PRISM: So werden wir über unsere Smartphones ausspioniert

Die vergangenen Wochen standen im Zeichen der NSA und ihres Spähprogramms PRISM. Zum einen werden damit Meta-Daten von monatlich hunderten Millionen Kommunikationsvorgängen (Telefon, eMail, Chat u.s.w.) allein in Deutschland erfasst und auf unbekannte Zeit gespeichert. Zum anderen arbeiten alle IT-Unternehmen der USA mit der NSA zusammen und liefern – insbesondere über soziale Netzwerke, eMail-Dienste oder Clouds – auch inhaltliche Informationen von Milliarden Nutzern. Jetzt offenbart sich eine dritte Dimension: Offenbar werden besonders über Smartphones sogar Zugangsdaten erfasst.

Android sendet unverschlüsselt WLAN-Passwörter

Wie diese Woche heraus kam, sendet Android jedes WLAN-Kennwort, das im Smartphone hinterlegt ist, unverschlüsselt an Server in den USA (spiegelonline). Dort hat die NSA ganz legal jederzeit Zugriff auf diese Daten.

Kombiniert man diese Erkenntnis mit der Tatsache, dass Google zugleich über Streetview eine flächendeckende Karte aller WLAN-Netzwerke hat, läuft einem eine Gänsehaut über den Rücken. Theoretisch wäre die NSA somit in der Lage, sich in jedes Netzwerk einzuloggen, ohne dieses hacken zu müssen.

So schaltet man die Übermittlung ab:
Deaktivieren kann man diese Sicherheitslücke über

  • “Einstellungen” > “Datenschutz” > Häkchen hinter “Meine Daten sicher” entfernen.

Jedoch ist dann bei eventuellen Problemen ein Wiederherstellen der Einstellungen über das eigene Google-Konto natürlich nicht mehr möglich. Nur die Übermittlung der WLAN-Daten abzustellen geht leider nicht.

Blackberry sendet eMail-Zugangsdaten

Neben den US-Anbieten rückt nun auch das kanadische Unternehmen RIM mit dem Blackberry ins Fadenkreuz. Wie Frank Rieger heraus fand, sendet das Smartphone die eMail-Login-Daten an RIMs Server in Kanada. Zwar erfolgt das, anders als bei Android, verschlüsselt. Doch kann RIM die Passwörter durchaus entschlüsseln. Bedenkt man zudem, dass Kanada zu den First Class Partnern der NSA respektive USA gehört, ist der Zugriff der Geheimdienste nicht unwahrscheinlich. Dies belegt auch die recht schwammige Reaktion RIMs auf die Vorwürfe gegenüber heise.de:

Wir können derzeit zu den in den Medien erhobenen Vorwürfen mit Bezug auf die staatliche Überwachung von Telekommunikationsdaten keinen Kommentar abgeben.

Es gebe jedoch keine Hintertür im Blackberry Betriebssystem. Nun, die ist ja auch nicht notwendig, wenn die relevanten Daten sowieso auf Server des Unternehmens kopiert werden.

Hintertüren in allen Microsoft-Produkten

Ob auch WindowsPhone ähnliche Daten sendet, ist bisher nicht bekannt. Doch wurde vor kurzem bekannt, dass sich die NSA in allen Produkten, inklusive Windows und Skype, Hintertüren hat einbauen lassen, die von vornherein eine Verschlüsslung der Kommunikation obsolet machen (Manager-Magazin/Spiegel). Zwar versucht das Unternehmen nun verzweifelt, diesen Vorwurf auszumerzen. Doch gelingt es bisher nicht und führt nur zu weiteren Fragen.

Apple ebenfalls Partner der NSA

Etwas ruhiger als bei den großen Konkurrenten ist es um Apple, wenn es um PRISM geht. Gleichwohl haben auch iPhone & Co. ähnliche Backup-Funktionen, wie auch Android oder BlackBerry. Zwar werden die Daten bei iOS verschlüsselt übertragen. Doch wer will die Hand dafür ins Feuer legen, dass sie in den USA nicht entschlüsselt werden können.

Zudem ist auch Apple über den Patriot Act einerseits zur Unterstützung der NSA und andererseits zur Verschwiegenheit darüber verpflichtet. Nicht umsonst verlangt auch dieses Unternehmen mit 63(!) weiteren von der US-Regierung eine Lockerung der Verschwiegenheitspflicht (Süddeutsche Zeitung).

Nur die Spitze des Eisberges

Im Grunde klingt das alles wie eine einzige große verschwörungstheorie. Das traurige daran: Es ist keine. Es ist bittere Realität. Eine Andeutung Glenn Greenwalds in der Talkrunde von Reinhold Beckmann in der ARD spricht Bände:

Es werden in den nächsten Tagen noch mehr Berichte erscheinen, die noch viel explosiver sind, als die, die bisher erschienen sind.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

Ein Gedanke zu „PRISM: So werden wir über unsere Smartphones ausspioniert“

  1. PRISM ist im Gegenteil genau DAS wofür die Demokratie heutzutage steht,
    Jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Meinung insofern dies die Meinung der Allgemeinheit ist, ist dies nicht der Fall so wird dagegen Vorgegangen.

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