Twitter versus Urheberrecht?

Martin Weigert hat in seinem Blog-Beitrag eine gewagte These aufgestellt: “In Websites eingebettete Tweets zeigen nun automatisch sämtliche multimedialen Inhalte aus Twitter Cards. Damit führt der Microbloggingdienst das geltende Urheberrecht ad absurdum” (->netzwertig.com). Die Frage, die sich aus dem zweiten Satz ergibt lautet: Kann Twitter geltendes Recht überhaupt ad absurdum führen?

Wer hat sich nach wem zu richten?

In Zeiten globaler Medienkonzerne, die teilweise wie abgehoben von niederen nationalen Interessen wirken, kann man schnell den Eindruck gewinnen, deutsches Recht sei im Grunde irrelevant und habe sich anzupassen. Sobald ein Dienst wie Twitter eine neue Schnittstelle oder App herausbringt, die eventuell mit Gesetzen kollidiert, heißt es oftmals, der Gesetzgeber müsse endlich was ändern. Doch ist das die richtige Schlussfolgerung?

Tatsächlich nehmen Gesetze wie das Urheberrecht eine absolute Geltungsposition ein. Unabhängig davon, was in anderen Staaten gilt oder welche Interessen einzelne (globale) Unternehmen haben, gilt in Deutschland deutsches Recht.

Wenn nun ein Dienst wie Twitter etwas anbietet, was gegen deutsche Gesetze verstößt, ist dieses nicht automatisch illegal. Lediglich seine Anwendung in Deutschland oder von in Deutschland wohnenden Menschen ist rechtswidrig.

Des Kaisers neue Kleider…

Weiter heißt es in Martins Artikel: “Ein striktes Urheberrecht, moderne IT und das Internet passen einfach nicht zueinander.”. Nun, genauso gut könnte man sagen: Sozialstaat und zügelloser Kapitalismus passen nicht zueinander. Beide Aussagen entsprechen mit Abstrichen der Realität. Doch heißt das, die jeweilige staatliche Errungenschaft müsse zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung weichen? Wohl kaum.

Sowohl Gesetzgeber als auch Gesellschaft müssen sich nicht ständig jedem neuen Hype und jedem Wunsch eines oder mehrerer Unternehmen beugen. Mitnichten muss das Urheberrecht verändert werden, nur weil Twitter mal eben eine Idee hat, die zwar technisch machbar ist, aber die Rechte anderer potentiell verletzt.

Twitters neues Angebot führt deutsches Urheberrecht also nicht ad absurdum. Anders herum ist es richtig: Das deutsche Urheberrecht führt Twitters Angebot ad absurdum, macht dessen Anwendung in Deutschland bzw. durch in Deutschland geführte Projekte (eventuell!) unmöglich.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

6 Gedanken zu „Twitter versus Urheberrecht?“

  1. Ich finde schon auch das man im gesamten Bereich Online ob es jetzt Twitter Facebook und co ist etwas tun muss man kann einfach zu leicht Haftbar gemacht werden für sachen die man nicht täglich kontrollieren kann oder nur schwer unter Kontrolle hat.

  2. Danke für den guten Artikel.
    Ich finde die Erklärungen sehr gut und du triffst den Nagel genau auf Kopf!

    Markus Baldauf
    Headhunter

  3. Meiner Meinung hat aber auch jeder einzelne die Verantwortung für seine eigenen Daten. Wenn ich mir Leute auf Facebook anschaue, dann wundere ich mich schon über ihre Offenheit. Es braucht weniger Gesetze und mehr gesunden Menschenverstand. Sachen wie der Facebook Like Button sind natürlich eine Ausnahme und gehören sofort verboten…

  4. Ich sehe das Problem auch eher in den Köpfen der Gesellschaft als in den Unternehmen selber. Die Politik, im Vergleich zu zB Verlagen die sich angepasst haben/mussten, haspelt ehe nur hinterher, selbst ein 56k Modem würde schneller mahlen.

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