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Die Abmahngeister, die ich rief …

Extrablatt am 9. März 2009

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In letzter Zeit war es ein wenig ruhiger geworden um das Gespenst Abmahnung. Nachdem einige Unternehmen in der Vergangenheit Federn lassen mußten, wagte sich die Abmahnindustrie zumindest an der Blogsphäre nahestehende Opfer seltener heran. Das hat sich nun geändert – jedenfalls augenscheinlich.

Augenscheinlich, weil es sich nicht wirklich um den sprichwörtlichen Kampf David gegen Goliath handelt. Mit Seoline hat ein eher durchschnittliches aus dem Web kommendes Unternehmen den Betreiber des doch recht bekannten Blogs Sistrix abgemahnt. Diesem Kräfteverhältnis ist die Lawine, die nach bekannt werden der Abmahnung durch die deutschen Blogs rollte, wohl auch zu verdanken.

Mittlerweile ist dem SEOux Indianer die ganze Sache etwas unbehaglich geworden. Befürchtet er angesichts der Rufschädigung an Seoline immerhin für Sistrix negative Auswirkungen auf den Ausgang eines eventuellen Gerichtsverfahrens. Zudem würden darunter nicht nur die Eigner und Geschäftsführer leiden, sondern auch jene Mitarbeiter, die mit der Abmahnung im Grunde nichts zu tun haben.

Hierin zeigt sich nicht nur die Macht der Blogsphäre, sondern auch ihre Verantwortung. Der Grat zwischen “Wir gehen jetzt gegen diese Abmahnindustrie vor” und “Wir schreiben ein Unternehmen in Grund und Boden” ist sehr schmal. Schnell sind Dinge wie Verhältnismäßigkeit und Gerechtigkeit (die bekanntlich allen Parteien zu teil werden sollte) aus den Augen verloren.
So etwas geht auch mal schnell nach hinten los. Denn während Sistrix sich zu (ge)recht(igkeit) gute Chancen gegen Seoline ausrechnet, könnten jene Schmähungen, Rufbeschädigungen und eventuell sogar unbeweisbaren Tatsachenbehauptungen zu einer – dann gerechtfertigten(!) – Abmahn- oder gar Klagewelle führen. Trifft es jedoch die Blogsphäre in ihrer Gesamtheit, geht ihr Abwehrpotential gen null. Es ist nämlich nicht nur die bloße Berichterstattung über Abmahnungen, die Druck ausübt. Vielmehr ist Kritik von unbeteiligter Seite die eigentliche Waffe – diese ist weitaus schärfer als das “Gejammer” eines sich beschwerenden Opfers.


   klammer 4 Ergänzungen angeheftet


Ergänzungen

# Geschrieben von SEOux Indianer am 9. März 2009:

Danke für die Verlinkung!
Am gefährlichsten ist der große Aufruhr in den Kommentaren. Bei einigen Bloggern die darüber berichtet haben, wurde in den Kommentaren vorgeschlagen, weiterhin die Blogs mit dem Firmen-Namen zu verlinken, damit die sich nicht mehr erholen. Auch wenn es eine aus der Schadenfreude heraus entstandene Spaßidee ist, versteht ein Richter dabei keinen Spaß.

# Geschrieben von TC Stahl am 9. März 2009:

Wobei wir uns hier eben in einer rechtlichen Grauzone bewegen (hattest du ja in deinem Artikel angedeutet). Theoretisch(!) dürften die Blogbeiträge und -kommentare, die nicht von den Streitparteien verfasst oder lanciert wurden, keinen Einfluß auf ein ev. Gerichtsverfahren haben. Ob das natürlich auch in der Praxis so bestand hat, bliebe abzuwarten.

Was diese Spaßidee angeht: Ein Richter würde dabei in der Tat keinen Spaß verstehen. Allerdings ist auch dieses Thema sehr interessant, jedoch in keinster Weise in seiner juristischen Auswirkung vorherzusagen.
Wir werden es aber wohl auch nicht so schnell erfahren. Denn Seoline wird sich sicher nicht mit der gesamten Blogsphäre anlegen wollen.

# Geschrieben von Patrick am 21. März 2009:

Ich denke das wird alles viel zu hoch geputscht. Es war “nur” eine Abmahnung und wurde erst durch die ganzen Blogbeiträge immer populärer. Man sollte es einfach vergessen….

# Geschrieben von Biggi am 15. Mai 2009:

Hi,
ich habe den ganzen Tamtam um diese Abmahnung mitbekommen – und bin irgendwie nicht wirklich überrascht, dass es immer noch nicht abflaut. Die Seoszene ist recht klein – und wer einmal danebentritt, bekommt das häufig sehr lange zu spüren.

Bin auch Patricks Meinung, langsam wäre es Zeit, die Sache zu vergessen – und einfach auch mal darüber nachdenken, ob man selbst nicht auch schon übers Ziel hinausgeschossen hat.

Biggi

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