Lesen oder Hören, das ist hier die Frage

Nicht erst seit neuestem stellt sich vielen eine Frage: Sollte man das Buch seiner Wahl nun ganz traditionell lesen oder doch eher hören. “Natürlich lesen!” sagen die einen und verweisen auf das Kulturgut Schrift, die besondere Haptik eines fassbaren Buches. Dem gegenüber stehen jene, die den besonderen Reiz eines vorgelesenen Werkes schätzen. Sie stellen auf den akustischen Genuss ab.

Verdrängen Hörbücher das gedruckte Wort?

Von einigen wird der Gegensatz beider Medien in einer Art Kulturkampf ausgefochten. Die einen nennen ihre “Gegner” unkultiviert (im Sinne der Kultur an sich, versteht sich). Die anderen sprechen von technischem Fortschritt und Rückwärtsgewandtheit der anderen.

In der Tat haben Hörbücher einen beachtlichen Teil des Marktes erobert. Insbesondere Downloads aus dem Internet boomen, wie Leipziginfo berichtet. Dabei steht nicht mehr nur Belletristik im Fokus der Aufmerksamkeit. So gibt es zum Beispiel für Leipzig einen hörbaren Stadtführer. Die Vorteile eines solchen dürften auf der Hand liegen: Der hörende Leser kann Stadtführer und Stadt gleichzeitig erleben, ohne mühsam an die richtige Stelle blättern zu müssen und den Blick von dem, was beschrieben wird, abwenden zu müssen.

Doch schadet diese Entwicklung wirklich dem gedruckten Buch? Nun, dem klassisch aus Papier bestehenden schon. Die Zeit, in der ein einziges Werk viel Platz in Wohnung, Bibliothek oder Reisekoffer einnahm, neigt sich dem Ende zu. eBooks sind auf dem Siegeszug. In ein Gerät, das nur wenig größer als ein Handy ist, passt eine ganze Sammlung von Büchern. Klassiker, Nachschlagewerke, Unterhaltungsliteratur – alles stets dabei, in der Hosentasche, sozusagen.

Eben jene eBooks sollte man in Konkurrenz zum Hörbuch sehen. Und da sieht die Zukunft des Lesens plötzlich gar nicht mehr so negativ aus wie von manchen behauptet. In dem Moment, wo beide Formen digital, nicht-räumlich verglichen werden, zählen nur noch die jeweiligen Vorteile:
Hörbücher geben eine besondere akustische Erfahrung. Oftmals werden die Werke nicht bloß vorgelesen, sondern kommen als aufwändig produzierte Hörspiele daher. Zudem kann man sie konsumieren und gleichzeitig andere Dinge tun (siehe Beispiel Stadtführer). Ohne Frage sind dies gewichtige Punkte, die für das Hörbuch stehen.
Beim eBook dagegen hat man den Vorteil, schneller bestimmte Stellen eines Werkes auswählen zu können. Diese kann man sodann in der Geschwindigkeit lesen, die man bevorzugt – oder den Text gar überfliegen. Auch sind Bilder in einem eBook sehr viel einfacher unterzubringen.

Lesen oder hören…?

Um auf die Überschrift dieses Artikels zurück zu kommen: Im Grunde stellt sich die Frage in der Form gar nicht. Hör- und Lesebuch stehen nicht unversöhnlich gegenüber. Sie sind vielmehr zwei gleichberechtigte Medien. Es sollte also eher lauten: Lesen und hören.

Im Übrigen: Das gehörte Werk ist sehr viel älter als das gedruckte/geschriebene. Das wird gerne vergessen. Als es noch keine Bücher gab, saßen die Menschen beisammen – zumeist am Feuer – und erzählten sich Geschichten.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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