Die Gefahr des Politisch Inkorrekten

Dieser und vergangener Tage konnten wir es wieder sehen: Die Hoheit der Eliten über die Meinung ist nach wie vor stabil. Zuerst war es die Forderung nach mehr Integration der hier lebenden Ausländer, etwa über Deutschpflicht an deutschen Schulen. Blitzschnell reagierten Teile der linken Parteienlandschaft und verunglimpften dieses “antimultikulturelle” Model. Zwar blieb der Sturm der Entrüstung aus, doch erhielt man Schützenhilfe aus nichteuropäischen Ländern – allen voran der Türkei.

Noch besser funktionierte die Abwehrschlacht gegen die antiislamischen Karikaturen. In einem Kanon der Relativierung distanzierten sich die meisten Presse- und Staatsorgane von jeglicher kritischen Satire gegenüber dem Islam, islamischen Staaten (z.B. Iran) und Moslems. Sie wurden endlich zu dem gemacht, was sie sind: Heilige Kühe. Die wenigen Ausscherer, wie der Tagespiegel, entschuldigten sich schnell und meinten danach, es nicht so gemeint zu haben. Sogar Ex-Bundeskanzler Schröder wetterte im fernen Saudi-Arabien gegen die Zumutungen der Meinungsfreiheit in Europa.

Es lebe die Politische Korrektheit!
Das System ist komplex und funktioniert doch so einfach: Sobald ein Meinungsdissident ein unbeliebtes Thema anspricht, es gar mit noch weniger beliebten Aussagen ausfüllt, schwingen einige Wenige die moralische Keule – natürlich beflissentlich übersehend, daß Moral nicht absolut ist, sich also wie alles andere den kulturellen Begebenheiten anpaßt. Medien und andere Eliten ziehen aus Angst vor Abseitsstellung und Einflußverlust nach, blasen in das gleiche Horn. Die Mehrheit der Bevölkerung kann sich in einem zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen dauernden Anpassungsprozeß den steten und untergründigen Einflüsterungen kaum zur Wehr setzen. Flugs sieht sich der Dissident einer gewaltigen Front aus Ablehnung oder gar Ausgrenzung gegenüber. Besonders letzteres sorgt für einen zügigen Sinneswandel. Nur, um in die menschliche Gesellschaft wieder aufgenommen zu werden, muß er zu Kreuze kriechen, sich entschuldigen, dementieren und Buße tun. Aus dem Dissidenten wird in vielen Fällen sogar ein treuer Mitläufer – sich nun der Zuneigung der Meinungseliten sicher.
Das genialste am System ist seine Unüberwindbarkeit. Nazis und SED mußten noch zu Gewalt und Psychotricks greifen, um das Volk in ihren Bann zu ziehen. Damit aber zogen sie sich zugleich dessen Widerwillen zu. Die Mächtigen der BRD aber setzen auf seichte Unterdrückung. Das Volk, als solches kaum noch erkennbar, merkt seine Unterwerfung nicht. Im Gegenteil: In Erhoffung moralischen Aufstiegs schwenkt die Bevölkerung die Fahne des Totalitarismus.

Weshalb aber muß der Deutsche unterdrückt werden?
Die Antwort ist im Grunde ganz einfach: Freie Meinungen könnten dem Erfolg von Politik und Wirtschaft schaden. Besonders nach außen hin tun sich hier große Minenfelder auf. Zudem können jene, die Macht haben, eine Beschädigung ihrer Souveränität nicht hinnehmen. Sei es der Parteipolitiker oder der Unternehmensmanager.
Sehr viel problematischer aber ist die Eigendynamik freier Meinung. Das Volk könnte sich gerade im Zeitalter des Internets zu Haufen zusammentun und wider die Oberen reden. Schnell würde sich eine Front aufbauen, der auch die starke Elitengilde nichts entgegenzubringen hätte. Ideen und Forderungen kämen nicht mehr nur aus einzelnen Kehlen, sondern würden im Gleichhall ganzer Chöre erklingen. Die bisher noch von ihrer Wiederwahl abhängigen Abgeordneten könnten bald nicht mehr anders, als sich den Bürgern anzuschließen. Schnell wäre es hinüber mit der schönen, neuen, totalitären Welt.

Nachteil des ganzen ist leider, daß Deutschland in den Untergang segelt. Indem die Bürger mangels Teilhabe an Entscheidungsprozessen und angesichts zensierter Presse- und Ideenfreiheit am Staat kaum noch Anteile haben, identifizieren sie sich auch nicht mit ihm. Daran können auch scheinheilige Kampagnen wie “Du bist Deutschland” nichts ändern. Folge ist eine egoistische Gesellschaft von nur auf den eigenen Vorteil bedachten Mitgliedern. Kaum jemand kommt auf die Idee, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Warum auch? Es ist doch nicht seine. Gleichzeitig gehen eventuelle Ideen oder Ansätze, die, eigentlich vernünftig jedoch gegen die Hoheit, Probleme lösen könnten, unter. Sie verhallen im Stakkato politischer Erziehung.
So ist der einzige Weg der nach vorn in den Abgrund. Dort warten dann unsere europäischen Nachbarn. Seite an Seite werden wir uns dann weiterhin vorgaukeln, den anderen Staaten des Erdenballs gesellschaftlich wie kulturell überlegen zu sein. Freilich, diese werden über uns lachen. Das aber müssen wir hinnehmen, wollen wir keine demokratischen Verhältnisse heraufbeschwören.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

2 Gedanken zu „Die Gefahr des Politisch Inkorrekten“

  1. Nunja, “Einflüßtern” war natürlich ein stilistisches Mittel Tatsächlich geht das ganze recht laut vor sich.

    Ein islamischer Lehrstuhl würde bedeuten, daß die Deutungshoheit nicht mehr bei den Mulahs liegt. Die deutschen Moslems könnten ihren eigenen Beitrag zur freiheitlichen Kultur – sofern diese denn existiert – leisten und wären über Kurz oder Lang integriert.
    Hier gebe ich dir also völlig recht. Allerdings setzt dies vorraus, daß insbesondere Saudi-Arabien keinen Einfluß auf solche Lehrstühle haben darf. Bisher werden ähnliche Bildungsangebote aber von diesem völlig intoleranten Staat nicht nur finanziert, sondern auch inhaltlich beherrscht.
    Überhaupt sollte der Islam in Deutschland endlich von seinen arabischen Wurzeln gelöst werden. Wir bezeichnen uns als säkulär und dulden zugleich die Einmischung fremder Staaten in hießige Religionsstrukturen. Das nenne ich paradox.

  2. Hm, ich hab’ jetzt nicht ganz verstanden, was meinst Du wer wem was ins Ohr einflüstert? (Wie war das noch im Mittelteil? – Klar, man soll ehrliche Meinung frei äußern und kontrovers diskutieren können. – Daß da eine Propagandamaschine läuft verstehe ich auch…

    Paradoxerweise würde das Angebot Muttersprachlichen Unterrichts (nur 1h p.W.) für Migrantenkinder in Deutschland wahrscheinlich mehr für deren Integration hierzulande sorgen als alle Verbote. (Das Sprachgebot an der berliner Schule war deren interne demokratische Entscheidung und ist begrüßenswert)

    Und auch wenn ich mich innerlich dagegen Sperre: Wenn ein Islamischer Lehrstuhl an dt. Universitäten normal ist, dann ist auch der Zulauf zu fundamentalistischen Strömungen ausgedünnt. (Es geht um Glauben, und da sollen sich die Fachleute/Theologen drum kümmern.) (‘Was du selber anbietest hast du selber auch unter Kontrolle.’)

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