Extrablatt am 18. Februar 2010
Es ist immer schade, wenn sehr gute, spontane Ideen plötzlich zum negativen Selbstläufer werden. Wenn die Masse ungehemmt und bar jeder Vernunft kein Ende in ihrem Treiben findet. Erst recht, wenn dabei vorsätzlich Menschen geschädigt werden. Das geschieht derzeit auch mit dem vor zwei Tagen gestarteten Flashmob gegen die FDP. Die Tritt-Brett-Fahrer haben Blut geleckt.
Auf Twitter und in der Blogsphäre findet die ursprünglich von @Ajoupachiller auf Twitter abgesetzte Idee reichlich Nachahmer. Selbst die Rhein-Zeitung, vorgebliches Presseorgan, springt auf den Zug auf. Unter dem Deckmantel des journalistischen Dokumentierens, versteht sich. Auf die Bitte der SPD-Bundesgeschäftsstelle (Jusos?) FDP-Bundesgeschäftsstelle, aus betreffendem Beitrag – den sie sogar hier auf tiuz.de anpreisen – doch wenigstens den Text des Aufrufs zu entfernen, kam die Tweet-Antwort:
#FDP-#Flashmob: Bundesgeschäftsstelle bittet, Screenshot rausnehmen: http://bit.ly/8ZoDcY Bleibt drin – rufen nicht auf, dokumentieren ^law (Original-Tweet)
Blogger verhalten sich aber auch nicht besser. Ohne mit der Wimper zu zucken rufen sie dazu auf, heute bei der FDP anzurufen – dabei war jenes heute am 16. Februar.
Laut Offenbacher Post zeigen sich die Mitarbeiter der FDP mittlerweile recht genervt am Telefon. Es wird nicht mehr freundlich begrüßt, sondern wortlos aufgelegt. Das geht natürlich über die Funktion eines Flashmob – nämlich humorvoll Botschaften zu transportieren – hinaus.
Nicht zuletzt deshalb ruft Ajoupachiller auch in seinem Blog-Beitrag zur Aktion dazu auf, es endlich sein zu lassen.
Gestern gegen 18 Uhr (16.2.) war der letzte RT meines Tweets was auch gut so war. Das das ganze wieder herausgekramt wurde finde ich auch nicht mehr lustig!
Dem schließe ich mich an.
# Gebloggt auf Da läuft was aus dem Ruder - Dann, Twitter, Aber, Sache, Ahnung, Telefone - Data Travelers-Blog am 20. Februar 2010:
[...] wie man so liest, scheinen die dort sehr genervt zu sein. Einen tollen Artikel zum Thema habe ich auch hier auf tiuz.de gefunden. Da sieht man mal wieder, was man mit Twitter so alles (negatives) anstellen kann … da fehlen [...]
# Geschrieben von Uwe Bremerst am 24. Februar 2010:
Ja leider ist das nicht so in der Politik, sobald der Mensch sozusagen Blut geleckt hat ist kein halten mehr oder geschweige denn Anstand in Sicht!“ Wo ist die Menschlichkeit geblieben?
# Geschrieben von Basti am 4. März 2010:
Gegen Aufrufe zu einem Flashmob ist nichts einzuwenden, wenn diese auf eine bestimmte Zeit begrenzt sind und nicht über die Stränge schlagen. Beispielsweise gab es vor kurzem in Dresden einen Flashmob, bei dem sich eine Vielzahl jugendlicher in dunklen Sachen vor den Eingang eines Einkauszentrums stellten und dort fünf Minuten Seifenblasen in die Luft schickten. Dies sollte die Trauer über die platzenden Träume symbolisieren, die aufgrund der Einsparungen in den Haushalten, vor allem in Bezug auf die Jugendarbeit, kaputtgehen. Dies halte ich für eine gute und nachhaltige Form, seine Meinung kundzutun. Doch was Publikationsorgane und Blogger mit der FDP anstellten, ist weder gut noch nachhaltig. Es ist eine schlechte Form, die eigenen Ansichten zu präsentieren. Und zudem lässt diese Vorgehensweise nicht die Partei, sondern diejenigen, die das angezettelt haben, in einem schlechten Licht erscheinen.
Weitere: FDP, Flashmob, Twitter
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