmer. Da bricht man ja fast in Tränen aus
    Leider kann ich dir nur recht geben. Unsere Politiker verspielen das einzige Gut, das eine moderne, postindustrielle, Gesellschaft zu bieten hat: Bildung und Wissen. Wenn man dieses Gut nur noch gegen viel Geld erlangen kann, werden zweierlei Dinge passieren.
    1. steigt die Arbeitslosigkeit der dann wachsenden “bildungsfernen” Schicht.
    Und 2. kann eine Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr am Demokratischen Prozeß teilnehmen. Denn dazu muß man zunächst über Wissen und die Fähigkeit, sich wahre Informationen zu beschaffen, verfügen.

  8. Der Artikel hat mich sehr zum Nachdenken angerührt.

    Mittlerweile dürfte es beinahe jedem aufgefallen sein, dass wir uns neben dem Problem der demografischen Entwicklung auch einer Zweiklasssengesellschaft gegenübersehen. Bislang hab ich das immer getrennt von der Bildung betrachtet. Aber es ist erschreckend, wenn einem bewusst wird, dass es um viel mehr geht als nur um die Bildung einer Zweiklassengesellschaft.

    Der schleichende Verlust der Volssouveränität (wie oben angesprochen) – ein wichtiger Eckpfeiler unserer Demokratie – ist der weitaus gravierendere Fakt. Die Bildung als Triebfeder hierfür zu missbrauchen und die kulturelle wie gesellschaftliche Entwicklung über dieses Instument zu steuern ist in der Tag Verrat am Volk!

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