Religion als “Gemeinschaftmacher”

Republik und Demokratie können nur dann bestehen, wenn ihre Staatsbürger eine wirkliche Gemeinschaft bilden. Nur so ist der erforderliche Konsens und patriotische Zusammenhalt erreichbar. Dinge, die eine allein liberal gestaltete Gesellschaft nie bieten kann.

Darin jedoch liegt das eigentliche Problem unserer Zeit: Die Bürger Deutschlands erkennen in ihren Mitmenschen nur noch Konkurrenten im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wettbewerb. Gleichzeitig scheint solcherlei Verhalten aber aus dem Existenzkampf heraus erzwungen zu sein. Denn bürgerliche Gemeinschaft findet allen Unkenrufen zum Trotz in kleinen Gruppen statt. Vereine, Initiativen und Interessenverbände haben nicht erst seit kurzem Hochkonjunktur.
Unsere Politiker und andere Führungseliten, kurzum die Gewinner des Liberalismus, versuchen dieses Phänomen totzuschweigen. Sie können oder wollen den Drang des Menschen nach Gemeinsamkeit nicht anerkennen. Was letztendlich auch Verständlich ist. Denn wenn die Menschen plötzlich anfingen, ihre Mitbürger zu achten und in gewisser Eintracht zu leben, wäre es aus mit dem kontrollierbaren Extremindividualismus und die Macht Weniger über den Souverän gehörte der Vergangenheit an.
Leider ist diese Vision nur ein Silberstreif am Horizont. Dieser aber macht sich mit um so gewaltigerer Wirkung kenntlich. Es ist die Religion, welche den Menschen ihre Natur gewährt und sie schürt. Beste Beispiele dafür konnten wir in den letzten Tagen, während des Weltjugendtages, sehen. Dem Papst als Führer der katholischen Christenheit gelang, wovor liberale Politiker sich fürchten: Er stand einer souveränen, manchmal auch von ihm kaum kontrollierbaren, Gemeinschaft vor. Beherrschen konnte und wollte er sie nicht. Aber als Sprachrohr der Jugendlichen kanalisierte er deren Wollen und Wünschen. So sähe republikanische Politik aus!

Für die Entwicklung heutiger Republik läßt sich daraus zweierlei übernehmen. Zum einen müßte der Staat lernen, wie die Kirche die Gläubigen bündelt. Nämlich durch Gleichwertigkeit, Wärme und Förderung von Gemeinsamkeiten. Zum anderen sollte überlegt werden, ob die Verfechter der Republik ihre absolut-säkulare Position aufgeben müssen. Eine Integration toleranter und freiheitlicher Religion könnte eventuell unumgehbar sein.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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