Ein Grieche im russischen Bären-Bau

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Uns wurden persönliche Aufzeichnungen von Alexis Tsipras, dem Griechischen Ministerpräsidenten, zugespielt. Sie beschäftigen sich mit seinem Ausflug nach Russland und zeigen, wie die tatsächlichen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfanden:

Hoher Besuch nähert sich dem Zentrum Moskaus…

Welch imposanten Anblick der Kreml doch bot. Mit seinen Türmen, gewaltigen Gebäuden und der mächtigen Mauer um dies alles herum. “Wir sind stark” schrie der Komplex seinen Betrachtern geradezu entgegen. Und er, Alexis Tsipras, würde in wenigen Augenblicken eben diesen Kreml betreten. Ein Lächeln stahl sich in sein Gesicht. Endlich war er in jenen Kreisen angelangt, denen er sich würdig empfand. Nicht mehr diese schnöden Verhandlungsräume im fernen Brüssel. Oder die kalte Einfachheit eines Kanzleramts in Berlin. Nein, von nun an würde er mit den wahren Mächtigen dieser Welt reden. Die Ohnmächtigen in Europa sollten doch sehen, wo sie blieben. Ihn, den Ministerpräsidenten des stolzen Griechenlands, mussten sie nicht mehr kümmern.

Während Alexis in Gedanken noch bei den unglaublichen Möglichkeiten einer Allianz mit Russland weilte, durchfuhr seine Limousine das Eingangsportal ins Machtzentrum Moskaus. Vorbei an den prächtigen, weiß strahlenden Gebäuden führte sein Weg direkt zum Regierungssitz des russischen Präsidenten.
Wladimir Putin! Der Name rief wohlige Schauer in Alexis hervor. Das war seine Liga – und die Rettung Griechenlands. Denn vom Besuch in Russland erhoffte er sich nichts geringeres als die Wiederauferstehung des gebeutelten Hellas.

Die Limousine wurde langsamer, hielt auf eine gewaltige Treppe zu. An deren oberen Ende stand er, der Heilsbringer. Mit ausgebreiteten Armen hieß er seinen Besucher willkommen. Eilig stieg Alexis aus seinem Wagen aus und erklomm geschwind die Stufen nach oben.
“Alexis Tsipras…” schallte es ihm entgegen.
“Wladimir!” antwortete Alexis mit einem freudigen Lachen und breitete seinerseits die Arme aus.

Nach einem gefühlt ewig dauernden Moment inniger Umarmung gingen beide Männer gemächlich in das Gebäude. Mit nicht wenig Bewunderung betrachtete Alexis die Marmor getäfelten Böden und Wände.
“Herr Tsipras, ich schlage vor, sie machen sich zunächst etwas frisch. Ich warte auf Sie im Kaminzimmer. Dort können wir uns in Ruhe unterhalten.”.
Mit einem Nicken bestätigte Alexis. Zu ergriffen war er, um auch nur ein Wort heraus zu bringen. Wenig später ärgerte er sich darüber. Immerhin wollte er in dieser Liga mitspielen und nicht vor Erhabenheit erstarren. Schnell ging er in die Gästelounge, die ihm sein Gastgeber mit ausgestrecktem Arm gewiesen hatte. Später, wenn die öffentlichen Termine anstanden, durfte ihm solche Gedankenlosigkeit nicht passieren.

Erfrischt und geistig gesammelt betrat er das Kaminzimmer. Auch hier Luxus pur. Russland zeigte unverhohlen Reichtum, Glanz und Stärke.
Am Kamin stand Putin. Mit nacktem Oberkörper.

“Ah, Herr Tsipras. Da sind Sie ja. Ich habe es mir etwas bequemer gemacht, wie Sie vermutlich bemerkt haben”.
Unfähig, auch nur ein vernünftiges Wort hervor zu bringen, starrte Alexis auf den nackten Präsidenten. Der spannte soeben seine Oberarme an, spielte mit seinen Muskeln als stünde er auf der Bühne einer Bodybuilding-Show.
“Sehr schön…”.
Am liebsten hätte sich Alexis geohrfeigt. Sehr schön? Was zum Teufel war in ihn gefahren?
“Nun, Wladimir, ich wusste ja von den Bildern, die unlängst um die Welt gingen, wie gut Sie gebaut sind. Die Realität übersteigt diesen Eindruck jedoch noch.”.
Schon besser! Ein freudiges Lächeln umspielte Putins Mund. Er fühlte sich geschmeichelt.
“Herr Tsipras, dann schießen Sie mal los.” kam er ohne Umweg zur Sache.
Eilig legte sich Alexis die Worte zurecht, die er bereits in der Heimat ausgearbeitet hatte. Er musste den Russischen Präsidenten von Anfang an überzeugen, wie wichtig Griechenland war. Dass es im Interesse Russlands lag, Unterstützung zu gewähren.
“Wladimir,”, Alexis setzte sein verbindlichstes Gesicht auf, dessen er fähig war, “diese EU ist einfach nur anmaßend. Diese Bürokraten bestehen auf Milliardenzahlungen und demütigen das stolze Griechenland, die Wiege des demokratischen Europa. Und diese Christine Lagarde vom IWF. Die hat nur die Unterwerfung der kleinen Staaten im Sinn. Sie ist doch nur ein Spielball der Großen, besonders von dieser Merkel. Wenn ich den Namen der Kanzlerin nur höre, wird mir schlecht. Erst rauben uns die Nazis mit Waffengewalt aus, dann tun es ihnen die Deutschen mit Krediten gleich. Ich sehe da sowieso keinen Unterschied…”. Die folgenden 30 Minuten machte Alexis dem Russischen Präsidenten unter Zuhilfenahme sämtlicher Körperteile deutlich, wie übel Griechenland mitgespielt wurde.

Als er eine kleinere Pause einlegen wollte, um das Gesagte wirken zu lassen, ergriff Putin seine Chance, ebenfalls zu Wort zu kommen:
“Trifft Griechenland denn gar keine Schuld?”.
Das hatte Alexis nicht erwartet, nicht von Wladimir.
“Gehören Sie etwa auch zu dieser Clique…?” rief er ihm entgegen. Seine Gesichtsfarbe begann, ins rötliche zu wechseln. Das flackernde Feuer im Kamin verstärkte diesen Effekt zusätzlich.
“Nein, Nein.” beschwichtigte Putin. “Ich habe doch nur diese Aasgeier nachgemacht. Mir ist dieser Westen doch auch suspekt. Und Sie haben recht, werter Tsipras. Dieser Bande müssen wir uns entgegen stellen!”.

Wladimir hatte also nur einen Witz gemacht. Erleichtert aber erschöpft setzte sich Alexis in einen der wuchtigen Sessel. Ihm gegenüber nahm auch Putin platz und spielte mit zwei Schnapsgläsern, die auf einem kleinen Tisch zwischen ihnen standen.
“Alexis, ich weise Sie jedoch darauf hin, dass Ihre Entscheidung sehr gewichtig ist. Sie haben die Wahl zwischen einem nach Westen gerichteten Griechenland…”, wobei er das rechte Glas in die Höhe hob, “oder einem Griechenland mit dem starken Russland an seiner Seite.”, er hob das linke Glas an.

Nachdenklich blickte Alexis von einem Glas zum anderen. Sein Gegenüber hatte recht. Sollte er die Mahnungen der EU-Staaten beachten oder lieber mit Russland in eine große Zukunft ziehen? Dies war der Moment. Und er entschied sich, griff nach dem linken Glas, hielt vor seinem Mund kurz inne und schüttete den Inhalt – es war Vodka, was sonst – hinunter.

“Das ist der Beginn einer wunderbaren Partnerschaft.” rief Putin. Sein Entzücken war kaum zu übersehen.

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Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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