Einmal Wähler und zurück

Dem einen oder anderen wird es sicher schon aufgefallen sein: Die Deutschen sind zu einem Volk der Wähler geworden. Wo auch immer man in diesen Tagen über Innenpolitik hört, liest oder sieht, ist die Rede von jener plötzlich wichtig gewordenen Spezies. Das mag angesichts des bevorstehenden Wahltermins nicht weiter verwundern. Doch sollte man eines bedenken: Wir sind eigentlich Bürger!

Was daran so wichtig ist? Nun, ein Wähler ist ein Mensch, der alle paar Jahre (mal mehr, mal weniger) eine, wie der Name schon sagt, Wahl zu treffen hat. Sein Gestaltungsraum erschöpft sich in genau in diesen zeitlichen und inhaltlichen Grenzen.
Der Bürger aber ist der Souverän, die letzte Instanz aller politischen Entscheidungen. Ihm stehen Rechte wie Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit und vor allem Verfassungshoheit zu. Aus ihm und in ihm legitimieren sich Gesetzgeber, Regierung und letztendlich der Staat. Diese Bedeutung ist dabei weder zeitlich noch inhaltlich beschränkt.

Wenn nun eben jener Bürger nur noch mit dem Terminus Wähler belegt und auch so behandelt wird, kommt dies seiner Deklassierung und einer Anmaßung des Belegenden gleich.
Was die Politiker tatsächlich mit dieser Herabwürdigung bezwecken, und ob sie es bewußt oder gar vorsätzlich tun, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall behandeln sie uns wie Wähler – Argumentfrei, Selbstkritiklos und überheblich.
Die Politiker dieses Landes müssen auf den Boden der Tatsachen zurück kommen und bedenken, wer der Souverän ist. Seiner Meinung, seinem Willen und seinen Ansichten haben sie ihr gesetzgebendes und regierendes Handeln anzupassen.

Ein Gedanke zu „Einmal Wähler und zurück“

  1. Interessant… vom reinen Wortaspekt her hatte ich mir das noch gar nicht auf der Zunge zergehen lassen… aber es stimmt: Der Eindruck drängt sich auf, dass es den zu-Wählenden letztendlich nur um den Wähler in eben dieser Funktion geht – und nicht etwa um den Bürger.

    “Wähler”, das ist jemand, der einem etwas bringt, seine Stimme nämlich. Schlimmstenfalls gibt er sie jemand anderem, aber jedenfalls bedeutet der “Wähler” keine Verpflichtung, keine Last, keine Verbindlichkeit seitens der Wahlstimmenempfänger. Am Abend des Wahlsonntags hat er, der Wähler, seine Schuldigkeit getan und gleichzeitig sein einzig wertvolles Gut abgegeben. Er mutiert dann – bestenfalls – im Handumdrehen zur Spezies des Steuerzahlers. Wenig gefragt hingegen ist die lästige (Ab-)Art des “Bürgers”, denn der liefert ja nicht, sondern fordert unverschämterweise.

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