So macht uns Facebook gläsern – Ein offener Brief

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Lieber Facebooknutzer,

Jahre sind vergangen, als dein Netzwerk Nummer 1, Facebook, das Licht der Welt erblickte. Vom ehemals innovativen Startup mauserte es sich zum größten Forum des Internets. Damals war es noch modern und hip. Doch die Jahre haben auch an Facebook Spuren hinterlassen. In der harten Schule des Kapitalismus wurde aus dem liebenswerten Webprojekt ein gefährlicher Datenmoloch. Du glaubst mir nicht? Dann lass mich ein paar Fakten nennen.

Facebook weiß alles über dich

Du schreibst doch bestimmt auch so allerlei alltägliches auf deine Pinnwand. Wo du gerade bist, wie schön die Party gestern war, wie toll du den einen oder anderen Song, Film oder was auch immer findest. Nun, dann weiß Facebook, wer du bist, wie du denkst und was du tust. Denn all diese Informationen werden gespeichert – über Jahre hinweg.

Mit einem neuen Update Facebooks wird es Drittanbietern – also irgendwelche Webseiten im Internet – zudem möglich sein, deinen dortigen Besuch zu protokollieren und an Facebook zu schicken. Dein Netzwerk weiß nun nicht nur über die Dinge bescheid, die du direkt auf der Plattform offenbarst. Es kennt ebenso deine Gewohnheiten beim Surfen im Internet.

Und Facebook wertet eben diese Informationen aus. Erstellt ein Profil von dir. Mit jedem Eintrag auf deiner Wall, jeder Gruppenmitgliedschaft, jedem Kontakt, jedem Seitenaufruf im Internet erkennt Facebook ein Stück mehr deines Wesens. Jedes noch so unbedenkliche Wort wird in Kontext zu allen anderen deiner Informationen gesetzt. Wie ein Puzzle. Irgendwann stellt sich dann für Facebook das Gesamtbild dar, es weiß nun, welcher Meinung du bist, welchen Geschmack und welche Vorlieben du hast. Kurz: Für Facebook bist du gläsern, völlig transparent. Es weiß teilweise mehr über dich, als du selbst.

Facebook will Geld verdienen – gemeinsam mit anderen

Du fragst dich nun ungläubig: Warum sollte Facebook das tun? Ganz einfach: Nur wenn das Netzwerk das alles weiß, kann es dir Werbung unterschieben. Unterschwellig und meistens unbewusst wirst du auf bestimmte Botschaften geeicht. Das muss nicht nur Produktwerbung sein. Auch politische und ethische Botschaften finden so den Weg in dein Denken. Du merkst diese Beeinflussung nicht. Denn alles kommt dir so vor, als wäre es das Beste für dich

Nicht so schlimm, denkst du? Selbst im Fernsehen wirkt Werbung auf diese Weise? Facebook wird mit den Daten schon sensibel umgehen. Falsch! Mit jeder App eines Drittanbieters – z.B. eines Spiels, einer Spaßumfrage u.s.w. – öffnest du dich nach außen hin. Nicht nur Facebook kennt dich nun in und auswendig. Auch andere Unternehmen erhalten Einblick, kennen deine Aktivitäten, deine Krankheiten und privaten Verhältnisse.

Stell dir vor, es ist dein Arbeitgeber, der Zugriff auf die Informationen über dich hat. Oder eine staatliche Sicherheitsbehörde via Rasterfahndung. In den USA ist letzteres längst möglich. In Deutschland versuchen gerade konservative Parteien – aber auch vermeintliche (Freiheitliche und Sozial-) Demokraten den Datenschutz zu Gunsten staatlicher Überwachung – sie nennen es Sicherheit – aufzuweichen. Was ist, wenn irgendwann wieder eine extremistische Partei von rechts oder links an Einfluss gewinnt? Facebook wird deine Daten nicht verteidigen. Denn es will Geld verdienen. Und dazu bedarf es des Wohlwollens politischer wie wirtschaftlicher Akteure.

Datenschutz gibt es nicht bei Facebook

Triumphierend verweist du jetzt auf die Datenschutzeinstellungen bei Facebook. Dort kann man ja einschränken, wer was sieht.
Bist du dir da wirklich sicher? Schau dir die Einstellungen einmal genauer an. Es ist die Rede von anderen Nutzern. Nicht von Facebook. Du kannst es nicht ausschließen. Selbst wenn du alles auf „privat“, unsichtbar, einstellst, wird es weiterhin alles oben Genannte speichern, auswerten und (aus)nutzen.

Selbst das Löschen der Informationen wird dir nicht weiterhelfen. Alles bleibt gespeichert. Davon einmal abgesehen: Mit jeder Nennung deines Namens in einem Beitrag eines anderen erfährt Facebook etwas über dich.

Wie du dich gegen Facebook verteidigen kannst?

Gib dem Netzwerk nur unsensible Informationen. Auf keinen Fall solltest du veröffentlichen, wo du wann warst, was du dort getan hast. Spare mit Aussagen, die etwas darüber aussagen, was du gut findest, wie es dir geht, was du denkst. Beteilige dich an der Aktion “Europe versus facebook“.

Am besten wäre es natürlich, du würdest Facebook gar nicht erst benutzen. Aber das ist vermutlich (noch) zu viel verlangt.

Edit 13.03.2013: Forscher erstellen Nutzerprofile anhand Likes

In einer Studie, an der 58.000 Facebook-Nutzer aus den USA teilnahmen, fanden britische Wissenschaftler heraus, dass sich bestimmte Dinge über Facebook-Nutzer anhand ihrer Likes herausfinden lassen (t3n.de).

Veröffentlicht von

Thomas C. Stahl

Herausgeber von tiuz.de. Motto: Die einzige legitime Politik in einer Demokratie ist die des Volkes! Homepage

9 Gedanken zu „So macht uns Facebook gläsern – Ein offener Brief“

  1. Das kann ich so nur unterschreiben. Und möchte noch anfügen, es ist ohne weiteres möglich, auch ohne Facebook ein Leben zu führen. Ja, unglaublich, aber wahr.

    Leider wird sich die Vernunft hier so schnell nicht durchsetzen, denn die Masse der Nutzer hat keine Ahnung davon, was hier von ihnen gespeichert wird und wie dies genutzt wird. Und wenn sie darauf hingewiesen werden, wird der Hinweis ignoriert oder als paranoider Unsinn abgestempelt. Wenn sich die gesammelten und öffentlich zugänglichen Informationen dann mal negativ für sie auswirken, möchte man glatt ein wenig schadenfreudig sein – denn Facebook hätte nicht die Möglichkeit, diese Datensammlerei durchzusetzen und umzusetzen, wenn die Nutzer nicht bereitwillig mitspielen würden. Letztlich fällt es zumindest zu Teilen in die Kategorie selbst schuld.

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