Die Mär vom objektiven Journalismus

Daniel Bröckerhoff hat mit Glenn Greenwald für die NDR-Sendung Zapp ein durchaus sehenswertes Interview geführt. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob denn Journalisten wirklich objektiv sein können. Ein durchaus aktuelles Thema. Gerade in Zeiten schwindender Presse-Auflagen stehen viele traditionelle Medien vor einem Scheideweg: Wie soll umfassender Journalismus zukünftig finanziert werden?

Recherche versus Kostendruck

Die Hauptaufgabe eines Journalisten ist es, fundierte Informationen zu liefern – und das ist zugleich auch seine einzige Existenzberechtigung. Die Medien werden nicht umsonst als 4. Macht im Staate bezeichnet. Sie bilden ein Korrektiv zur öffentlich-rechtlichen Staatsgewalt. Ohne Medien keine Demokratie.

Leider kosten tief gehende Recherchen Zeit und Geld. Auch Journalisten benötigen eine Wohnung, Nahrung und dergleichen. Deshalb ist es nur gerechtfertigt, dass journalistische Informationen einen Wert haben, der vom Leser/Zuschauer bezahlt werden muss.

Dummerweise sind immer weniger Menschen dazu bereit. Die Kostenlos-Kultur hat im Denken vieler Einzug gehalten. Das wiederum schlägt natürlich auch auf die Qualität journalistischer Informationen nieder. Ein Teufelskreis beginnt: Je schlechter die ermittelten Informationen desto weniger Menschen sind bereit, dafür eine Gegenleistung zu erbringen.

Meinungen statt Informationen

Deshalb kann man in fast allen Medien beobachten, wie zum einen die Informationsdichte von Beiträgen abnimmt und gleichzeitig ihr subjektiver Gehalt steigt. Mittlerweile bestehen Artikel zu einem großen Teil aus Meinungsäußerungen des jeweiligen Autors. Er muss in einem bestimmten quantitativen Rahmen bleiben, hat jedoch keine Zeit, diesen mit Recherche zu befüllen. Folglich leidet die Qualität der Information.

Im Grunde sind fast alle Journalisten Blogger und umgekehrt. Die Grenze zwischen beiden ist verschwunden und mit ihr der objektive Journalismus. Wir werden uns daran gewöhnen müssen.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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