Papst-Mobbing in deutschen Medien

Der Papst tritt Ende Februar zurück. Eine durchaus interessante Meldung – gerade vor ihrem historischen Hintergrund. Doch deutsche Online-Medien nutzen diese, um nicht etwa hintergründig und analytisch diesen Vorgang zu bearbeiten. Nein, gerade die größten (wichtigsten?) wie Spiegel Online nutzen die Entscheidung Benedikts, um sein vergangenes Wirken endlos zu kritisieren. Dabei offenbaren sie ein Problem, das mir in letzter Zeit immer häufiger sauer aufstößt: Die deutsche Presse ist zu reflektiver, neutraler Berichterstattung nicht mehr in der Lage.

Die Meinung der anderen …

Wir sollen uns, wenn wir eine Person wie den Papst kritisieren, zunächst einmal klar werden, wer er ist bzw. was er eigentlich vertritt. Wir haben hier keinen Politiker, der über irgend eine Staatsgewalt in Deutschland verfügt. Auch ist die Kirche keine Partei, für die der Papst spricht.

Im Grunde genommen ist die Kirche – sowohl die katholische als auch die evangelische – vor allem eines: Sie interpretiert auf ihre Weise das Christentum. Sie verbildlicht Werte und Moralvorstellungen; und verbreitet sie in der Welt. Dabei kann sie sich zumindest in Deutschland und vielen anderen westlichen Staaten nur bedingt politischen Einflusses bedienen. Gerade in Deutschland sind je Kernfragen, die so gerne in Bezug auf Papst Benedikts konservative Haltung kritisiert werden, kein Thema. Sie finden weder bei der Gesamtbevölkerung noch den Katholiken Anklang.

Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen des Papstes lediglich Meinungsäußerungen. Sie geben wieder, was er für richtig hält. Dass er dabei eine konservative Stellung einnimmt, die sich eher auf viele Jahrhunderte katholischer Wertekultur bezieht, ist – mit Verlaub – sein gutes Recht. Natürlich darf man diese Meinung kritisieren. Doch darf man sie auch mobben?

Wenn aus einem Diskurs Mobbing wird

Alleine Spiegel Online hat binnen weniger Tage – bzw. sogar nur Stunden – mehrere Artikel veröffentlicht, die stets darum bemüht waren, ihn als Versager zu klassifizieren. Scharf gefolgt von Zeit, TAZ & Co. Er hätte nichts verändert, hieß es da. Die großen Themen wäre er nicht angegangen. Nun, solche Aussagen künden von fatalem Unwissen und extremistischer Fehlinterpretation. Extremistisch? Ja. Denn die “Journalisten” dieser Medien sind offenbar verfangen auf einer Position, die man als Anti-Päpstlich bezeichnen kann. Es wird nicht einmal der Versuch unternommen, die Ansichten Benedikts reflektierend zu erörtern. Vielmehr geht man bei Spiegel Online rein nach der Methode “Meine Meinung ist die einzig richtige” vor.

Viele setzen das einstige Flaggschiff journalistischer Arbeit, Spiegel Online, längst mit der Bild gleich. Gleichwohl ist der Spiegel viel schlimmer. Denn anders als die Bild tarnt er Oberflächlichkeit, Populismus und Propaganda in eigener Sache mit dem Gewand angeblichen Qualitätsjournalismus´.
Lese ich Bild, kann ich wenigstens noch lachen. Bei Spiegel Online vergeht mir jeder Humor.

Einfach mal Kirche Kirche sein lassen

Ich frage mich sowieso, weshalb gerade die katholische Kirche so sehr angegangen wird. Ausgerechnet Atheisten und Protestanten sind es, die geifern, wettern und am liebsten mit dem Knüppel auf sie los gehen würden. Dabei vergessen all jene “Kritiker”, worauf sich die Macht der katholischen Kirche eigentlich stützt: Auf die Menschen, die ihren Werten und Moralvorstellungen folgen möchten.

All jene Beispiele, die so gerne für den angeblichen Machtmissbrauch der Kirche angeführt werden, haben eines gemeinsam: Stets unterstützte die Kirche ihre Anhänger, nicht anders herum. Als Gegenbeispiel dient Deutschland. Hier geht niemand gegen Abtreibung oder die Pille auf die Straße – jedenfalls keine Menschenmassen wie in Spanien oder Polen. Ergo sehen wir von der Mehrheit der katholischen Obrigkeit auch keine entsprechenden Kampagnen. Vielleicht mal der eine oder andere Bischof respektive Kardinal, der öffentlich seine Meinung kund tut. Aber das ist zum einen sein grundgesetzlich verbrieftes Recht und zum anderen hören nur wenige auf sie; geschweige denn, dass ihrer Ansicht Folge geleistet würde.

Was bleibt von Papst Benedikt?

Obgleich ich ursprünglich protestantisch getauft und mittlerweile alles andere als kirchlich bin, habe ich Herrn Ratzinger in seiner Person als Papst Benedikt als sympathische Figur des Weltgeschehens wahr genommen. Seine Worte – und sie waren es, über die sich sein Pontifikat definierte – waren stets überlegt und ließen eine gewisse intellektuelle Grundlage nicht vermissen. Anders, als viele seiner Kritiker war und ist er ein wertvoller Teilnehmer des gesellschaftlichen Diskurses.

Sympathisch empfand ich auch den Umstand, dass er sich eben nicht den zum Teil extremistischen Veränderungsforderungen seiner Kritiker beugte. Er stellte ein Bollwerk gegen die heutige Banalität dar. Natürlich waren einige seiner Ansichten nicht vereinbar mit den meinen. Doch meinen Respekt hat er dennoch verdient – und sei es als geistiger Widerpart in der Frage, was Moralisch ist und was nicht.

PS: Wer in diesem Artikel Links zu entsprechenden Quellen insbesondere auf Spiegel Online vermisst: Ich verlinke grundsätzlich keine Webseiten sogenannter Presse-Titel. Wer sich ein Bild von den hier eingebrachten Aussagen machen möchte, gebe die Url von Spiegel Online in seinem Browser ein, suche dort nach “Papst Benedikt” und werde fündig ;-)

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

4 Gedanken zu „Papst-Mobbing in deutschen Medien“

  1. Es gibt nur noch sehr wenige Zeitungen, die wirklich objektiv an eine Sache ran gehen und nicht den immer mehr werdenden Bild-Journalismus an den Tag legen. Selbst regionale Zeitungen werden immer schlimmer…
    Da lese ich lieber im Internet, verschiedene unabhängige Quellen. Wenn das mehr machen würden, dann würde sich vielleicht auch wieder was ändern…

  2. Hallo,

    ich finde es sehr mutig zuzugeben, dass man seine Arbeit nicht mehr 100%ig tun kann und dann zurücktritt.

    Besonders Kirche und Papst sind polarisierende Themen, ich kann verstehen, dass es schwierig ist hier absolut objektiv zu bleiben.

    LG

  3. Also meiner Meinung nach ist es viel zu Übertrieben wie die Medien hier Vorgehen natürlich ist es etwas besonderes das sich ein Papst zu diesem Weg entscheidet. ich finde das die Medien lieber mal darüber berichten sollten das es eigentlich eine Frechheit ist wie viel Geld und Verpflegung der Ex Papst jetzt bekommt und andere Menschen auf der Welt an Hunger und Krankheiten sterben weil sie sich keine Medikamente Leisten können.

  4. Die ganzen Medien sind doch auch nurnoch auf Schlagzeilen aus das geht eben mit diesen ” Bild Journalismus” besser.. traurig aber leider so. Das mit den ganzen Papst sachen zuviel Kohle verpullvert wird stimmt aber nicht nur beim Papst oder Ex Papst… schaut doch die Kirche allgemein an für was hier Geld verballert wird,, sicherlich nicht nur für hilfen und Co..

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