Google diktiert Journalismus

Vor kurzem erst kritisierte ich einen Spiegel-Online-Beitrag, in dem eine recht große Lanze für Google gebrochen wurde. Mein Fazit: Google bedarf durchaus einer Reglementierung. Wie auf Kommando liefern die Ergebnisse einer Umfrage von Newsaktuell nun weitere Argumente dafür.

Google ist Recherche-Werkzeug Nr. 1

Gemäß der Umfrage unter mehr als 2200 Journalisten nutzen 95% Suchmaschinen als Recherche-Quelle – und darunter wohl insbesondere Google. Interessant sind in diesem Zusammenhang jedoch auch die anderen Zahlen. So ziehen lediglich knapp 80% Informationen aus eigenen Archiven (also im Grunde “Wissen von Gestern”) und nur 73% recherchieren direkt auf entsprechenden Webseiten (z.B. die von Unternehmen). Weitere Ergebnisse findet ihr im Newsaktuell-Blog.

Diese Zahlen in Relation zueinander zu setzen ist natürlich nicht so einfach. Immerhin kann man hier von Mehrfachnennungen in verschiedener Kombination ausgehen. Dennoch fällt die Lücke zwischen jenen Journalisten, die sich ihre Informationen direkt auf Angeboten der entsprechenden Akteure besorgen und jenen, die sich auf einen Drittanbieter – in der Regel Google – verlassen, auf.

Auf dem Weg zum diktierten Journalismus?

Was ist nun so schlimm daran, dass fast alle Journalisten Suchmaschinen für ihre Recherche nutzen? Diese Frage ist insofern berechtigt, als dass Google & Co. das Tor zum Web sind. Ohne sie würde uns der Umfang unzähliger Webseiten buchstäblich erschlagen.

Man sollte sich jedoch eines ins Bewusstsein rufen: Google liefert erstens keine unabhängigen Suchergebnisse und zweitens sind diese weder ausgewogen noch vollständig. Was uns die Suchmaschine anzeigt, hängt von durch und durch intransparenten Algorithmen ab. Zudem häufen sich die Vorwürfe, Google würde manuell unliebsames ausfiltern. Journalisten, die sich auf Suchmaschinen verlassen, können daher keine Bewertung der Informationen vornehmen.

Ein derart großer Einfluss Googles auf journalistische Recherchen ist höchst bedenklich. Insbesondere, da laut der Zahlen nicht immer eine Gegenprüfung der so gewonnenen Erkenntnisse erfolgt. Mit anderen Worten: Google hat die – hoffentlich noch unbewusste – Macht, den Inhalt von Pressebeiträgen zu beeinflussen oder gar zu dominieren.

Angesichts des Quasi-Monopols, das Google zumindest in Europa hat, ist das eine beunruhigende Erkenntnis. Wollen wir wirklich einem einzelnen Unternehmen derartiges zugestehen? Hat das alles dann überhaupt noch mit Pressefreiheit zu tun? Fragen, die sich jeder selbst beantworten kann und muss.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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