Fukushima als Wendepunkt für die Marktwirtschaft?

Die Ereignisse in Japan nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami beherrschen die Schlagzeilen. Leider zumeist mit schlechten Nachrichten. Gerade der Gau im Atomkraftwerk Fukushima hat auch auf die deutsche Politiklandschaft Einfluss genommen. Doch könnte gerade das verhalten des Betreiberunternehmens Tepco noch viel weiter reichende Folgen haben?

Eine Räson für die Marktwirtschaft?

Auf Telepolis hat Alexander Dill einen Spannungsbogen vom Krisen(un)management Tepcos hin zum Niedergang der Marktwirtschaft gezogen. Gerade die utopisc hohen Kosten für Japan seien bereits Grund genug, die Haltung der Gesellschaft zur Marktwirtschaft zu überdenken. Es müsse darüber nachgedacht werden, ob man sich dieses Risiko leisten will oder kann.

Geht es nach Dill, steht das Ergebnis fest: Das Risiko ist zu hoch. Ergo müsse die Marktwirtschaft an sich in Frage gestellt werden. Zurück gedrängt in kleine Regionen – wie Märkte des Mittelalters. Global aber dürfe sie nicht länger Bestand haben.

Eine Alternative wird in dem Artikel gleichwohl nicht geliefert. Auch spielt der Autor mit Zahlen, die in ihrer Höhe aus der Luft gegriffen sind. Sie beziehen sich auf absolutistische Annahmen, die so kaum eintreten werden. Es sei denn, ganz Japan verfiele in Schockstare und jahrelange Lähmung.

Übersteigerte Perspektive

Zunächst sei hier mit einem Mythos aufzuräumen. Marktwirtschaft ist letztendlich nichts anderes als die Art und Weise, wie Waren und Dienstleistungen den Menschen Verfügbar gemacht werden. Selbst im sozialistischen System der DDR – auf das Dill im Anreißer kurz Bezug nimmt – gab es zumindest im nicht staatlich kontrollierten Bereich eine Art Markt. Und das nicht etwa nur im Kleinen. Selbst die Unternehmen standen zumindest mit dem Ausland im Wettbewerb. Zwar lautete die offizielle Doktrin anders. Doch tatsächlich dachten selbst die Führungsetagen der DDR-Unternehmen häufig in marktwirtschaftlichen Bahnen.

Zudem wird dem in der Kritik stehenden Unternehmen Tepco zu viel Gewicht gegeben. Natürlich haben die dortigen Verantwortlichen viele Fehler bei Kommunikation und Krisenbewältigung begangen. Doch ist dies eine Frage der menschlichen Ebene. Mit Wirtschaftsordnung oder -system hat das zunächst einmal nichts zu tun.

Das Ende des Kapitalismus?

Wenn überhaupt, kann man über die Motivation, unter der die Marktwirtschaft zumeist abläuft, überdacht werden. Sobald allein Profit – also die Mehrung des Kapitals – im Ziel jedes wirtschaftlichen Handelns ist, werden Zustände, die zu der Katastrophe von Fukushima geführt haben, immer wieder zu Tage treten.

Doch mal im Ernst: Wer glaubt denn wirklich daran, dass die Menschen plötzlich ihre egoistischen Interessen ganz plötzlich und freiwillig der Allgemeinheit unterordnen? Selbst die Anhänger der Linkspartei werden einen Teufel tun. Dabei hat diese Partei das System, dem ein solches Umdenken folgen würde, im Parteiprogramm verankert: Sozialismus.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

3 Gedanken zu „Fukushima als Wendepunkt für die Marktwirtschaft?“

  1. Ich denke Fukushima hat einen Wandel im Denken ausgelöst. Bedenkt man, dass die Atomkraftwerke statistisch gesehen auf einen Unfall alle 1000 Jahre ausgelegt sind ist in den letzten Jahren viel zu viel passiert.

  2. Also aus meiner Sicht wird sich am Wirtschaftssystem im Großen und Ganzen nicht viel ändern. Erinnert sich noch jemand daran, dass wir vor nicht allzu langer Zeit angeblich vor dem Kollaps der Weltwirtschaft standen? Hat sich seitdem grundlegend etwas verändert?

  3. Nun, ich stelle einfach mal eine provokante Frage: Warum sollte sich denn etwas am Wirtschaftssystem ändern? Welche Alternativen gibt es?

    Die Geschichte hat uns gezeigt, dass jedes Wirtschafts- oder Gesellschaftssystem letztendlich von jenen, die Macht haben bzw. bekommen, korrumpiert wird. Das war im sogenannten Sozialismus so, das war und ist im Kapitalismus/Marktwirtschaft so und das wird auch in utopischen Systemen wie dem Kommunismus so sein. Solange einzelnen Menschen Macht zufällt, verleitet das diese zum Missbrauch.

    Was uns das sagt: Nicht Wirtschaftssystem oder Gesellschaftsordnung sind das Problem, sondern die Menschen, die in ihm leben.

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