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Die iranische Holocaust-Konferenz und der westliche Hühnerhaufen

Redaktion am 11. Dezember 2006

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Es ist eine Geschichte ohne Ende: Die Diskussion um und über den Holocaust. Kaum ein anderes geschichtliches Ereignis weckt ähnliche Emotionen, spaltet Wissenschaft und Gesellschaft. Die Positionen sind dabei klar verteilt. Die einen – unbestritten eine absolute Mehrheit – zücken ihre Video- und Fotobeweise für die historische Tatsächlichkeit der Judenvernichtung. Mit unantastbarem Recht auf Wahrheit schmettern sie jeden Widerspruch nieder. Die anderen – nur wenige Seelen – bestreiten diese Behauptungen und leben vom Eindruck ihrer gesellschaftlichen Provokation.

Auf in eine neue Runde
Im Iran haben letztere nun ein Forum gefunden, das für sich den Anspruch von Wissenschaftlichkeit reserviert. Dabei sind auch 8 Deutsche (2 offizielle, 6 “Touristen”)1, die dem Gegenwind aus Berlin trotzen konnten. Einfach war es für sie nicht. So wurde dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden Günther Deckert gar der Reisepaß entzogen. Bloß keine deutsche Beteiligung lautet die Devise der Bundespolitik.
In diese Masche ist auch der neueste Kommentar von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert einzuordnen. In einem Brief an den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad kritisierte er die Holocaust-Konferenz auf das schärfste.2
Nun kann man die Konferenz durchaus kritisch betrachten. Ihr akademischer Anspruch ist eher anzuzweifeln, wurden doch vornehmlich Holocaust-Bezweifler eingeladen. An eine wirkliche Diskussion ist unter diesen Vorraussetzungen wohl nicht zu denken. Ihr einziger Zweck scheint – mal wieder – allein in der Provokation zu liegen. Die Teilnehmer können sich auf Grund ihrer medialen Beachtung auf ein neues profilieren und der Iran bekommt die Möglichkeit, gegen den so verachteten Westen und seine freiheitlichen Werte zu sticheln.
Leider kann man der westlichen Holocaust-Betrachtung kein besseres Bild bescheren. Auch hier werden Gegenstimmen von vornherein unterdrückt; da erwecken die wenigen Holocaust-Vertreter im Iran zumindest noch einen kaum spürbaren Hauch demokratischer Fairneß.

Ein Gackern erschallt
Doch ist die Holocaust-Konferenz ein Grund, wie der sprichwörtliche Hühnerhaufen zu reagieren? Das nämlich geschieht derzeit zumindest in Deutschland und manch anderem Land.
Lammert schrieb:

“Die vielfach wissenschaftlich bestätigten historischen Fakten über den Holocaust können und dürfen nicht durch angeblich neue wissenschaftliche Erkenntnisse in einen vermeintlichen Zweifel gezogen werden.”

Damit disqualifiziert er sich als ernst zu nehmender Diskussionspartner. Beschreibt er doch mit negativem Vorzeichen genau das, was wir unter Freiheit der Wissenschaft und allgemein Meinungsfreiheit verstehen. Fortschritt entsteht gerade dadurch, daß alte Ansichten in Zweifel gezogen werden. Hier offenbart sich die für eine Demokratie durchaus existentielle Problematik des Aussparens bestimmter Themen aus dem Diskurs. Ein gefundenes Fressen für den Iran!
Doch auch die USA stehen den Deutschen in nichts nach. US-Außenamtssprecher Sean McCormack sagte:

“bei diesem Treffen stünden Leute im Mittelpunkt, die den Holocaust leugneten”

Was für eine Erkenntnis. Noch mehr heiße Luft kann man wahrscheinlich nicht produzieren. Vermutlich haben die iranischen Verantwortlichen sich bei dieser Aussage zunächst verwirrt die Augen gerieben, um anschließend in Gelächter auszubrechen.

Wir leben in einer Demokratie!
Demokratie bedeutet, Meinungen und Ansichten verschiedenster Prägung ein Forum zu bieten. Nur so lassen sich Probleme lösen, alte Dogmen auflösen und fortschrittliche Entwicklungen antreiben. Als Demokraten müssen wir es aushalten, wenn andere unseren Gedanken absolut zuwider sind. Egal, wie emotional oder geschichtsgeladen die jeweiligen Themen auch sein mögen.
Beim Thema Holocaust können wir uns zudem auf die mächtige Festung der historischen Belegbarkeit stützen. Die Teilnehmer der Konferenz in Teheran können reden, so viel sie wollen. Am Ende müssen sie lediglich eine einzige Frage belegbar beantworten: Wo sind die ganzen Juden aus Deutschland geblieben? Nur, wenn die Antwort nicht “bei ihrem Schöpfer” lautet, wäre der Holocaust tatsächlich ein Mythos.

1 Bei SpiegelOnline wird die Konferenz ausführlich behandelt: Bezüglich Teilnehmer siehe hier; bezüglich “brauner” Deutscher hier lesen
2 Die meldung in einer Bundestagsmitteilung


   klammer 1 Ergänzung angeheftet


Ergänzungen

# Geschrieben von Irritierter am 26. Juli 2008:

Wozu ein Gesetz zur Bestrafung des “Holocaust-Leugnens” ?
Die Wahrheit bedarf keines besonderen Schutzes.
Dieses Gesetz ist ein Schandfleck.
Warum soviel Hysterie?
Das Bild, was die Welt HEUTE von Deutschland hat,
und das sich Deutschland ja so hart erarbeitet hat, soll verteidigt werden.
Deswegen darf aber die Wahrheit nicht auf der Strecke bleiben.
Komisch, dass wir erst einen George W. Bush brauchten, um zu erkennen,
dass Propaganda und gefälschtes Spiel auch von unseren makellosen
“Befreiern” eingesetzt wird.

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