Bildungsstreik eskaliert – Wenn sich zum Protest Frust gesellt

Aus einer anfänglich eher alltäglichen Idee – nämlich Universitäten und Schulen zu bestreiken – ist mittlerweile eine Protestwelle geworden, die nicht mehr überhört werden kann. In zahlreichen Städten bleiben Studenten und Schüler nicht nur ihrem Unterricht fern, sondern demonstrieren lautstark und teilweise handfest gegen das Bildungssystem.

So besetzten heute in Jena zahlreiche Studenten Teile des Rektorats. Schon am gestrigen Mittwoch war es bei der Erstürmung von Studien- und Prüfungsamt zu Sachbeschädigungen gekommen. Mit diesen und anderen Aktionen wollen die Demonstranten auf die zunehmend schlechter werdenden Zustände insbesondere an Deutschen Hochschulen aufmerksam machen.

Mißachtete Forderungen der Studenten führen zu Frust

Aus dem anfänglichen Wohlwollen der Universitätsleitung ist nach den jüngsten Ereignissen eher Ablehnung geworden. Dabei sollten gerade die universitären Führungsebenen den Ball schön flach halten. Aus ihren Reihen kam in der Vergangenheit eher marginaler Protest gegen den Bologna-Prozeß. Zwar drohte der eine oder andere Professor mit Folgen. Doch wirklich passiert ist nichts.

So waren (und sind) die Studenten mit ihren Problemen allein gestellt. Überfüllte Hörsäle, regelrechter Kampf um Seminarplätze, unflexible Stundenpläne, vorgegebener Stoff, ungenügend große Buchbestände in den Bibliotheken. Dies sind nur einige der drängendsten Themen, die einer Lösung verharren.

Wie in jedem anderen Staatswesen auch mutieren unbeachtete Bedürfnisse und Forderungen erst zu Frust, dann zu Protest und Schlußendlich in aus beidem sich speisenden Aufruhr. Gerade in Jena, wo ein Politikwissenschaftler das Rektorat inne hat, sollte das bekannt sein. Insofern ist die Eskalation des Bildungsstreiks ein Produkt länger zurück liegenden Versagens auf allen Ebenen.

Nährboden für neue Parteien mit moderner Politik

Wie sehr auf den aktuellen Entscheidungsebenen die Hand vors Gesicht gehalten wird, zeigt sich an einer Entwicklung auf dem Parteiensektor, die über kurz oder lang Deutschland umkrempeln wird. Mit Organisationen wie der Piratenpartei hat die neue Web-Generation bereits ein Sprachrohr gefunden. Die nächsten Jahre dürfte die Partei jene Plätze einnehmen, die einst die Grünen inne hatte. Doch auch auf lokaler Ebene finden die protestierenden Studenten politische Unterstützung. In Jena stellten sich etwa Die Guten, die jüngst einen Sitz im Stadtrat erobern konnten, an die Seite der Demonstranten.

Hier entsteht von unten aus der Mitte der Bevölkerung eine neue Generation von Parteien, die schon bald die etablierten Kräfte ablösen dürften.

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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