Krieg ist kein Terror – Definition, Wertung, Argumente

Eigentlich sollte man sich nicht wundern, wenn ein Oskar Lafontaine, MdB für die PDS Die Linke, Luftwaffeneinsätze im Rahmen eines Krieges bzw. kriegsähnlichen Friedensprojektes mit dem Terminus Terror1 belegt. Damit spricht er im Grunde nur aus, was viele Menschen in Deutschland denken. Nicht nur im linken Spektrum2 unserer politischen Landschaft – wo dies bereits zum Muß, zum Mainstream, gehört -, sondern durch alle Lager kreist dieses Antikriegsargument.
Betrachtet man die Einsätze amerikanischer Soldaten in Afghanistan und erst recht im Irak, kann man sich diesem Ansatz nur schwer erwehren. Zerfetzte Körper unbeteiligter Zivilisten, menschenrechtverachtende Hausdurchsuchungen oder Festnahmen, Folterszenen in Gefängnissen – dies alles erinnert doch stark an Zeiten der Diktatur. Zeiten, in denen nicht immer nur reine Macht oder Ideologie verteidigt (siehe Drittes Reich), sondern ebenso demokratische Tugenden und das gute im Mensch erzwungen werden sollten (siehe Französische Revolution/Robbespier). Insofern könnte der unvoreingenommene Betrachter des Krieges gegen den Terror in diesem durchaus Terror erkennen. Auch dieser dient vornehmlich dem Schutz von Freiheit und Demokratie, bedeutet jedoch für viele unbeteiligte Zivilisten Schrecken und Tod.

Was ist Terror?
Um diesen Gedanken entweder zu unterstützen oder zu stürzen, kommt man nicht umhin, sich zunächst anzuschauen, was dieser ominöse Begriff “Terror” überhaupt bedeutet. Er ist nämlich noch lange nicht angebracht, nur weil Gewalt in irgendeiner Form stattfinden. Selbst Schrecken oder Tod sind nicht seine alleinigen Herführungspunkte. Sonst müßte man sämtliche Gewaltverbrechen, Millitär- und Polizeieinsätze oder gar Kampfsportarten wie Boxen und Fußball unter den Begriff “Terror” einordnen. Es muß also eine sehr viel engere Definition geben, die genannte Handlungen bzw. Vorgänge nicht einschließt.
Es lassen sich bei genauer Betrachtung tatsächlich vier Merkmale3 erkennen, bei deren (gleichzeitigem!) Zutreffen man von Terrorismus sprechen kann – und darf:

  1. Terror zielt stets gewaltsam gegen die Bevölkerung.
  2. Diese soll nicht direkt geschädigt werden, sondern es soll ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Unsicherheit, der Schutzlosigkeit erzeugt werden.
  3. Terroristische Gewalt wird stets mit einer Ideologie gerechtfertigt bzw. legitimiert.
  4. Anwender des Terrors sind meistens politische oder religiöse Radikale – oftmals gar Fundamentalisten.

Bewertung der Einsätze der Bundeswehr
Die Einsätze der Bundeswehr zielen mit Ausnahme der KSK-Einsätze nicht direkt auf Gewaltanwendung. Vielmehr stehen Aufbau, enger ziviler Kontakt und Vermeidung des Eindrucks von Besatzung im Vordergrund. Ziele also, die keinesfalls unter die oben genannte Definition fallen können.
Oskar Lafontaine bezog sich bei seiner Äußerung auch mehr auf die Unterstützung amerikanischer Vorgehensweisen durch den Einsatz deutscher Tornado-Aufklärer. Da die Unterstützung des Terrors im Sinne der Mittäterschaft gleichfalls als Terror gelten kann, müssen also die Aktionen der US-Streitkräfte genauer betrachtet werden:

Zunächst fallen deren Gewaltanwendungen wie Bombardierungen oder Bodenkämpfe tatsächlich Zivilisten (d.i. Bevölkerung) zum Opfer. Dies aber ist im Zusammenhang Terror nicht relevant. Vielmehr müßten die Opfer als eigentliches und grundsätzliches Ziel dienen. Das aber trifft nicht zu. Wenn Zivilisten starben, waren es Kollateralschäden – so grausam dieser Begriff auch klingt und ist. Eigentliches Ziel waren ihrerseits Terroristen.
Das schließt natürlich gleichfalls aus, daß die Gewalt dazu dienen soll, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie tut es, ohne Zweifel, doch das ist nicht eigentlicher Sinn der Einsätze.
Etwas nachdenklicher wird der Betrachter, nimmt er sich der Legitimations-Erklärungen der US-Regierung an. Wenn jemand mit dem Vorwand, Freiheit und Demokratie einzuführen, in den Krieg zieht, ist dies eine ideologische Rechtfertigung. Hier kommt es letztendlich darauf an, ob beide Werte in einem Akt der Selbstverteidigung seiner selbst und anderer bewahrt werden sollen, oder ob sie gegen den Willen der Bevölkerung aufgezwungen werden sollen. Natürlich könnte man sich nun bis in alle Ewigkeit streiten, was denn nun für Afghanen oder den Iraker zutrifft. Zieht man die Umfragen der (zugegeben westlichen) Medien heran, ergibt sich das Bild der Selbstverteidigung. Sowohl zwischen Euphrat und Tigris als auch in den Bergen Afghanistans sind die Menschen mit ihrer gewonnen Freiheit und Befreiung vom fundamentalen Islamismus zufrieden; sie würden sie wohl nur ungern wieder hergeben.
Ob dagegen die USA ihrerseits eine fundamentale oder wenigstens radikale Politik verfolgen, darf mit einem leichten Schmunzeln gefragt werden. Natürlich gibt es Verbindungen George Bushs zum christlich-extremen Kreationismus. Auch könnte man das “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns” durchaus als radikal bezeichnen. Doch kann man bei vernünftiger Reflexion der Umstände die USA als fundamentalistischen Akteur bezeichnen? Würde man dies bejahen, träfe dies wohl auf den gesamten “Westen” zu. Ich persönlich würde als Antwort ein Nein eher in Betracht ziehen – doch werden hier die Meinungen wohl weit auseinander gehen.

Fazit
Die Einsätze der USA sind gemäß den genannten vier Punkten kein Terror. Selbst wenn man eine gewisse Radikalität bejaht, ist sie doch kein Hauptgrund der Gewaltanwendung. Insofern kann man natürlich auch die Einsätze der Bundeswehr – sofern sie sich überhaupt auf echte Kampfeinsätze beziehen – nicht mit Terror vergleichen. Einige in Deutschland täten also gut daran, ihre festgefahrenen und teilweise ideologisch gefärbten Meinungen zu überdenken. Die heftige Reaktion der Medien4 auf Lafontaines Aussage jedenfalls sind in einem gewissen Rahmen gerechtfertigt.

1 Artikel zum Thema “Lafontaines Aussagen” beim Fokus.

2 Als Beispiel für dieses Denken sei ein Artikel im redblog herangezogen.

3 Eine gute und umfangreiche Behandlung des Themas “Terrorismus” ist das gleichnamige Werk von Lars Berger und Florian Weber von 2006. Es kann über die Landeszentrale f. pol. Bildung Thüringen bestellt werden (Katalog).

4 Die BILD forderte etwa: “Lafontaine soll sich bei
Soldaten entschuldigen!

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

5 Gedanken zu „Krieg ist kein Terror – Definition, Wertung, Argumente“

  1. Erstens muss ich mal ein wenig stänkern. Du definierst zu gern. Wie schon beim Begriff Faschismus glaube ich auch beim Begriff Terrorismus ist es nicht ausreichend eine beliebige Definition heran zu ziehen und dann eine Häkchenliste zu machen. Solche Sachen sorgen selbst zwischen “Leuten die sich damit auskennen” oft für Streitereien. Aber zum eigentlichen Punkt.

    Die USA sind definitiv keine Terroristen. Aber

    2. “Gefühl der Hilflosigkeit” => Ich glaube schon, das die Intervention im Nahen Osten so etwas suggerieren soll. So doof zu glauben, dass die arabischen Völker die GIs mit offenen Armen empfangen, kann selbst George Bush nicht gewesen sein.

    3. “mit einer Ideologie gerechtfertigt” => Keep on rocking in the free world. Ohne das jetzt wertend zu sehen, ist es auch ein Ideologie keine Ideologie zu haben. Oder platt Bürgerrechte, Demokratie, jeder darf mitmachen ist eine Ideologie wie jede andere auch. Und da unser aller liebster Südstaatler ja die Freiheit immer ganz groß auf seine Fahnen schreibt, darf doch schon mal die Frage in den Raum gestellt werden, ob hier die Freiheit nicht ideologisch verwendet wird, während sie gleichzeitig für die eigenen Leute ja massiv beschnitten wird. Grüße vom Flughafen.

    4. “meistens politische oder religiöse Radikale” Jetzt muss ich den Sack zu machen. Nenn mir bitte einen US-Präsidenten seit 1492 ;-) der politisch radikaler als George Bush gewesen wäre. Selbst Roosevelt wollte nicht einfach so gegen die Nazis in den Krieg ziehen. George Bush ist sicher nicht mit der Radikalität von Diktatoren zu vergleichen. Aber auch nur, weil er wahrscheinlich nicht darf wie er gern wollte.
    Mann stelle sich George Bush nur mal an der Spitze des Iran oder der ehemaligen Sowjetunion vor. Gute Nacht.

    Gerade weil auch das Volk in den USA immer mehr gegen den Irakkrieg ist, darf doch die Frage gestellt werden, ob ein demokratisch legitimierter Führer dann bei einem solch stoischen Widersetzen nicht als radikal gelten darf. Ein anderes Thema wäre das Militärbudget. Der Raketenschutzschirm, der selbst Alf noch auf dem Melmac treffen kann. Das ist für mich alles sehr radikal.

  2. Wenn man bestimmte Begriffe nicht definiert, werden sie mißbraucht. Das sieht man ja am aktuellen Beispiel “Terror”. Die hier verwendeten Punkte stammen übrigens von “Leuten, die sich damit auskennen” ;)

    zu 2.
    Terror ist in erster Linie ein Kommunikationsmittel. Der Terrorist versucht, bei der Bevölkerung oben beschriebene Gefühle zu erzeugen, ihnen zu sagen: “Folgt lieber unserem Weg, dann geht es euch besser”.
    Fraglich, ob die USA dies im Sinn haben – zumal Ziel nicht die Bevölkerung an sich ist, sondern einzelne Gruppen von Terroristen.

    zu 3.
    Steht ja auch schon im Artikel so geschrieben :)

    zu 4.
    Steht ebenfalls im Artikel! Außerdem möchte ich von dort einen Satz erneut hier anbringen: “… doch werden hier die Meinungen wohl weit auseinander gehen.”.

    Übrigens soll der Artikel keine Rechtfertigung für die Kriege Amerikas sein. Es geht lediglich um den Begriff Terror in Verbindung mit eben diesen Kriegen.
    Insofern kann ich dir unumwunden zustimmen, wenn du schreibst, G. Bush führe eine radikale Politik – gegen den Willen vieler Staaten, gegen sein eigenes Volk und oftmals gegen die Vernunft.

  3. Das ist der Menschheits Kern, Schon immer haben Menschen Regeln/Gesetze zum Zusammenleben gebraucht! Das wird sich auch auf dieser Erde nicht mehr ändern!
    Beste Grüße Michi

  4. Regeln hin oder her, Krieg ist doch auch gleich Terror und egal ob es der selbsternannte “Gute” Mann B*sh ist oder der von den Medien ernannte “Terroristen Kopf der Al Qaida” Bin L*den sind doch zwei Menschen mit den gleichen Absichten. Der eine macht es nur wegen der Wirtschaft / Geld und der andere wegen dem Glauben.

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