Integration auf türkisch

Daran, daß Einwanderung und Integration beliebte und zugleich wichtige Themen sind, haben die letzten Jahre keinen Zweifel gelassen. Zu oft wurde die Problematik sowohl von Links als auch Rechts angesprochen. Vorläufige Höhepunkte im unendlichen “Ausländer-Drama” sind sicher die Hetzkampagnen nach Angriffen auf Immigranten; daß es letztendlich keine rechtsextremen Straftaten waren, offenbarten allenfalls Pressetitel ohne meinungsbildenden Einfluß.
Vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Äußerungen des Türkischen Ministerpräsidenten, Recep Tayyip Erdogan, nicht überraschend. Er beschwerte sich gegenüber der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, über die Einbürgerungstests in Deutschland. Er sei beunruhigt. Stünden die Tests doch für Ausländerfeindlichkeit – die er im Übrigen in ganz Europa auf dem Vormarsch sieht. Besonders kritisierte er die mangelnde Unterstützung türkischsprachigen Unterrichts seitens des Staates. Hierin lägen unter anderem die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Benachteiligungen der Türken in Deutschland.

Zwei wichtige Erkenntnisse lassen sich aus diesen Aussagen gewinnen:

Deutsche, statt Immigranten
Einerseits hat der Ministerpräsident – und mit ihm offenbar viele Einwanderer – nicht verstanden, was Integration bedeutet. Sie ist nicht vollbracht, indem eine gewisse wirtschaftliche Stellung in der Gesellschaft erreicht wurde (leider ist es das, was besonders jene Türken, die einst nach Deutschland kamen, um Geld zu verdienen, anstreben). Ebensowenig genügt es, ab und zu Schwaz-Rot-Gold zu schwenken. Wollen sie dauerhaft hier leben, sozial anerkannt werden und am politischen Alltag teilnehmen, sind andere Wege gefragt. Tatsächliche Integration ist erst dann erreicht, wenn die ehemaligen Ausländer Deutsche sind. Diesen Zustand kann jedoch nicht der Staat oder die deutsche Gesellschaft für sie schaffen. Sie selber müssen ihn erarbeiten. Indem sie sich mit Deutschland, d.h. seiner Geschichte, (Sprach-)Kultur und seinen Werten, beschäftigen und verinnerlichen. Ist dieses Ziel erreicht, hat ein türkischer Ministerpräsident keine Legitimation – sofern er sie überhaupt je besaß – zur Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten.

Annektion des Deutschen Staates
Andererseits läßt sich den Äußerungen ein gefährlicher Hinweis ableiten: Der Türkische Staat zielt in seinen Forderungen auf direkte Einflußnahme in Politik und Wirtschaft Deutschlands. Seine hier lebenden ehemaligen Bürger sollen sich keinesfalls integrieren. Im Gegenteil. Unter Bewahrung türkischer Identität, Kultur und Sprache sollen Parallelgesellschaften mit destabilisierendem Charakter entstehen. Hätten diese zudem die Möglichkeit politischer Mitwirkung, entstünde aus Deutschland ein willfähriger Verbündeter – mit Blick auf eine eventuelle EU-Mitgliedschaft ein gewaltiges Machtinstrument.

Bericht in der FAZ zum Thema.

Ein Gedanke zu „Integration auf türkisch“

  1. Es mutet schon ein wenig bizarr an, wenn die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sich beim türkischen Ministerpräsidenten um die Integration in Deutschland lebender Türken bemüht. Eine Doppelpaß-Strategie, wie sie die Regierung Erdogan verfolgt, hat offenbar das Ziel, die türkische Identität unangetastet zu erhalten und nur den Einfluß türkischer Politik zu vergrößern. Der Integration kann das sicher nicht dienen.

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