Faschismus von links

Es begab sich zu einer Zeit, die von sozialen Nöten geprägt war. Eine Weltwirtschaftskrise lag nur wenige Jahre zurück und hatte ihre Spuren im sozialen Gefüge Deutschlands hinterlassen: verarmte Menschen, verunsicherte Bürger, verärgerte Wähler. Auf der politischen Bühne schwappte das instabile Gleichgewicht der Weimarer Republik zunehmend in die rechte Gegend des Parlaments. Anhänger z.B. der NSDAP zogen, gestärkt durch den bürgerlichen Rückenwind, marodierend durch die Straßen der Städte. Sie nannten es Ordnung und Eintreten für die richtige Sache. Tatsächlich aber war es Terror einer politischen Gruppe, die andere Meinungen nicht akzeptieren konnte.
Seinen Höhepunkt fand diese Entwicklung in der berühmten Reichskristallnacht. Fensterscheiben brachen, Läden wurden geplündert, brennende Bücher erhellten die dunklen Straßenzüge. Die nunmehr herrschende Braune Politklasse ließ in und ab dieser Nacht Andersdenkende bis zum Tod verfolgen. Deutschland versank in diktatorischem Terror. Für die nachkommenden Generationen würde sich für dieses Treiben ein Begriff einbrennen: Faschismus.

73 Jahre später steht Europa – wenn nicht die ganze Welt – vor ähnlichen Begebenheiten. Die Weltwirtschaftskrise ist einem anderen Phänomen gewichen: der Globalisierung. Zwar ist diese keineswegs so akut, wie ihre Schwester aus dem 20. Jahrhundert. Doch die sozialen Probleme, die aus ihr erwachsen, sind durchaus vergleichbar. Ganze Bürgerschichten verarmen oder müssen verbissen um ihre Existenz kämpfen. Hinzu kommt ein fast unaufhaltsamer Kurs Richtung Staatspleite; unter anderem begründet im unsteuerbaren Wirtschaftskreislauf.
Politisch neigt sich die Lage diesmal in die linke Richtung. Besonders radikale Parteien wie PDS oder Grüne erleben einen stetigen Aufstieg. Und ihre Anhänger – “Autonome” genannt – ziehen marodierend durch die Straßen Europas. Gewaltsame Schlachten mit Polizei und anderen Sicherheitskräften lassen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten aufkommen. Auf Kundgebungen jener, die nicht “links denken” bzw. nicht links genug, stört der autonome Mob jede politische Meinungsäußerung. Autos und Müllcontainer brennen. Häuser Andersdenkender werden besetzt und teilweise zerstört. Scheiben gehen zu Bruch; ihr zerschellender Klang erscheint dem vernunftbegabten Beobachter als Echo der Vergangenheit.

Noch haben diese neuerlichen Kräfte des Terrors längst nicht jene Macht der Nazis im Dritten Reich. Ihr politischer Einfluß bewegt sich noch(!) auf einem Niveau, das von Kompromissen mit den so verachteten gemäßigten Parteien geprägt ist. Doch auch die NSDAP fing sehr klein an – erreichte letztendlich nie die Absolute Mehrheit im Reichstag. Dennoch enterte das braune Vorbild mit eben diesen Mittel, die nun auch von jenen Autonomen unserer Zeit angewandt werden, die Ebenen tatsächlicher Staatsmacht.
Entscheidend wird sein, wie wir in naher Zukunft dieses Treiben benennen. Wird der Begriff des Autonomen, der Autonomie, auch weiterhin derart mißbraucht? Oder ziehen wir doch eher in Betracht, wie unsere Nachkommen die Ereignisse höchstwahrscheinlich bewerten werden. Es dürfte ein langer, bei Erfolg aber amüsanter, Weg zur korrekten Bezeichnung werden; zumal ironischerweise sich viele jener “Autonomen” als Antifaschisten, kurz: AntiFa, bezeichnen. Den was wir in Bildern aus Koppenhagen oder regelmäßig auch aus deutschen Landen sehen, ist nichts anderes als die dreckige Fratze des Faschismus!

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

6 Gedanken zu „Faschismus von links“

  1. In der Reichskristallnacht klirrten nicht nur Scheiben und wurden nicht nur Läden geplündert sondern 400 Menschen ermordert und “Fast alle Synagogen und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Österreich wurden zerstört.”

    “Die nunmehr herrschende Braune Politklasse” herrschte aber seit 33 ;-)

    “Besonders radikale Parteien wie PDS oder Grüne erleben einen stetigen Aufstieg. Und ihre Anhänger – “Autonome” genannt – ziehen marodierend durch die Straßen Europas.”

    Hahaha. Wow, welch Unkenntnis. Die PDS respektive Linkspartei ist nicht einmal in Berlin ins Rathaus gewählt worden. Sie erleidet überall Verluste. Die Grünen-Anhänger sind keine “Autonomen” sondern Life-Style Prenzlauer Berger die sich teures Bio Essen leisten können.

    Autonome gibt es keine mehr seit es keine besetzten Häuser mehr gibt (15 Jahre). Zudem sind/waren Autonome Nichtwähler weil dem Anarchismus nahe.

    Selbst beim ersten Mai gibt es nicht mal mehr Krawallen.

    Muss ich jetzt auch noch zur Haupt-These des Artikels was sagen?

    Dein Einsatz für die Demokratie in allen Ehren. Aber ein wenig (historische und begriffliche) Wahrheit wäre auch nicht schlecht.

  2. Ich würde mich politisch nicht gerade als Autonomen-Defender bezeichnen, aber der Vergleich, den du hier aufstellst hinkt an allen Enden.

    Wahrscheinlich sind die meisten Autonomen wirklich nur ein diffuser Mob, der unter dem winzigen Label des linken Sozialismus gegen “Bullen und Staat” alles in Brand setzen, was nach System aussieht. Aber der vergleich mit den Faschisten ist schon terminologisch Schwachsinn.

    Faschisten geht es in letzter Konsequenz um die Überhöhung des Staates über das Wohl des Einzelnen. Er ist also getragen von einer übermächtigen Staatsideologie und -doktrin. Wo siehst Du diese Ideologie bei den Autonomen? Das Grundübel der Antifa war schon immer, der negierende Standpunkt, den sie vertritt.

    So ist man Anti-Faschisten, Anti-Staat. Aber wo liegt das konstruktive Element? Selbst der blinde SA-Pöbel brauchte ein paar geordnete Köpfe mit deren Hilfe er die Fundamente des dritten Reiches bauen konnte. Wo aber siehst Du diese Köpfe in den Reihen der doch messagelosen, einfach nur zerstörerischen Autonomen?

    Und vor allem Grüne und Autonome in ein Boot zu werfen verursacht nur Kopfschütteln. Auch wenn beide irgendwie links und alternativ sind, trennen doch beide auch vom sozialen Hintergrund meist Welten. Oder glaubst Du, dass sich der “gemeine” Autonome auch nur mit einem grünen Minister identifizieren konnte?

  3. Wer dieses Journal kennt bzw. sich die Mühe macht, ältere Artikel zu lesen, weiß, daß hier in unregelmäßigen Abständen “Reizartikel” erscheinen. Bei diesem hier hat es mal wieder richtig eingeschlagen.
    Aber keine Angst, es wird wieder seriöser. :-)

    Interessant finde ich, daß ihr so vehement auf die Sache mit den Grünen eingeht. Diese Partei habe ich eigentlich eher so aus dem Augenwinkel mit aufgenommen.
    Eigentlich wollte ich ja lediglich auf die große Gemeinsamkeit beider Ideologien eingehen: Andere Meinungen werden nicht nur intoleriert, sondern mit (körperlicher wie verbaler) Gewalt bekämpft – das ist per Definition Faschismus!

    Diskussion im einzelnen.

    Zunächst Tadeusz Szewczyk:
    “Fast alle Synagogen und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Österreich wurden zerstört.”
    Richtig. Das ist aber kein Kriterium für Faschismus.

    “Autonome gibt es keine mehr seit es keine besetzten Häuser mehr gibt (15 Jahre).”
    Da zeigen die Fernsehbilder aber anderes (z.B. sogenannte Chaostage u.s.w.)

    “Aber ein wenig (historische und begriffliche) Wahrheit wäre auch nicht schlecht.”
    Historisch: Es ist bei weitem nicht vollständig, aber wahr. Begrifflich: Was Faschismus ist, sagte ich ja schon oben.

    Nun zu ZensurZebra:
    “Aber der vergleich mit den Faschisten ist schon terminologisch Schwachsinn.”
    Weshalb?

    “Faschisten geht es in letzter Konsequenz um die Überhöhung des Staates über das Wohl des Einzelnen. Er ist also getragen von einer übermächtigen Staatsideologie und -doktrin.”
    Siehe oben Definition des Faschismus.

    “So ist man Anti-Faschisten, Anti-Staat. Aber wo liegt das konstruktive Element? Selbst der blinde SA-Pöbel brauchte ein paar geordnete Köpfe mit deren Hilfe er die Fundamente des dritten Reiches bauen konnte. Wo aber siehst Du diese Köpfe in den Reihen der doch messagelosen, einfach nur zerstörerischen Autonomen?”
    Ich schreibe nicht, das Autonome Nazis sind, sonder faschistische Handlungszüge tragen. Das ist durchaus ein Unterschied.

  4. Hi.
    Ich möchte nicht viel dazu sagen.
    Es gibt mit Sicherheit andere Probleme , die wichtiger sind .
    Klaus

  5. @ Klaus ich denke dass es durchaus ein Problem ist dem man sich widmen sollte, auch wenn diese Autonomen bislang noch nicht wirklich viel Machtausüben aller anfang ist schwer und irgendwann bis man schaut ist es zu spät…

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