Die Abenddämmerung der Gesellschaft

Jugendliche prügeln bar jeden Mitgefühls auf ihre Mitschüler ein, Amok laufende Kinder ziehen Schneisen des Todes durch Deutschlands Schulen, Erpressung ist an der Tagesordnung. Auf erschreckende Ausmaße läßt sich diese Liste fortführen und offenbart eine Erkenntnis: Schon heute können wir die Welt von Morgen sehen. Denn Kinder und Jugendliche spiegeln nicht nur unser heutiges Verhalten, sie potenzieren und perfektionieren es. Auch wenn der Nachwuchs des öfteren eher gegen Eltern und Gesellschaft rebelliert, kann er im Grunde nur das werden, was ihm vorgelebt wird. Besonders unfertige Charaktere junger Menschen nehmen jeden Funken des Extremindividualismus´ begierig auf. Das Gefühl für Andere läßt nach und verschwindet mancherorts gänzlich aus dem Denken der Menschen. So verwundert es nicht, daß an deutschen Schulen neben Intoleranz und Egoismus auch Gewalt einen dankbaren Nährboden findet.

In diesem Paradoxon (Individualisten erkennen die Rechte anderer Individuen nicht an!) offenbart sich das große Dilemma unserer Zeit. Mit Unverständnis quittieren Wissenschaftler und Gesellschaft die Entwicklungen. Obwohl nicht erst seit kurzem eine zunehmende Verrohung bei den Menschen zu erkennen ist – man erinnere sich an das Massaker von Erfurt – sind sie nicht im Stande, Erklärungen zu liefern; geschweige denn Lösungsvorschläge. Die Welt, die sich hier ankündigt, ist nicht die ihre.
Worin aber liegt der Unterschied? Es ist die zunehmend wertelose Gesellschaft unserer Zeit. Längst hat der Staat seine Funktion als Abbild einer Gemeinschaft von Bürgern verloren. Stütze für sozial Schwache erfolgt ausschließlich über Güterumverteilung. Menschlicher Zusammenhalt gehört längst in das Reich der Legenden und ist ständigem Wettbewerb gewichen. Daß hier nur noch die eigene Existenz zählt, ist logische Folge. Niemandem kann zugemutet werden, sich auf andere einzulassen. Erfährt er dadurch doch einen eklatanten Nachteil im Kampf um sein Leben, auch wenn es diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient.
Menschen erschöpfen sich jedoch bei weitem nicht nur in ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen. Vielmehr sind sie Gemeinschaftswesen und brauchen die Schutz gebende Nähe zu anderen. Im Netz Jahrhunderte alter Werte findet der einzelne seinen Halt. Fehlen sie bereits in der Phase der Erziehung, fehlt es folglich auch am zukünftigen Sinn für Gemeinschaft oder zumindest Gesellschaft.

2 Gedanken zu „Die Abenddämmerung der Gesellschaft“

  1. Der Zerfall ….
    hat sich angebahnt, als die Familienstruktur alter Art zu bröckeln begann. Wem “Erwerb” wichtiger ist als “Sorge für ältere Familienmitglieder”, wem der Fernsehgenuß(!) wichtiger ist als die Beschäftigung mit seinen Kindern – um nur zwei Beispiele zu nennen – der hat auch sonst nur sich selbst und seine Selbstverwirklichung (Überbleibsel aus den späten 60ern) im Sinn ….

    Eine Umkehr müßte dementsprechend in den Familien beginnen:
    Weniger staatlicher Eingriff – mehr Subsidiarität, das könnte helfen.

    Aber die Hoffnung darauf ist schwach, weil Politik in unserem Land glaubt erst wegnehmen zu müssen um dann wieder zu verteilen – und oft an Projekte oder Maßnahmen, die das Geld nicht wert sind ….

  2. Die passenden Anwälte aus Köln melden sich sofort auf Ihre Anfrage.
    Zitat: Google Anzeige

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