Die Medien und das Rechtssystem

Vom Bild der Bürger über den Sinn und Inhalt von Gerechtigkeit und Recht hängt vieles ab.
Ein Staat konstituiert sich aus ihm. Seine Verfassung, Gesetze und Rechtssprechung nähern sich einem eventuell veränderten Bild langsam an. Sei es durch Volksentscheide (in Deutschland leider nicht), Wählerdruck auf den Gesetzgeber (Bundestag-> Abgeordnete-> Parteien) oder die sich langsam anpassende Rechtswissenschaft.
Doch auch innerhalb der Gesellschaft hat eine solche Veränderung Auswirkungen. Die Bürger gehen miteinander entsprechend ihres Bildes um. Es können sich gesellschaftliche Lähmungen einstellen, wenn das Recht allzu restriktiv daherkommt. Oder aber der Staat fällt Chaos und Verwirrung anheim, wenn unklare Linien dem einzelnen Menschen (bzw. Unternehmen) keinen sicheren Halt mehr geben.

Vor diesem Hintergrund müssen die, man muß sagen, noch immer, beliebten Gerichtsshows im deutschen Fernsehen betrachtet werden. Sie schädigen nicht nur den Ruf des deutschen Rechtssystems, wie es im Lawblog respektive der Berliner Zeitung heißt. Es werden ebenso entstellte Verfahrensabläufe, Schuldnachweise und Rechtsauffassungen vermittelt. Der Zuschauer, selbst wenn er zu Anfang diesen Untatsachen eher mit einem Lächeln begegnete, kann sich bei regelmäßigem Zuschauen kaum von schleichender Bewußtseinsveränderung schützen. Sein Rechts- und Gerechtigkeitsbild verändert sich zugunsten des durch die Shows vermittelten Unbildes. Hierin liegt die eigentliche Gefahr. Denn wer eine der vielen Sendungen gesehen hat, weiß um die Problematik der dortigen Abläufe. Man stelle sich vor, es ginge an deutschen Gerichten tatsächlich so zu. Wir hätten mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen, die den Eingangs erwähnten wahrscheinlich in nichts nachstünden.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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