Internet-Virus SEO

Wie kein anderes “Geschöpf” auf diesem Planeten verkörpern Viren die Eigenschaften eines Parasiten. Unfähig, eigenen Stoffwechsel in Gang zu setzen, entziehen sie anderen Lebewesen das, was man Leben nennt, um es für die eigene Fortpflanzung zu verbrauchen. (Näheres zum Wesen biologischer Viren auf Wikipedia).
Ganz ähnlich gestaltet sich die Vorgehensweise von Computerviren. Auch sie sind als Software nicht in der Lage, ohne Wirtstechnik sich zu verbreiten bzw. ihrem Daseinssinn nachzukommen – worin auch immer der jeweils besteht. (Auch dazu mehr auf Wikipedia)
Eine Grafik1 von Malte Landwehr hat nun den Blick auf ein weiteres Medium geworfen, das Träger virusartiger Vorgänge ist: Das Internet.

Dabei ist keinesfalls die Verbreitung von Computerviren über die technische Infrastruktur gemeint. Vielmehr geht es um die soziale Komponente des weltweiten Netzes, die unzählige Menschen in Communitys zusammenbringt.
Die Web-Gemeinschaften funktionieren, sobald sie eine kritische Anzahl von Mitgliedern erreicht haben, wie Organismen. Jeder Teilnehmer ist für sich allein genommen ein eigenständiges Wesen (analog zur Zelle), doch in ihrer Einheit bilden alle zusammen mehr, als die Summe der Einzelnutzer.
Aus dieser an sich positiven und als Erfolg bezeichneten Entwicklung entsteht jedoch ein grundsätzliches Problem: Der Mehrwert der Community, der zwar von allen Mitgliedern geschaffen wird, von ihnen aber nicht direkt kontrolliert werden kann, ruft jene Subjekte der Gesellschaft hervor, die ihn opportunistisch (aus)nutzen. Früher nannte man sie Spammer – mittlerweile haben sie sich selbst in SEOs umbenannt.

Die Ähnlichkeit zu den oben beschriebenen Viren ist dabei frappierend – und zuweilen faszinierend. Unfähig, in Alleinleistung eigene (Web)Angebote im Markt bekannt zu machen (ob aus objektiven oder subjektiven Gründen, sei dahingestellt), kapern die SEOs diverse erfolgreiche Web-2.0-Portale; Nutzeraccounts werden allein zum Zweck der Verbreitung von Werbung gegründet um die Portale mit Unmengen an Beiträgen überschütten zu können. Fehlt es dann an geeigneten Abwehrmöglichkeiten auf technischer oder Community- Ebene, ist dem Mißbrauch keine Grenze gesetzt.

Die Folgen sind verheerend. Selbst Platzhirsche wie Yigg oder Webnews haben mit dem zunehmenden Spamaufkommen zu kämpfen. Es geht letztendlich um die Existenz der Portale. Immerhin wenden sich die ersten Mitglieder genervt ab und suchen anderswo ruhigere Web-2.0-Plätze oder kehren dem Mitmachweb gar völlig den Rücken. Andere machen ihrem Ärger durchaus aggressiv Luft.
Insofern wird auch die SEOs ein ähnliches Schicksal wie ihren biologischen Virenkollegen erwarten: Sie müssen von Wirt zu Wirt springen und am Ende sich auf die Infizierung neuer Arten respektive Web-Dienste verlagern.

1 gefunden via Seoigg

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

18 Gedanken zu „Internet-Virus SEO“

  1. Interessanter Beitrag. Die Sache mit dem Spam ist inzwischen leider echt ziemlich doll geworden…gestern zum Beispiel habe ich einen Eintrag bei Yigg gemacht und bin am Ende, wie üblich, bei den “Neusten Nachrichten” gelandet. Dort fanden sich aus den letzten 10 Minuten ca. 15 Beiträge – 11 davon haben LEDs in allen möglichen Farben beworben und direkt zum Shop verlinkt. Totaler Käse sowas…da könnt ich echt ko***

    Mehr als Spam melden und hoffen, dass solche User gebannt werden kann man leider nicht…und sebst wenn, dann dauerts auch nur 10 Minuten bis man neu registiret ist :-/

  2. @gene: Diese Beiträge habe ich auch gesehen. Habe sie natürlich sofort gemeldet aber solche Fälle zeigen natürlich, dass man Spam nie ganz verhindern kann. Wichtig ist: Die Community meldet solche Inhalte und entfernt sie schnell von der Seite…nur so kann man diesem Müll Herr werden…

  3. Ein herrlicher Aspekt, genau der hat mir noch gefehlt in meiner Sammlung “Ansichten eines SEO-Gegners”. Den Artikel werde ich noch öfter zitieren, gratuliere ein gelungener Vergleich.

  4. 1. Spam ist nicht zwingend deckungsgleich mit SEO.
    2. Gibt es wie überall gute und schlechte Vertreter. Derzeit ist es am einfachsten über Spam Links zu erzeugen. Daher wissen sich viele nicht anders zu helfen.

  5. “Derzeit ist es am einfachsten über Spam Links zu erzeugen. Daher wissen sich viele nicht anders zu helfen.”

    Das macht es jedoch nicht besser ;) Ganz im Gegenteil. Wer sich nicht anders zu helfen weiß, sollte die Finger vom Seo lassen.

  6. Wirklich sehr toller Bericht. Meine Computer sind auch oft genug von Viren betroffen – das ist immer sehr ärgerlich. Das perfekte Programm dagegen hab ich noch nicht gefunden und dieses wird es warscheinlich auch nie geben, weil die Hacker immer trickreicher werden :S.

  7. “1. Spam ist nicht zwingend deckungsgleich mit SEO.”
    Wo er recht hat […]
    Die Internetcommunity wendet sich jedoch allgemein in alle möglichen Richtungen. Warum das eine aufhalten, wenn zichtausend andere zur gleichen Zeit dabei sind, online zu gehen?! Man siehe diverse Emo-, Metal-, Punk-Websites, die radikale Parolen, Selbstmordbeschreibungen und so weiter verbreiten. Jetzt stellt sich doch die Frage, was schlimmer ist?! Will ich mir im Internet ein Video ansehen, wie einer den “perfekten Selbstmord” vorführt oder freue ich mich vielleicht auch über konstruktive Kritiken oder nett gemeintes Lob als Comment?
    Gruß, Jojo

  8. Problem ist eben, daß die meisten Kommentare alá “Toller Artikel, super Seite” nicht wirklich ernst gemeint sind. Das ist Spam.

  9. Ich bin auch der meinung das Spam nich gleich SEO ist. Natürlich missbrauchen viele diese Möglichkeit nur um einen Link dazulassen. Aber ich finde es vollkommen ok das jemand seinen Link dalässt sofern er etwas sinnvolles geschrieben hat. Und da eigentlich jede Blogsoftware schon die möglichkeit bietet Kommentare zu Moderieren kann solche Spam kommentare wie toller Beitrag einfach Sperren oder als Spam makieren und schön ist er weg. Der User der den Beitrag verfasst hat, wird es dann sicherlich entweder nicht mehr versuchen oder er bemüht sich sinvolle Beiträge zu schreiben.

    Gruß der Ranger

  10. Ja, ja die bösen SEOS. Vor allem im Bereich der Handyseiten sind sie so böse und spammen mit den Handytarifen und Links zu Handyseiten blöd rum. Naja viele stellen dabei ja auf nofollow um. Aber wo gehen dann die Kommentare hin? Zu nofollow Blogs wie hier :-)

  11. … und wo die URLs dann gelöscht werden, weil der dazugehörige Kommentar weder quantitativ noch qualitativ dem entspricht, was einen Backlink rechtfertigt. ;-)

  12. Hi,
    ich finde es gibt genug Spammer, die man gut und gerne auf den Mond schiessen könnte. Wer sich davon Seo nennt, der hat irgendwas nicht richtig verstanden.

    Zwischen spammen und Seo ist ein himmelweiter Unterschied.

    Leider ist es für den Laien kaum zu durchschauen – und wenn diese schwarzen Schafe dafür sorgen, dass gute und vernünftig arbeitende Seos auch in Verruf kommen, finde ich das wirklich zum K*****.

    Aber dagegen tun kann man weder als Blogbesitzer wirklich was (außer Löschen, was das Zeug hält) und als “ehrlicher Seo” kann man sich auch nicht wehren.

  13. Gute SEO brauchen nicht zu spammen. Ebenso haben es gute Seiten auch nicht nötig, zu spammen. Der Rest ist leider auf Spam angewiesen.

  14. @antivirus test: Ergo ist deine Seite schlecht … und du hast Spams wie den deinen nötig.

    Schon witzig, mit welchen Sprüchen Spammer ihren Wortmüll zu verschleiern versuchen ^^

  15. ich würde Spam auch nicht mit SEO gleichsetzen…es gibt ja mehrere Arten von SEO – die gutartigen (white hat) und die bösartigen (black hat)…und dann kommt es immer noch auf die Intentionen und das Moralverständnis des SEO-Agenten an…aber ich kann die Analogie zu Viren durchaus nachvollziehen…die Gier der Menschen setzt eine immense kreative Energie bei einigen SEOs aus, die dann die Suchergebnisse von Google ganz schön zuspammen können…Google scheint da noch keine geeignete langfristige und effektive Möglichkeit gefunden zu haben, dem entgegenzuwirken…aber erste Schritte sind bereits getan in diese Richtung…schließlich lebt Google ja auch davon, den Usern relevante und interessante Inhalte zu liefern…aber die Methoden der SEOs und Affiliate Marketer werden immer perfider….

  16. Hallo, ich finde obigen Artikel echt klasse. Man hat es im Internet nicht leicht. Ich weiß es selber, weil ich seit Jahren in dieser Branche tätig bin. Selbst, wenn man selber Portale betreut, muss man ständig auf der Hut sein und Spam Müll herausfiltern. Aber so ist das nun mal. Überall gibt es schwarze Schafe und weiße….

  17. “Spam” dient meist dem Linkaufbau. Sobald man aber eine wichtige Info passend zum Thema hinterlässt, kann aus dem Spam schnell Quality Content werden.

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