Blogger mögen es überregional …

Das Ziel der meisten informellen Webprojekte dürfte es sein, Wirkung auf die Gesellschaft oder zumindest eine bestimmte Szene in dieser zu entfalten. Neben dem Anspruch, irgendwann Geld zu verdienen, dürfte dies eine wichtige Triebfeder auch des Web 2.0 sein. Doch wie erkennt man, daß die eigenen Inhalte Einfluß zum Beispiel auf die Meinungsbildung nehmen? Anhand der Besucherstatistik läßt sich diese Frage jedenfalls nicht beantworten. Sie ist viel zu sehr auch von anderen Faktoren technischer Natur abhängig (SEO, Werbung, sekundäre Inhalte u.s.w.).

Hier kommt die Blogsphäre ins Spiel. Auch wenn ihre eigene Wirkung auf die Gesamtgesellschaft (noch) eher marginal ist, dient sie doch hervorragend als Indikator für die Bedeutung einzelner Webangebote. Der Grund dafür liegt im Konzept des Bloggens. Obwohl dieses zunehmend verwässert bzw. erweitert wird, ist doch nach wie vor einer der Hauptbestandteile das Aufgreifen aktueller Themen mit Bezug zu führenden Informationsquellen. Viele Blogger zitieren oder verlinken Artikel größerer Nachrichtenportale und schreiben um diese herum ihre subjektiven Ansichten. Mit anderen Worten: Quellen, die regelmäßig auf Blogs genannt werden, haben einen gewissen Grad an Bedeutung für die Gesellschaft erlangt.

Wahrnehmung einer Lokal-Plattform in der deutschen Blogszene

Langsam aber stetig ist Jenapolis nun dort angekommen, wo die meisten Projekte hin wollen. Nach bisher eher seltenen Erwähnungen in Blogs verzeichnete das Projekt jüngst in dieser Beziehung einen wahren Schub. Folgend eine kleine Auswahl, jeweils mit Link zum entsprechenden Blogbeitrag:

xxl-killababe berlin wordblog
netzpolitik.org
Readers Edition
Rainers Blog
Gunnar Wagenknecht
THÜRINGER BLOGZENTRALE
Egons Notizblock

Dabei handelt es sich keineswegs nur um regionale Blogs. Ganz im Gegenteil. Für ein derart lokal fokussiertes Portal wie Jenapolis also nicht schlecht.

Überregionale Themen sind Trumpf

Was bei dieser Liste auffällt: Es handelt sich bei den zitierten bzw. verlinkten Jenapolis-Artikel durchweg um solche, die überregional bedeutsame Themen behandeln. Ob nun Internet-Zensur, Schäuble-Besuch in Jena oder die jüngsten Wahlen.
Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß zumindest am Anfang rein lokale Inhalte selbst in der regionalen Blogsphäre keine Resonanz finden. Ob sich dies mit zunehmender Bedeutung des Projekts im Laufe der Zeit ändert, bleibt abzuwarten.

Auch wenn diese Erkenntnis für so manches Lokalportal niederschmetternd wirken könnte, zeigt sie doch eine wichtige konzeptionelle Herangehensweise auf: Auch wenn man sich auf die eigene Stadt oder Gemeinde konzentriert, sollten sogenannte Mainstream-Themen keinesfalls fehlen. Besonders solche, die zur allgemeinen Aufregung der Internetgemeinde taugen.

Schwierige Gradwanderung zwischen Originalität und Beliebigkeit

Wer nun aber glaubt, ein vornehmlich lokales Portal einfach massenhaft mit Deutschland-Themen bestücken zu können, dürfte sich auf dem Holzweg befinden. Denn damit die überregionalen Themen überhaupt erst von der Blogsphäre wahrgenommen werden, bedarf es eines zuvor aufgebauten inhaltlichen Renommees. Und das geht nun mal nur auf der originären Ebene – also dem Lokalen.

Es gilt also zunächst über die gute alte Fleißarbeit, sich einen Namen zu machen. Natürlich können auch in der Frühphase Themen, die auch(!) überregional bedeutsam sind, aufgegriffen werden. Über die Stadtgrenzen hinaus erfolgreich werden diese jedoch erst sein, wenn erfahrungsgemäß einige Monate und unzählige Beiträge ins Land gezogen sind.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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