Der Weg zur (Web-) Polis ist steinig – Ein erstes Resümee

Seit nunmehr acht Wochen steht mit Jenapolis das erste lokale Hyperlocal-Projekt1 Deutschlands den Jenaern zur Verfügung. Mit durchaus achtbaren Anfangserfolgen. In Sachen Nachrichtengeschwindigkeit hat es die etablierte lokale Presselandschaft um Längen überholt. Was angesichts völlig verkrusteter Denkweisen in dieser Szene aber von Anfang an klar war. Auch was die Quantität der Informationen angeht, können die “alten Medien” nicht mithalten. Selbst ein schon länger existierendes Newsportal hat es gegen die geballte Web 2.0 -Macht schwer.

Genau hier muß man diese Vergleiche jedoch relativieren. Jenapolis ist nicht als reines Nachrichtenportal angetreten. Vielmehr steht die Kommunikation zwischen Bürgern und Akteuren im Vordergrund. Daß besonders letztere die Plattform aber zunächst als weiteres Publikationsmedium nutzen, liegt in der Natur der Sache.

Insofern steht Jenapolis nun an einer Schwelle. Gelingt es, nicht nur die Bürger Jenas zum kommentieren, sondern auch Politiker, Unternehmer und Institutionen zum kommunizieren zu bewegen?
Erste Erfolge auf politischer Ebene (die mir besonders am Herzen liegt) gibt es diesbezüglich bereits. So nutzt die Jenaer FDP die Möglichkeit, Stellungnahmen auch jenseits “glattgeleckter Pressemitteilungen” (O-Ton eines Freundes ^^), durchaus rege. Zuerst zu einem eher populären Thema (Stadion-Neubau für den FC Carl Zeiss Jena), aktuell aber auch in den Niederungen tiefster Lokalpolitik (Hundekot auf Jenas Straßen).
Dazu sei angemerkt, daß die aktive Öffentlichkeitsarbeit gegenüber der Politik erst vor knapp einer Woche begonnen hat. Kein leichtes Unterfangen. Dürfen die Damen und Herren ja nicht übermäßig verschreckt werden. Zugleich muß man sie aber deutlich mit der Nase darauf stoßen, das hier die Zukunft republikanischer Politik entsteht.

Jenapolis bildet letztendlich genau jene Strukturen ab, die schon vor Jahrtausenden auf den Agoren (Mehrzahl von Agora?) und Foren (Forum Romanum) das politische wie gesellschaftliche Leben regelten. Da man heutzutage aber keine 100.000 Bürger auf den Marktplatz bekommt, findet Republik eben im Internet statt.
Dabei kristallisiert sich schon jetzt die schwierigste Aufgabe heraus: Wie ordnet man die vielen Meinungen, Meldungen, Fragen und sonstigen Nachrichten so, daß sie nicht in einem unüberschaubaren Haufen verloren gehen?

Übrigens: Jenapolis ist im Grunde noch Beta – vieles ist noch im Wandel, muß den unerwarteten Anforderungen angepaßt werden. Leider gibt es keine Referenzen, anhand derer wir abschauen könnten. Dafür entsteht in Deutschland endlich mal etwas, was vom Konzept her weltweit innovativ ist.

1 Leider gibt es keinen Wikipediaeintrag zu Thema Hyperlocal. Deshalb an dieser Stelle einige weiterführende Links:
Facebook goes Hyperlocal
Nachrichten 2.0: Hyperlokalität im Internet
Und wer des Englischen mächtig ist, findet dann doch in Wikipedia eine Anlaufstelle

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

Ein Gedanke zu „Der Weg zur (Web-) Polis ist steinig – Ein erstes Resümee“

  1. Auf Yigg gab es gerade die Frage, was genau denn das Besondere an Jenapolis ist. Dazu zwei kurze Anmerkungen:

    – Das Projekt ist nur auf Jena und Region fokusiert. Stellt also keinen weiteren Versuch dar, vom überregionalen in den lokalen bereich vorzudringen.

    – Das Netzwerk entsteht nicht nur online, sondern ist stark auch offline tätig.

    Deshalb kann man diesen hyperlokalen Ansatz nicht mit herkömmlichen Web 2.0 -Projekten vergleichen. Ich werde dazu sicher noch den einen oder anderen Artikel verfassen.

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