Rechtschreibreform: Ein Beispiel für Oligarchie

Nun hat ein rein kulturelles Thema wie Orthographie auf den ersten Blick nur wenig mit Republikanismus und Demokratie im Allgemeinen zu tun. Schaut man jedoch auf das Geschehen um die Reform ebendieser, kann man als Demokrat entweder den Kopf schütteln oder verzweifeln – je nach Vorerfahrung mit den Wirrnissen unserer Tage.
Schon der Begin des Treibens vor 10 Jahren ließ nichts gutes erahnen und könnte allein als ausreichendes Argument für die pervertierte Politik in Deutschland stehen. Damals setzten die Kulturminister der Bundesländer einen sogenannten Rechtschreibrat ein, der ihnen Vorschläge für einfachere und verständlichere Schreibweise vorlegen sollte. Im Fokus der Politiker stand allein die Integration ausländischer Deutschlernender, wirklich nötig war eine Änderung jedenfalls nicht. Mit anderen Worten: Nach Politik und Wirtschaft sollte und soll nun auch unsere Sprache den Zwangsautomatismen der Globalisierung unterworfen werden.
Allerdings hatten die Selbstherrlichen nicht mit dem Widerstand im Volk gerechnet. Nicht nur, daß bis heute eine gewaltige Mehrheit (zwischen 80 und 90 %) in “zivilem Ungehorsam” einfach so weiter schreibt, wie es die Deutschen seit Jahrzehnten tun. Nein, selbst große Verlags- und Pressehäuser kritisierten und verweigerten sich. Der Skandal, der eigentlich keiner ist, war perfekt. Denn obgleich die Minister sich vorgeführt fühlten, ist es doch Sache des Volkes, darüber zu entscheiden, wie es fortan schreiben möchte. Hätten die Politiker ihren angestammten Platz – drei Schritte hinter den Bürgern(!) – eingenommen, wäre es nie zu jener vieljährigen Odyssee gekommen.
In aller Eile beschloß man jedoch eine Reform der Reform. Den Grund hierfür lieferte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) sogleich dazu: “Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurück genommen worden.”. Unfaßbar! Unsere “Volksvertreter” stellen ihr politisches Bild über den Willen des Souveräns. Eine Bankrotterklärung der Demokratie und Sinnbild für das, was längst allgemeine Handlungs- und Denkweise ist.
Eine Gruppe von wenigen maßt sich an, über die urtümlichen Belange des Volkes zu bestimmen, ohne seinen Willen zu achten. Dieser Vorgang verstößt gegen jede Regel demokratischer Konstitution – im Liberalismus, Pluralismus und Republikanismus. Das ist Oligarchie in ihrer reinsten Form. Dem zu widerstehen ist die grundgesetzlich verbriefte Pflicht (Art. 20 IV GG) eines jeden Bürgers in Deutschland.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

Ein Gedanke zu „Rechtschreibreform: Ein Beispiel für Oligarchie“

  1. Leider blickst du nicht durch.

    Erstens ist die Rechtschreibreform von bestimmten Medienunternehmen gewollt, es geht nur um Kohle. Neue Schul- und Lehrbücher/medien, neue Nachschlagewerke, verstärkte Nachfrage nach Dienstleistungen (Redigieren, Beraten, etc.) Das ist der Grund. Knete zu machen. Durch Medien oder durch mehr bzw. zusätzlich zementierte”Macht” (Lehrer, Philologen usw.).

    Zweitens WÄHLT das Volk seine Regierung und damit letztlich alle “oben” Handelnden. Wenn es dem Volk wirklich was bedeuten würde, würde es dagegen etwas unternehmen. Das deutsche Volk ist aber nur ein dummer Gesamtmichel, der sich hauptsächlich für Fußball, TV, Saufen und F***** interessiert und eben auch solche Absurditäten wie diese Reform über sich ergehen lässt. Ein bisschen Meckern, ja. Aber ansonsten wird fleißig abgeschluckt. Um beim nächsten Mal exakt wieder die gleichen Fuzzies zu wählen – die dann das Volk wiederum, blöd wie es ist, weiter abzocken zu können.

    “Schuld” sind aber nicht die gewählten Fuzzies, sondern diejenigen, die ihnen die offizielle Legitimation fürs Abzocken gegeben haben. Charakteristisch für dieses dumme Volk ist es nun immer, die Schuld für alles bei “denen da oben” zu suchen – obwohl es genau selbst, per Wahlen und per Duldung, diese Verhältnisse geschaffen hat.

    Selbst ursächlich verantwortlicher Täter sein, aber sich gleichzeitig als Opfer fühlen – allein diese riesige Unlogik “des Volkes” in seinem Denken und Handeln schreit förmlich danach, schamlos ausgenutzt zu werden. So wie es eben passiert – bei allen diesen Reformen, sei es Rechtschreibung, Gesundheit, Arbeitsmarkt usw. ad infinitum.

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