Meinungsfreiheit ist eine rote Linie

Die letzten Tage sind (mal wieder) beherrscht vom Konflikt zweier Kulturkreise. Auf der einen Seite die islamische Welt, die ihre Religion über alles stellt und Kritik daran mit Gewalt beantwortet. Auf der anderen Seite Europäer und Nordamerikaner, die mit ihren über Jahrhunderte erkämpften Grund- und Menschenrechten offenbar nur noch eine Minderheit darstellen. Es geht um nichts geringeres als den Fortbestand von Demokratie und Freiheit.

Ein dümmliches Mohammed-Video als Ausgangspunkt

Ursache des neuerlichen Konfliktes ist ein Mohammed-Video aus den USA. In ihm wird der Religionsgründer des Islam als Kinderschänder und Gewaltverbrecher gezeigt. Von der Machart her ist es unglaublich schlecht gemacht und nervend langweilig. Im Grunde lebt das Video nur von dem Wissen, dass Moslems in aller Welt deswegen auf die Straße gehen.

Tatsächlich wäre Protest gegen das Mohammed-Video angebracht: Wegen seiner nicht vorhandenen Qualität. Es ist eine Beleidigung, ja Verletzung, des Intellekts.
Doch rechtfertigt sein Inhalt jene Gewaltausbrüche im arabischen Raum? Aus unreligiöser Sicht muss man die Frage mit Nein beantworten. Der historische Mohammed hat durchaus zum Schwert gegriffen, wenn sich ihm Heiden in den Weg stellten. Auch war es zu damaliger Zeit im nahen Osten – und heute im Übrigen auch noch – durchaus üblich, bereits 10-jährige Mädchen zu verheiraten. Das sind nunmal die Fakten. Da können Moslems noch so auf und nieder springen.

Beleidigung?

Nun halten viele Moslems dagegen, durch das Video und diverse Karikaturen würde ihre Religion herabgewürdigt. Das wiederum würde sie in ihrem Ehrgefühl verletzen. Nun, das mag durchaus sein. Ich gestehe mir mangels einschlägigen Wissens in dieser Sache kein Urteil zu.

Die Frage ist jedoch, ob diese Art der indirekten(!) und allein auf dem subjektiven Ehrebegriff basierende Beleidigung überhaupt eine Rolle spielen darf.
Denn spinnen wir einen solchen Gedanken einfach weiter. Was wäre, wenn ich morgen ein paar Anhänger um mich scharre und eine “Religion des schnöden Mammons” gründe. Wir beten zum großen Gott der Devisen und leugnen jeden negativen Einfluss ungezügelter Spekulationen auf die Weltwirtschaft. Wer das Gegenteil behauptet verletzt unsere religiösen Gefühle.
Werden dann auch Politiker und Journalisten unsere Empörung relativieren und künftig Kritik am Finanzsystem verurteilen? Werden Grundrechte eingeschränkt, zugunsten unserer religiösen Ehre?

Wohl kaum.

Allein die direkte Herabwürdigung lebender Personen kann und darf als Tatbestand der Beleidigung gelten. Und selbst dort ziehen wir im alltäglichen Diskurs eher schwammige Grenzen. Es wird über alle möglichen Akteure des Zeitgeschehens hergezogen, ohne dass jemand daran Anstoß nimmt. Erinnert sei diesbezüglich etwa an die Titanic-Satire gegen den Papst; jeder private Mensch hätte bei einer solchen Herabwürdigung (im besten Fall) Anzeige erstattet und Recht bekommen.

Meinungsfreiheit mit allen Mitteln verteidigen!

Ich empfinde es erschreckend, wie seitens der Politik mit den Protesten gegen das Mohammed-Video umgegangen wird. Anstatt sich von seinem provozierenden Teil einfach nur zu distanzieren und klar zu stellen, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen im heutigen Islam – zumindest dem deutschen – eben keine Religion von Gewaltverbrechern oder Kinderschändern sieht, ziehen sie über das Video her. Journalisten fordern allen Ernstes, seine Aufführung zu untersagen. Unfassbar: Die vermeintlichen Verteidiger von Presse- und Meinungsfreiheit sprechen anderen eben jenes Recht ab.

Um so mehr gilt es nun, die Meinungsfreiheit zu verteidigen. Niemals dürfen wir uns einem gewaltbereiten und/oder religiös umnebelten Mob unterwerfen. Denn wenn wir das tun, verlieren wir alles, wofür unsere Vorfahren gekämpft haben. Dann fällt der erste Baustein aus dem Gebäude Namens Demokratie.

Von den deutschen Moslems erwarte ich, dass sie eben diese Position mit uns zusammen beziehen. Nur so können sie erreichen, was sie steig einfordern: Die Akzeptanz und den Respekt aller anderen Deutschen. Gemeinsam sollten wir an der roten Linie stehen und ihre Überschreitung verhindern.

Web-Quellen und Blogosphäre

Auf tiwaz.de trage ich Links zum Thema Mohammed-Video und den neuerlichen Mohammed-Karikaturen zusammen. Darunter natürlich auch diverse Presse-Quellen.

Obwohl ich die von mir vermuteten Beweggründe von Pro Deutschland nicht teile, bin ich dennoch der Meinung, dass ein Verbot der Aufführung des Videos, und sei es noch so abgrundtief schlecht und billig, falsch wäre(gesichtet.net). Durch das Zeigen des Films sollen radikale Muslime provoziert werden und der Partei (Pro-Deutschland) Aufmerksamkeit bescheren (ruhrbarone.de). Sie wollen im anderen einfach nicht den Menschen erkennen, haben große innere Dunkelheiten zu besiegen und brauchen unser Mitgefühl und den Segen welcher Religion auch immer (calichino.wordpress.com). Dass religiöse Überzeugungen das Urteilsvermögen aushebeln können, ist kein Phänomen, das auf die islamische Welt zu begrenzen ist (soldatenglueck.de). Was ist uns heilig? Das Heilige anscheinend nicht mehr, das Copyright dagegen sehr (theonetde.wordpress.com). Eine absolute Meinungsfreiheit ist undurchführbar, ein blanker Unsinn – und sie wäre überaus gefährlich (freidenkerin.com)! Menschenrechte? Diplomatie? Dies ist dieser Tage alles Nebensache (verbloggt.de).

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

Ein Gedanke zu „Meinungsfreiheit ist eine rote Linie“

  1. Den extrem Radikalen ist es doch egal, wer dich distanziert oder nicht. Die sind gegen alle die nicht Ihren Gott anbeten. Selbst wenn wir heute alles dazu verbieten würden, würden se morgen einen anderen Grund finden. Ich bin auch dafür, das man die Meinungsfreiheit nicht einschränken darf!

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