Urheberrecht am Scheideweg

Felix Schwenzel hat auf wirres.de einen recht deprimierenden Bericht von einer Podiumsdiskussion zum Urheberrecht abgeliefert. Er berichtet von festgefahrenen Ansichten und schlechter Argumentation – auf beiden Seiten. Sowohl Reformer als auch Leistungsverwerter haben kein gutes Bild abgeliefert.

Urheberrechtsdebatte in der Sackgasse

Das passt ins allgemeine Bild der Debatte insgesamt. Kaum ein Tag, an dem eine der beiden Seiten sich nicht im Ton vergreift und die jeweils andere unter der Gürtellinie angeht. Dabei sind es vor allem Missverständnisse, die dazu führen. So hält sich etwa nach wie vor das Gerücht, die Piratenpartei wolle das Urheberrecht komplett abschaffen. In de Realität ist das Gegenteil der Fall.

Tatsächlich sollen sogar die Rechte von Urhebern gestärkt, schöpferische Leistung demokratisiert werden. Und hier liegt ein Kernproblem: Im Fadenkreuz stehen die Leistungsverwerter. Also Verlage und Vermarkter. Diese Gruppe sieht zu Recht ihre Felle davon schwimmen und beißt nun wild um sich. Ohne zu erkennen, dass die Urheberrechtsdebatte nicht Ursache ihres Niedergangs ist. Sie ist allenfalls das Kondensat eines gesellschaftlichen Wandels.

Urheber verwerten ihre Werke selbst

Im Grunde sind die Leistungsverwerter Opfer der technischen Weiterentwicklung des Internets. Einfache Publikationswege für jedermann gepaart mit ebenso einfachen Entgeltsystemen lassen sie zunehmend überflüssig werden. Beispielhaft steht hier die Entwicklung des eBook-Marktes. Jeder Mensch kann ohne Verlag eBooks veröffentlichen und dank Amazon und anderen Portalen sogar Geld damit verdienen – mit sehr viel höheren Tantiemen. Das Monopol der Verlage ist gebrochen, was sich offenbar langsam auch in deren Kasse bemerkbar macht.

Verzweifelt versuchen sie nun, mit immer neuen Regelungen der Entwicklung entgegen zu wirken. Sie müssen sich dabei vorkommen, als würden sie einen Sturm im Meer aufhalten wollen. Welle um Welle schwappt über ihre Köpfe und reißt sie Stück für Stück in den Untergang.

Der einzige logische Weg wäre, neue Angebote zu entwickeln. Den Self-Publishern entgegen zu kommen und vom hohen Ross herab zu steigen. Doch gerade die Elefanten unter den Leistungsverwertern können einen solchen Umbruch vermutlich nicht stemmen. Also werden sie irgendwann überflüssig sein – und niemand wird sie dann vermissen.

Webquellen und Blogosphäre

Link zum Eingangs erwähnten Beitrag: die versaute jugend und das urheberrecht.

Und keiner versteht die Gema (olereissmann.de). Ich befürchte, dass das gescheiterte SOPA vermutlich das Rechtsempfinden, dass man im Internet sowieso machen kann, was man will, verstärken wird (tagseoblog.de). Verlage sollten überlegen, womit sie in Zukunft ihr Geld verdienen und welche Leistung für eine Zeitung oder ein Magazin grundlegend und unverzichtbar ist (opalkatze.wordpress.com). Worum es bei ACTA & Co. eigentlich geht ist der Kampf zwischen Verwertern oder wie sie manche auch als Content-Industrie oder sogar abfällig als “Content-Mafia” bezeichnen auf der einen Seite und den Plattformanbietern, wie Apple, Facebook, Google und Amazon auf der anderen Seite (perun.net). In den letzten Jahrzehnten haben sich die Verlage aller Medienarten nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert (spiegelfechter.com). Die Idee, dass Autoren direkt mit dem Urheberrecht Geld verdienen sollen, hab ich noch nie verstanden (seeliger.cc).

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

4 Gedanken zu „Urheberrecht am Scheideweg“

  1. Hi Thomas,
    ich kann Deiner Meinung nur folgen. In den USA sind schon jede Menge auch größere Verlage Pleite gegangen. Die haben die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt.

    Gruß

    Peter

  2. Für mich ist die Sache viel einfacher, als abzuwägen welche Seite welche Argumente hat: Es geht einfach um Strukturen und deren Macht, und diese Strukturen haben Angst, danach kein GEld mehr zu verdienen und keinen Einfluss ausüben zu können. Grüße

  3. Ich bin echt gespannt wohin diese Diskussion mit dem Urheberecht führen wird. In der heutigen Zeit ist ja sowieso kaum noch etwas, was man im Netz postet wirklich geschützt und der kleine Mann kann sich dagegen selten wehren!

  4. Der kleine Mann kann sich leider nie Verteidigen sei es beim Urheberrecht oder bei den Benzinpreisen. Sämtliche Diksussionen sind auch relativ Sinnlos man muss sich bei sovrgaben einfach fügen was will man auch schon anderes tun dagegen…

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