Über die (Un?)Wichtigkeit von Blog-Kommentaren

Wie wichtig sind Blog-Kommentare? Ein Thema, das sich nun schon lange Zeit durch die Blogsphäre zieht. Einst war die Möglichkeit, einen Artikel kommentieren zu können, Hauptmerkmal eines jeden Blogs – in dieser Möglichkeit unterschieden sie sich von statischen News-Portalen.

Kommentare wohin man schaut

Mittlerweile ist das anders. Auch wenn mir kürzlich jemand mitteilen wollte, die Kommentarfunktion wäre Erkennungsmerkmal eines Blogs. Daraufhin fragte ich ihn, was denn dann SpiegelOnline oder FAZ.net seien. Dort kann man ja mittlerweile auch in Echtzeit die meisten Artikel kommentieren.

Was einst analoge Leserbriefe waren, hat sich nun als allgegenwärtiges Ventil bürgerlichen Dampf ablassens etabliert. Kaum ein Nachrichten-Angebot, das auf die Meinung seiner Leser verzichten würde.

Meinungsäußerung wie auf der Klo-Wand

Mit steigender Quantität sank jedoch die Qualität der Kommentare. Oft ähneln “Diskussionen” bei SpiegelOnline dem Geschmiere an den Wänden einer öffentlichen Toilette. Es findet keinerlei Diskurs statt. Fast jeder Protagonist versucht vielmehr, die eigene Meinung mit Macht ins Zentrum zu stellen und verunglimpft zugleich die Meinung anderer. Demokratie ist das jedenfalls nicht.

Bar ihres einstigen Monopols auf elektronische Diskussionen verkommt der Kommentar-Bereich vieler Blogs zu bloßen Linkfarmen diverser SEOs. Echter Meinungsaustausch findet kaum noch statt. Allenfalls die größeren Blogs können noch auf zahlreiche Leser-Reaktionen hoffen.

Blogs als Teil des Social Media Raumes verstehen

Kommentare galten einst als Nexus des Web 2.0. Tatsächlich aber würde das zu kurz fassen. Social Media oder Social Networking bedeutet zumindest heute nicht mehr, dass viele Leute einfach nur an gleicher Stelle Meinungen niederschreiben. Vielmehr geht es um die Vernetzung der Menschen, Verknüpfung verschiedener Meinungen und Verbreitung von Inhalten über die Grenzen abgeschlossener Plattformen hinweg.

Die Blog-Sphäre ist eine solche nicht deshalb, weil man Kommentare schreiben kann. Es sind die unzähligen Verknüpfungen zwischen den Blogs, die sie zum sozialen Netz machen. Ich würde ins Zentrum eines modernen Diskurses deshalb eher Ping- und Trackbacks stellen. Mir ist es lieber, wenn ein anderer Blogger in seinem Blog auf meine Beiträge antwortet und via Pingback eine Verknüpfung herstellt. So kann sich mein Gegenüber in Stil und Umfang nach Herzenslust auslassen, ohne meinen Kommentar-Bereich zu sprengen.

Was meint die Blog-Sphäre?

Kommentare sind nicht nur das Salz in der Bloggersuppe, sondern sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal vom virtuellen Journalismus. (selbstaendig-online-verdienen.de) Der meiner Meinung nach größte Vorteil von Kommentaren ist die Bestätigung für den Autor. (j-breuer.de) Es ist immer wieder schön, wenn es auf einem Blog zu regelrechten Diskussionen kommt. (mikespeier.cwsurf.de) Das Wort ‘Kommentar’ hat auch etwas mit ‘Kommunikation’ zu tun. (sabienes.de) Nehmen Sie die Kommentare nicht persönlich, sondern geben Sie sachlich Auskunft auf Beschwerden oder fragen Sie nach einer Begründung bei negativen Meldungen. (conbu.ch) Seien wir doch mal ehrlich, wir SEOs lieben Blogs und das vor allem wegen ihrer Kommentarfunktion ;-). (seo-diaries.de) Die Freude über neue Kommentare wird oft durch massenweise Spam gedrückt. (birkenbeul.eu) Nach und nach bekommt man dann immer mehr Kommentare rein und es entwickeln sich erste Gespräche und Verbindungen. (blog-tips.de)

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

5 Gedanken zu „Über die (Un?)Wichtigkeit von Blog-Kommentaren“

  1. Hey Thomas,

    vielen Dank für die Erwähnung, das freut mich :-)

    Es stimmt, wenn Du schreibst, dass lediglich die größeren Blogs auf zahlreiche Leserreaktionen hoffen können, allerdings bleibt die Frage, ab wann Du “Größe” definierst. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kommentare sogar mit dem Wachstum meines Blogs rückläufig waren, da ich weniger als “privater” Mensch, sondern plötzlich als “Verdiener” und eben auch Dienstleister wahrgenommen wurde.

    Irgendwann, das allerdings weiteren Wachstum vorausgesetzt, schlug das wieder um und fand zum alten Mittelmaß zurück, wobei es letzten Endes dann wohl doch ein Abwärtstrend ist :-)

    beste Grüße und ein wunderbares Wochenende wünsche ich Dir.

  2. Das ist eine interessante Erfahrung. Insofern muss ich natürlich meine Aussage ein wenig konkretisieren. Bei “Große” Blogs bezog ich mich auf Kandidaten wie z.B. Lawblog. Dort zieht so gut wie jeder beitrag auch zig Kommentare nach sich. Natürlich hängt es auch vom Thema ab. Aber es fällt eben doch auf, dass die großen Brands (Marken) in der Blogsphäre ihre Leser auch zum häufigen Kommentieren animieren.

  3. Ohne Kommentare würde auch das Lesen von Blogs nur wenig spass machen, wenn man dem Autor kein Feedback geben kann oder seine Meinung zum Thema öffentlich machen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>