Armes, böses Google

Für Google ist es ungemütlicher geworden – besonders in Europa. Erst rückten Gerichte dem Suchmaschinenriesen zu Leibe und verpflichteten ihn dazu, Einträge manuell zu entfernen. Dann schossen Regierung und Bundestag mit dem Leistungsschutzrecht hinterher. Und überhaupt steht Google wegen seiner Datenschutzpraxis seit Jahren in der Kritik und im Fokus der Datenschutzbeauftragten quer durch Europa.

Ist Google doch nicht böse?

Grund genug für SpiegelOnline, auch mal einen positiven Bericht zu veröffentlichen. Google sei doch gar nicht so böse, wie es immer behauptet wird. Spiegel-Autor Thomas Schulz begründet das wie folgt:

Vielleicht hätten viele Deutsche einen anderen Eindruck von Google, wenn sie einen Nachmittag auf dem Firmencampus verbringen würden. Wahrscheinlich würden sich viele erstaunlich wohl fühlen. Auf den ersten Blick scheint es fast, als wäre man in einem Zentrum der deutschen Alternativkultur gelandet. Fleecejacken und Barfuß-Turnschuhe bestimmen das Bild. Es gibt Tofu, der Geruch von Marihuana liegt in der Luft, und die Wände sind mit “Rettet die Ozeane”-Postern plakatiert.

Außerdem konstatiert er, dass es ja sowieso die ewig Gestrigen seien, die Google kritisierten. Jene, die vor Jahren über die Bedeutung des Internets gelacht hätten.

Der Artikel kommt … wie kann man das am besten bezeichnen … als nur unmotiviert versteckte Propaganda Pro Google herüber. Die Quintessenz: Statt den US-Konzern in seiner Macht zu beschränken, ihm Regeln auf zu zwingen, sollte Deutschland respektive Europa doch besser was eigenes auf die Beine stellen. Mit anderen Worten ein sehr neoliberaler Text, der allein auf Wettbewerb setzt und recht seltsame Bilder bemüht, um Google irgendwie positiv dastehen zu lassen.

Google ist ein Weltumspannender Monopolist!

Dabei unterschlägt Schulz das ursächliche Problem: Google ist ein Monopolist. Zumindest in Deutschland und dem größten teil Europas beherrscht das Unternehmen das Internet. So extrem das klingt, so sehr ist es Realität. Niemand – weder wirtschaftliche, gesellschaftliche oder politische Akteure – kommt an dieser einen Suchmaschine vorbei. Ganze Geschäftsfelder bauen allein auf die Gunst Googles auf. Wenn dieser Riese sich entscheidet, nach rechts zu gehen, der Rest aber eigentlich nach links möchte, werden wir ein schneidiges Rechtsum vollführen und wie Dackel ihrem Herrchen hinterher laufen.

Und Google nutzt diese Macht aus. Tausende Shopbetreiber können ein Lied davon singen. Ebenso diverse Presseverlage, Werbefirmen und überhaupt die gesamte IT-Branche. Längst ist die Suchmaschine kein neutraler Suchroboter mehr. Viele Suchergebnisse stehen – vom normalen Nutzer meistens unbemerkt – unter dem Diktat des Kommerzes. Gleichzeitig maßt sich Google an, die Inhalte anderer (Bilder, Artikel, Meldungen) kostenlos in das eigene Angebot einzubinden. Wer aufmuckt, dem wird mit Ausschluss aus der Google-Welt und damit faktisch aus dem wahrgenommen Internet angedroht.

Das hat nicht nur wirtschaftliche Folgen. Wer nicht nach Googles Pfeife tanzt, wer sich dem Internet-Riesen widersetzt, der landet im unauffindbaren Hintergrundrauschen unendlicher Web-Welten. In Gefahr ist hier die Meinungsfreiheit an sich. Ja, man könnte sogar so weit gehe und sagen: Google ist eine Gefahr für die Demokratie.

Wettbewerb? Unrealistisch!

Gegen eine solche Marktmacht und gesellschaftliche Bedeutung kommt unter marktwirtschaftlichen Bedingungen kein Akteur an. Das ist das Wesen von Monopolen. Und aus diesem Grund gibt es in fast allen Staaten dieser Welt Kartellbehörden, die gegen derart massive Marktkonzentration vorgehen. Anders, als es Thomas Schulz gerne hätte, muss Google per Gesetz in seine Schranken verwiesen werden. Sonst werden wir unsere Demokratie einem US-Konzern ausliefern. Wollen wir das wirklich?

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

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