Google entwickelt sich zum Parasit

Beinahe unbemerkt führt Google ein neues Feature für seine Bildersuche ein. Wurden bisher lediglich kleine Vorschaubilder angezeigt, sollen fortan die Originalwerke direkt auf der Suchseite eingebunden werden. Damit überschreitet der Suchmaschinenkonzern nicht nur eine rechtliche,sondern auch eine sittliche Grenze.

Von der Arbeit anderer leben

Seit Jahren gilt eine Vereinbarung zwischen Google und Web-Publishern: Die Suchmaschine darf Titel und kurze Textausschnitte auf der eigenen Seite anzeigen, leitet im Gegenzug aber via Link Besucher auf die Quelle der Information. Das galt sowohl für die “normale” Suche als auch für die Bildersucher – bei letzterer wurden eben kleine, qualitativ eingeschränkte, Bildchen (Thumbnails) angezeigt. Das Gros der Webseiten-Betreiber ist mit ihr einverstanden und durchaus zufrieden.

Leider untergräbt Google die stille Übereinkunft zusehends. So stellt sich etwa die Anzeige der Suchergebnisse in Google-News derart dar, dass der Klick auf die Quelle oftmals obsolet wird. Auch in der Hauptsuche werden mehr und mehr ganze Informationsblöcke direkt angezeigt. Die Suchmaschine klaubt (engl. grapping) sich Inhalte von anderen zusammen ohne selbst mehr Leistung zu erbringen, als ein automatisches Programm laufen zu lassen. Nicht umsonst hatten die Verlage mit dem LSR Erfolg und auch ich kann ihm einen gewissen Nutzen nicht absprechen.

Mit der neuen Bildersuche geht Google nun einen Schritt weiter. Nicht mehr “nur” zusammengefasste Informationen will die Suchmaschine auf der eigenen Webseite ausgeben. Nun soll es gleich das ganze Werk sein. Google wird zum Anbieter geklauter Inhalte und die Urheber sollen in die Röhre schauen.

Urheberrechtsverletzung und Sittenverfall

Dem geneigten Leser wird das Kernproblem eines solchen Vorgehens sofort ins Auge fallen. Jeder Webseitenbetreiber, der ähnlich agieren würde, bekäme eine Abmahnung oder sähe sich vor einem Richter sitzen. Denn bietet man fremde Werke ohne Lizenz im Rahmen eines eigenen Projektes an, begeht man schlicht eine Urheberrechtsverletzung.
Google scheint zu denken, rechtliche Schranken solcher Art gälten nicht für sie. Man sieht sich offenbar als überrechtliches Gebilde dem alles erlaubt sei. Die Rechte anderer sind irrelevant, solange man unter dem Vorwand der Nutzerfreundlichkeit Gewinne machen kann, ohne selbst in kreative Leistung zu gehen. Nun, wir werden sehen, wie das deutsche Gerichte sehen.

Ein weiterer Punkt ist jedoch viel gravierender, da ihm nicht mit rechtlichen Mitteln beizukommen ist: Google schickt sich an, zum Absolutum zu werden. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Zeit, will der Konzern offenbar das Web an sich beherrschen. Nutzer der Suchmaschine – die dann keine mehr sein wird – sollen auf Google.com (bzw. den jeweiligen nationalen Ablegern) alles direkt geliefert bekommen, was ihr Herz begehrt. Die eigentlichen Lieferanten der Informationen und Werke gehen leer aus und werden zu kostenlosen, entrechteten Erfüllungsgehilfen.

Doch das würde nur kurze Zeit gut gehen. In Folge gäbe es für die meisten Kreativen keinen Anreiz mehr, qualitativ hochwertige Werke im Internet frei zur Verfügung zu stellen. Web-Publisher würden in geschlossene und vor allem kostenpflichtige Systeme abwandern. Freie – bzw. dann auf Google erhältliche – Informationen bestünden aus zweifelhaften Quellen. Unreflektierte Pressemitteilungen, Polemik und werbende Inhalte wären das einzige, was das Internet dann noch in seiner Masse zu bieten hätte.

Google wird zum Schmarotzer, ja zum Parasit, der das Internet aussaugt und letztendlich abtöten wird.

Blogosphäre

Am gestrigen Montag ist eine Studie zur Google-Bildersuche erschienen, deren Macher nach dem vieldiskutierten Redesign große Besucherverluste von durchschnittlich 63 Prozent ermittelten. t3n.de

Google folgt Bing auf dem unsäglichen Weg, in der Bildersuche einfach urheberrechtlich geschützte Bilder zu benutzen. tagseoblog.de

Wie immer kündigt Google die Umstellung mit dem Argument der besseren User-Experience an, aber in dem Fall steht das ganz klar gegen den Urheberschutz – bei Umsetzung dieses Updates in Deutschland wäre das ganz klar Bilder-Diebstahl! seo-woman.de

Sicher, Google verspricht den Urhebern der Werke nun vier Links auf die Homepage, aber ist das wirklich ein Ausgleich für die komplette Darstellung eines Bildes auf einer fremden „Plattform“? – Nein, ist es nicht. seopt.de

Was auf den ersten Blick wie eine Innovation Googles aussieht, die nur auf das Wohl des Users abzielt, ist in Wahrheit eine gefährliche, wenn auch leider nicht überraschende Entwicklung (und die Kopie der Bildersuche von Bing, BTW) nerd-in-skirt.de

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

4 Gedanken zu „Google entwickelt sich zum Parasit“

  1. Auch wenn meine Seite kaum davon betroffen ist, so ist es doch extrem ärgerlich. Vor allem genau für die Webmaster, die auch Besucher über die Bildersuche empfangen.

    Deshalb: Der Artikel entspricht teils meiner Meinung. Jedoch “Google … der das Internet aussaugt und letztendlich abtöten wird”; das würde ich jetzt nicht so überspritzt sehen. Bei der Websuche werden ja die Besucher ´ja noch weiterhin weitergeleitet….

  2. Google nervt einfach nur mehr. Zuerst wurde GFC abgeschafft, danach der Feed Reeder und jetzt der Blödsinn. Ich weiß nicht, was sie damit bezwecken wollen *ggggrrrr*
    lg Vicky

  3. Also alles in allem wird es immer schlimmer. Es ist ja nicht nur Google, klar wir alle bekommen G mit weil Google am größten ist, aber egal ob Suchmaschinen oder Soziale Netzwerke, Der Webseitenbetreiber der sich mühe gibt Infos zusammen zu tragen, wird immer mehr als “billige Infoquelle” gemolken und darf dann zusehen wie andere damit geld verdienen.

    Echt schade und ich hoffe das sich das iregndwann wieder ändert!

  4. Ich würde das eher ein exzellentes Business Model nennen. Aber irgendwie hat Google ja schon immer sein Geld mit den Inhalten anderer verdient. So ist das halt als Suchmaschine. Trotzdem bieten sie auch tonnenweise anderer Services an.

    Die neue Bildersuche ist natürlich eine Frechheit. Deswegen glaube ich niemals, dass sie sich durchsetzt. Urheberrecht…

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