Die Falle

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Sie werden mich nicht bekommen, nicht meinen Körper, nicht meinen Geist. Diese Missgeburten, dem tiefsten Loch der Hölle entstiegen. An mir würden sie ihren Wahnsinn nicht ausleben können. Nein, hier war Schluss, nicht weiter!
Genug der Erholung. Ich ergreife die Schaufel mit einem beherzten Stöhnen, überwinde Schmerz und trübe Gedanken, stoße sie in den sandigen Boden. Die Ausbeute ist ein schwindendes Häufchen rieselnden Erdreichs. Der zunehmende Verlust wird angetrieben vom heißen Wind der Wüste. Es tut nichts zur Sache – das Loch ist bereits tief genug. Ich setze meine Arbeit nur fort, um den erhofften Effekt zu verstärken. Schaufel um Schaufel.
Bitteres Lächeln umspielt meine Lippen. In der Ferne höre ich ihre Rufe. Wie tollwütige Tiere. Dazwischen Schmerzensschreie begleitet von noch lauterem Jubel. Wieder hat es eine der armen Seelen getroffen, die nicht das Glück hatten, schon vor Stunden im Kugelhagel und Inferno explodierender Geschosse den Weg vor ihren Schöpfer angetreten zu sein.
Sie kommen näher, beten lauthals zu Allah – und meinen dabei ihren wahren Gott: Satan. Man könnte meinen, der echte Allah hätte uns verlassen. Doch das hat er nicht. Ganz im Gegenteil. Er hat uns einen überwältigenden Sieg geschenkt.

Fast einen Tag ist es her, dass wir unsere Familien auf den langen Weg nach Westen schickten. In Sicherheit. Alles was wir zurück gebliebenen zu tun hatten, war stand zu halten. Gegen diese Übermacht entfesselter Bestien. Mit Allahs Kraft konnten wir Stunde um Stunde die Lawine aufhalten. Genug Zeit für unsere geliebten Familien, genug Zeit, sie in Sicherheit zu wissen.
Irgendwann kannte das Rasen der Peiniger keine Grenze mehr. Sie setzen alles ein, was ihr Waffenarsenal zu bieten hatte. Mit dem Feuer Satans überrannten sie unsere Stellung und mähten uns gnadenlos nieder. Ich konnte nur schwer verletzt den Rückzug antreten. Hatte es meiner Frau versprochen: Ihr zu folgen nach Westen. „Wir werden uns bald wiedersehen“ raunte ich ihr ins Ohr, als wir uns das letzte mal umarmten. Es war eine Lüge und sie wusste das. Dennoch schenkte sie mir ihr bezauberndes Lächeln, gab mir einen langen Kuss – den letzten meines Lebens.

Jetzt stehe ich hier mit zerfetzten Beinen. Keine Ahnung, wie ich mich noch auf diesen Stümmeln halten kann. Egal, es zählt das Ergebnis. Der Wind, der den Sand von meiner Schaufel bläst, trägt das Feuer der Schlacht zu mir herüber. Getränkt von gequälten Schreien der gepeinigten. Die Schänder nennen es das Lachen Allahs, seinen Triumph über die Ungläubigen. Der Rest der Welt nennt es die Melodie des absolut Bösen.
Meinen Beinen entweicht der letzte Rest Lebenssaft und meinem Mund schmerzerfülltes Stöhnen. Ein kurzer Moment der Schwäche. Ich habe ihn schnell überwunden – doch zu spät. Die Meute hat ihn wahrgenommen, Köpfe strecken sich mir entgegen. Sie sehen mich, ein noch stehendes Opfer. Einen Ungläubigen, der nicht an den satanischen Allah glaubt. Der Schmerz entweicht meinem Gesicht und macht Lächeln platz. Sollen sie kommen. Ich stoße einen Schrei aus, dass auch der letzte mich vernimmt. Sie rennen los, singen Lobpreisungen, bedanken sich für ihr Glück. Einige stolpern über die umher liegenden Körper meiner Freunde, wühlen mit unbeholfenen Bewegungen den Sand auf. Ich danke Allah dafür. Eine weitere Demütigung ihres Größenwahns.
Es wird Zeit! Eilig greife ich nach dem Kanister, gieße das Benzin in das Loch. Die ersten Fratzen erreichen den Fuß der kleinen Düne, auf der ich stehe. Sie beginnen den Aufstieg. Einer von ihnen stolpert, vermag sich nicht mehr zu fangen, rollt abwärts und reißt die anderen Dämonen mit sich. Sie kommen vor den Füßen der nachfolgenden zur Ruhe. Perfekt. Alle auf einmal.
Ich fange an zu lachen. Entfessle die Wut dieser Witzfiguren. Sie rennen nun mehr als dass sie laufen. Haben mich gleich erreicht. Ziehen ihre Macheten. Wollen sich am Rest meiner Gliedmaßen vergehen, mich verstümmeln, mir bei lebendigem Leib die Manneskraft entreißen. Es wäre ein blutiges Spektakel. Doch sie wissen nichts von meinem Loch und dem Benzin in diesem. Schnell greife ich in meine Tasche – es ist noch da, stelle ich erleichtert fest. Zügig ziehe ich das Feuerzeug hervor. Es eilt, die Monster sind bis auf Armlänge heran gekommen. Von einem Augenblick zum anderen legt der Wind eine Pause ein. Ich schaue zum Himmel, danke Allah für seine erneute Hilfe. Eine Flamme erscheint in meiner Hand. Ein vollkommener Moment der Stille. Ich lasse mich fallen. Noch bevor mein Körper den Boden des Grabes erreicht entzünden sich die Gase, die sich in ihm angestaut hatten. Flammen umzüngeln meinen Körper. Ich blicke nach oben, in verzerrte Gesichter: Wut und Enttäuschung. Ihr bekommt mich nicht!

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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