Spiegel Online kämpft für den Euro auf populistischem Niveau

Die Debatte um den Euro vor dem Hintergrund hoffnungslos überschuldeter EU-Staaten wird zuweilen mit harten Bandagen ausgefochten. Meistens sind es die Euro-Gegner, die sich eher populistisch in den Diskurs einbringen. Auf Spiegel Online hat nun Sven Böll bewiesen, dass auch die Befürworter recht wenig von von niveauvoller Diskussion halten.

Viele Annahmen, wenig Argumente

Nichts weniger als den totalen Absturz Deutschlands in die Bedeutungslosigkeit rechnet Böll einem Scheitern der Währungsunion zu. In Anreißer zu seinem Beitrag wird die Frage gestellt, ob denn die EU Bestand hätte, wenn der Euro stürbe. Klingt nach einem interessanten Ansatz.

Leider bleibt er seinen Lesern jede Beantwortung dieser Frage schuldig. Vielmehr wird über die Vermutung, Deutschlands Nachbarn würden plötzlich Schutzzölle erheben der direkte Sprung zur Warnung des Niedergangs Deutschlands vollzogen. Behauptung reiht sich an Behauptung. Am Ende stehe die “Bundesrepublik als alleiniger Verantwortlicher am Pranger. Nicht nur am europäischen, sondern am weltweiten”. Es sei davon auszugehen, “dass antideutsche Ressentiments selbst in Ländern wie Frankreich hochkommen und dort Importzölle auf deutsche Autos und Maschinen erhoben werden”.

Von diesem Zustand ausgehend malt Sven Böll in Folge eine Welt, in der die europäischen Staaten nur noch Randakteure seien. Abgehängt von China, Brasilien und den USA.

Lineares Denken + banale Warnungen = Populismus

Es bleibt zu hoffen, Böll wollte mit seinem Text absichtlich überspitzen. Andernfalls wäre das eine Diskeditierung seiner selbst. Er betrachtet die Problematik viel zu einseitig, stellt Deutschlands Nachbarn als Akteure ohne Vernunft dar. Es werden Ereignisspiralen konstruiert, die dem Zustand um die Weltkriege herum entsprechen. Dass sich die Welt und die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt haben, bleibt außer Acht. Sowohl globale Wirtschaft als auch Politik sind viel zu komplex, als dass der Zerfall einer Währung zu solchen Szenarien führen würde.

Ob Spiegel Online mit diesem Artikel dem Euro einen guten Dienst erwiesen hat, ist mehr als fraglich. Die meisten Leser durchschauen Populismus – und nichts anderes stellt der Text dar. Unter Umständen weckt dies sogar zusätzlichen Widerwillen gegen die Währung.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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