Merkel und SpiegelOnline decken die Verantwortlichen der Finanzkrise

Die Finanzkrise liegt in ihren Höhepunkten nun schon einige Zeit zurück. Das gute Wirtschaftswachstum in Deutschland lässt allmählich vergessen, wie einer der größten Abstürze der Weltwirtschaft eigentlich hatte passieren können. Und dieses Vergessen wird von Politik wie Medien befeuert.

Zwei Beispiele für bewusste Schuldverschiebung

Heute meldete sich Bundeskanzlerin Merkel zu Wort. Thema war die horrende Verschuldung einiger Euro-Staaten. Ihr Tenor: “Wenn wir euch helfen, müssen die Bürger in euren Ländern länger arbeiten.”. Das mag zunächst vernünftig klingen. Auch wenn gerade die Schuldenländer über recht hohe Arbeitslosigkeit leiden und eine Verkürzung der Urlaubstage oder Erhöhung des Renteneintrittsalters wohl eher die jeweiligen Sozialkassen belasten dürften. Auf WeltOnline und anderen Medien fand sie mit ihren Worten ein kritikloses Forum.

Des weiteren veröffentlichte SpiegelOnline einen Artikel, in dem es um Schwarmintelligenz geht. Der Autor wirft (recht kontrastreich) die Frage in den Raum, weshalb trotz jener Weisheit der Masse denn die Finanzkrise hätte entstehen können. Die Erkenntnis einer Schweizer Untersuchung: Wenn die Menschen zu viel über die Gedanken und Ansichten der anderen wissen, entstehen soziale Anpassungsprozesse. Je nach dem, wohin diese Anpassung tendiert, kann aus dem klugen Schwarm plötzlich ein dummer werden.

Was ist nun so problematisch an diesen beiden Beispielen? Nun, sowohl Merkel als auch der Spiegel wollen uns indirekt darlegen, dass an der zurück liegenden Finanzkrise doch wohl alle Schuld seien.
Die Bundeskanzlerin fordert nicht etwa von Spekulanten und anderen Gläubigern die Erfüllung von Bedingungen. Nein, die Menschen sollen für den Niedergang der Wirtschaft zahlen.
In das gleiche Horn bläst der Spiegel. Plötzlich ist die fehlende Klugheit der Masse schuldig. Nicht etwa jene Manager, die mit ihren hoch riskanten Spekulationen wichtige Säulen der Finanzwirtschaft (Lehman, HRE) zu Fall brachten und damit eine Lawine ins Rollen brachten.

Medienmanipulation in Echtzeit

Dem geneigten Zuschauer offenbart sich hier ein Schauspiel typischer Medienmanipulation. Presse und Politik arbeiten Hand in Hand, um ein ihnen genehmes Weltbild zu manifestieren.

Nach und nach wird indirekt, wie an oben aufgeführten Beispielen zu erkennen ist, das Bild geweckt, es seien ja wohl wir alle schuld am Desaster. Direkt wird niemand Managern und Aufsichtsbehörden die Verantwortung von ihren Schultern nehmen. Doch irgendwann werden die Deutschen schon von alleine auf den Gedanken kommen, die wahren Schuldigen sind die Menschen in Südeuropa. Und die Krise ist nur deshalb nicht abgewendet worden, weil wir zu sehr einer Meinung mit den anderen sein wollten.

Wer Zeit und Motivation aufbringen kann, sollte die folgenden Monate (und ev. auch im Rückblick) Nachrichten einmal vor dem oben beschriebenen Hintergrund aufnehmen. Es wird eine interessante Erfahrung, soviel sei verraten.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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